Von Andreas Banaski
Frau Professor hat die Hosen an. Dr. Margaret Matheson alias Sigourney Weaver stemmt sich seit mehr als 30 Jahren gegen Unvernunft und Gaukelei. Meistens sind es Männer, die sie entlarvt: Hochstapler, die sich als übernatürlich begabt ausgeben und den Naiven und Leichtgläubigen das Geld aus der Tasche ziehen. Ihren Studenten predigt Matheson gesunde Skepsis gegenüber mysteriösen Phänomenen - für die übrigens auch ihr Lehrstuhl-Widersacher, ein gnomenhafter Streber, anfällig ist.
Doch auch sie hat ihren schwachen Punkt. Schon vor Jahrzehnten konnte sie Simon Silver, dem von Robert De Niro gespielten blinden Star der Esoterikszene, nicht das Handwerk legen, weil der raffiniert auf der Klaviatur ihrer Gefühle spielte. Mathesons Sohn David lag im Koma, die Schulmedizin war hilflos, und ausgerechnet Silver deutete Hoffnung an, als er in einer TV-Show vorgab, Kontakt mit David aufnehmen zu können. Matheson kochte damals vor Wut, aber sie bekam es auch mit der Angst zu tun.
Nun bereitet der lange Zeit untergetauchte Silver seine publikumswirksame Rückkehr vor, doch Matheson scheut die Konfrontation noch immer: Zu sehr hat sie die damalige Auseinandersetzung mit Silver traumatisiert, und immer noch siecht ihr Sohn dahin. Ihr Assistent Tom (Cillian Murphy), der Matheson mit Mess- und Aufzeichnungsgeräten zur Seite steht, ist allerdings weniger zimperlich und will Silver endlich als Betrüger entlarven.
Gute Wissenschaftler, böse Gabelverbieger
Soweit die Ausgangslage in "Red Lights", dem neuen Film vom spanischen Regisseur und Drehbuchautor Rodrigo Cortés: Die Wissenschaft ermittelt umsichtig, Hellseher und Gabelverbieger sind gemeingefährlich oder zumindest volksverdummend. Damit hat er zumindest schon mal den Londoner Psychologie-Professor Chris French überzeugt, der unlängst im "Guardian" die historischen Scharlatanvorbilder von "Red Lights" entschlüsselt hat (den berüchtigten Ex-Fernsehprediger Peter Popoff beispielsweise), und den Film bei der Gelegenheit "trotz Schwächen als originell und unterhaltsam" empfahl. Das sah die US-Kritik, die Cortés noch nach dessen klaustrophobischem Thriller "Buried - Lebend begraben" von 2010 als großes Talent gefeiert hatte, aber ganz anders und verriss "Red Lights" größtenteils als Quatsch aus der untersten "Akte X"-Schublade.
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