Kino-Komödie "Starbuck" Ich habe 533 Kinder - wie schön

Wer häufig Samen spendet, muss drastische Spätfolgen fürchten. In der Komödie "Starbuck" erfährt ein Verlierertyp, dass er zu Studienzeiten über 500 Kinder gezeugt hat. Jahre später droht deswegen Stress - denn zu seinem Entsetzen wollen ihn 142 davon kennenlernen.

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Die Geburtenrate Kanadas mag fast so niedrig liegen wie die deutsche, aber niemand würde auf die Idee kommen, ausgerechnet David Wozniak zu bitten, sich in Sachen Fortpflanzung ins Zeug zu legen. Mit seinen 42 Jahren kann der Mann aus Montreal auf ein Leben zurückblicken, in dem er nichts, aber auch gar nichts, auf die Reihe bekommen hat. Seinen Job als Fleischauslieferer einer Metzgerei hat er nur, weil sein Vater dort der Chef ist und weil es in der ganzen Firma keine anspruchslosere Arbeit gibt. Und selbst das kriegt er nicht hin.

David ist faul, niemals pünktlich, und verlassen kann man sich nur auf seine Unzuverlässigkeit. Er hat einen Haufen Schulden, weswegen er ins Marihuana-Geschäft eingestiegen ist, aber seine Versuche des Selbstanbaus scheiterten an gärtnerischer Unfähigkeit. Nun hat er noch mehr Schulden am Hals, und dazu noch die sehr gewaltbereiten Kriminellen, die sie eintreiben wollen. Sein Vater, seine Brüder, seine Freundin halten ihn für den größten Versager der Welt. Aber David ist viel zu träge, als dass er sich deswegen beleidigt fühlen könnte.

Nur einmal hat er großes Engagement gezeigt: Vor vielen Jahren, als Student in Geldnot, nutzte er sein einziges erkennbares Talent (Masturbieren), um sich bei einer Samenbank als Spender etwas dazuzuverdienen. Wieder und wieder und wieder. Heute hat er das mehr oder weniger vergessen. Bis ein Anwalt vor seiner Tür steht und ihm eröffnet, dass er der Vater von 533 Kindern ist. Und dass ihn 142 davon unbedingt kennenlernen möchten. Zur Not per Gerichtsbeschluss.

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Komödie "Starbuck": Papa ist für alle da
David reagiert seiner emotionalen Reife entsprechend und bekommt eine Panikattacke. Er sei überhaupt nicht David Wozniak, sagt er dem Anwalt, und selbst wenn - er möchte nichts mit seinem Nachwuchs zu tun haben. Aber er ist natürlich viel zu neugierig, um nicht doch einen Blick in die Liste mit den 142 Namen zu werfen.

Schutzengel statt Vaterrolle

Gute Voraussetzungen für eine Komödie, und "Starbuck", der neue Film des kanadischen Regisseurs Ken Scott, weiß sie zu nutzen. Scott lässt seinen nichtsnutzigen, aber liebenswert tapsigen Helden (Patrick Huard) seine ganz eigene Art von Familienforschung betreiben: Nach dem Zufallsprinzip sucht David immer wieder neue Namen von der Liste aus und schleicht sich in die Leben seiner Kinder. Schaut, ob aus ihnen etwas geworden ist, denn er weiß ja selbst, dass das bei dem Vater nicht selbstverständlich ist.

Und wenn er merkt, dass sie Probleme haben, spielt er den Schutzengel. Zwingt Passanten, den Straßenmusikanten zu würdigen, der frierend in der U-Bahn-Passage steht; springt für den frustrierten Kellner ein, damit der zum Vorsprechen kann und von einer Schauspielerkarriere träumen darf; schafft das Mädchen ins Krankenhaus, das zu viele Drogen genommen hat. Natürlich alles, ohne sich zu outen.

David gibt den Vater aus der Ferne, und er fühlt sich wohl dabei. Seine Entdeckungstour durch die Welt seiner Kinder ist dann auch der schönste Teil des Films, denn dabei entfaltet der Film einen solchen Witz und eine solche Herzlichkeit, dass er sein Publikum ganz unangestrengt um den Finger wickelt.

Das macht er so geschickt, dass man "Starbuck" danach kaum noch etwas übelnehmen kann, vor allem nicht sein wachsendes Glaubwürdigkeitsproblem. Denn immer, wenn man sich fragt, warum eigentlich die ganzen Mütter überhaupt nie auftauchen - oder warum sich gerade mal ein einziges der Kinder über den unbekannten Glücksbringer zu wundern scheint -, gibt es wieder genug zu lachen oder vor Rührung zu weinen, dass man sich gar nicht mehr beschweren mag.

Wobei es gegen Ende dann doch ein bisschen arg zuckrig wird und alles etwas zu problemlos auf die herzerwärmende Auflösung hintrudelt. Aber egal. Man kann diesem Film so wenig böse sein wie seinem Helden, auch wenn beide ihre Fehler haben. Tief drin meinen sie es beide gut.


Starbuck. Start: 16.8. Regie: Ken Scott. Mit Patrick Huard, Julie LeBreton.



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sigstop 16.08.2012
1. optional
Es ist übrigends in Deutschland so, dass Samenspender nicht anonym sind/bleiben und dass Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden können.
enni3 11.10.2012
2. Falsch
Zitat von sigstopEs ist übrigends in Deutschland so, dass Samenspender nicht anonym sind/bleiben und dass Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden können.
Das ist totaler Blödsinn. Der Spender ist vor Unterhaltsansprüchen aus der Existenz eines leiblichen Kindes in diesen Fällen geschützt. Vielmehr ist es sogar so, dass der soziale Vater, die Vaterschaft nicht anfechten kann. In anderen Fällen reicht der Nachweis einer nicht-biologischen Vaterschaft aus, um sie anfechten zu können, z.B. bei Kuckuckskindern. Die einzige Einschränkung ist tatsächlich, dass das Kind einen Anspruch auf die Kenntnis des biologischen Vaters hat, aber erst bei Volljährigkeit. Eine Vertretung dieses Rechtsanspruches durch die Mutter oder den sozialen Vater bei nicht Volljährigkeit des Kindes ist ausgeschlossenen.
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