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Kinofilm "Metéora": Verbotene Liebe im Kloster

Von Daniel Sander

Im griechischen Film "Metéora" suchen ein Mönch und eine Nonne in größter Abgeschiedenheit die Nähe zu Gott und finden dabei vor allem zueinander. Ein berauschendes bis todlangweiliges Kunstwerk, reich an großen Bildern und arm an Ereignissen.

Näher kann man sich Gott wahrscheinlich kaum fühlen als in den Metéora-Klöstern mitten in Griechenland. Auf steilen Felsen recken sie sich dem Himmel entgegen, nur schwer zu erreichen für die Menschen von unten, so hoch, dass sie zu schweben scheinen, wenn die Wolken durch die Berge pflügen. Sechs der einst 24 Klöster sind heute noch bewohnt, vier von Mönchen, die anderen zwei von Nonnen. Weit weg von allem Irdischen, wie im Himmel.

Es ist eine so übermenschlich schöne Kulisse, dass man eigentlich nur aus verschiedenen Perspektiven die Kamera draufhalten muss, um einen abendfüllenden Spielfilm hinzubekommen, denn für Bilder wie diese wurde das Kino schließlich erfunden. Das hat der griechische Regisseur und Autor Spiros Stathoulopoulos in seinem zweiten Spielfilm "Metéora" auch fast getan, doch nebenbei hat er auch noch eine Geschichte zu erzählen: von einem Mönch (Theo Alexander) und von einer Nonne (Tamila Koulieva), die sich ganz Gott verschreiben wollen und trotzdem nicht verhindern können, dass sie einander verfallen.

Fotostrecke

4  Bilder
Kunstfilm "Metéora": Wie im Himmel
Ein zufälliges Treffen im Tal reicht aus, um die Welt der beiden ins Wanken zu bringen. Verstohlene Blicke, ein verschwommenes Gefühl von Sehnsucht und Verlangen. Die Klöster der zwei liegen sich auf ihren jeweiligen Felsnadeln direkt gegenüber, mit kleinen Spiegeln senden sie sich Lichtsignale zu. Irgendwann ein gemeinsames Picknick, die erste kurze Berührung, kaum Worte, ein Lächeln, und die Gewissheit, dass es dabei nicht bleiben wird.

Keine Chance gegen die Sünde

Eine verbotene Liebe zweier Menschen, die hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu Gott und dem gegenseitigen Verlangen immer wieder aufeinander zutreiben, die nichts so sehr fürchten wie die Sünde und keine Chance haben, ihr zu entkommen - klingt doch ganz schön spannend.

Ist es aber nicht. Will es auch nicht sein. Stathoulopoulos übt sich als Erzähler in der Kunst der totalen Reduktion: zaghafte Gesten, Andeutungen und Auslassungen sind hier alles; großes Drama, Tempo und ganze Sätze sind nichts. "Metéora" zeigt detailgenau die strengen Riten des Ordenslebens, die beschwerlichen Auf- und Abstiege in die Klöster, doch von der Liebesgeschichte bleiben nur Fragmente, was durchaus einen Sinn ergibt, denn es liegt ja im Interesse der Protagonisten, dass diese Liebe so geheimnisvoll wie möglich bleibt.

Stattdessen also: Bilder. Überwältigende Bilder von einer surrealen, steinernen Welt und den Menschen, die sich ihr ergeben haben. Manchmal streut Stathoulopoulos kleine, originelle Animationen ein und lässt zum Beispiel die Nonne ihr Haar ausrollen, damit es sich wie eine Brücke zum Kloster des Geliebten schlingt. Es sind Bilder, die einen berauschen können, oder zumindest diejenigen, die einen Sinn für meditative Grandezza haben.

Für alle anderen dürften die 82 Minuten "Metéora" sehr, sehr lang werden.


Filmangaben:
Metéora. Start: 12.6. Regie Spiros Stathoulopoulos. Mit Theo Alexander, Tamila Koulieva.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Langeweile?
spontifexmaximus 12.06.2014
Na klar wird sich die Menge langweilen. Heute zählen keine schönen Bilder mehr, keine durcherzählte Handlung. Heute muss es schnell gehen, es muss viel geballert werden, und dazwischen etwas Sex - mehr Konzentration können die meisten eh nicht mehr aufbringen - leider!
2. Christliche Liebe [=|=] Verbotene Liebe [=] Sünde
zyan 12.06.2014
Ein seltener Film und angesichts einer immer chaotischer werdenden Welt auch seltsam anmutender Spielfilm, der sich des Themas Liebe annimmt. Die erzählte und gezeigte Liebesgeschichte zwischen einem Mönch und einer Nonne in der klösterlichen Abgeschiedenheit einer einsamen Bergwelt, erscheint wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Einer Zeit in der die Menschen noch über das Leben, die Liebe, den Tod und Gott tiefgründig nachdenken konnten. Respekt vor den griechischen Regiesseur Stathoulopoulos und den Darstellern die die Hauptrollen spielen. Natürlich werden die meisten Kinobesucher diesen Film in unserer heutigen schnellebigen Zeit äußerst langweilig finden. Es nicht damit zu rechnen, dass eine klösterliche Liebesgeschichte viele Kinobesucher anziehen wird. Die Filmemacher können froh sein, wenn der Film gerade die Produktionskosten decken sollte. Aber ich glaube, dass dies nicht das eigentliche Ziel des Filmes ist. Langweilig ist die erzählte Geschichte nur für diejenigen, die nichts oder nur oberflächlich etwas über die Aussagen des christlichen Glaubens über die Liebe als solche wissen. Und das sind die meisten. Für diejenigen aber, und das sind die allerwenigsten, die das nötige tiefgründige Hintergrundwissen haben kann der gezeigte Spielfilm hochinteressant werden. Denn es wird ein abgrundtiefer Konflikt aufgezeigt zwischen der "Liebe zu Gott" in einem strengen Klosterleben, und einer zutiefst "menschlichen Liebe zwischen Mann und Frau". Beide Formen der Liebe sind nicht dasselbe, obwohl nach 1. Johannes 4 Vers 8 die Aussage steht: ... denn GOTT IST LIEBE ... Die Liebe zu Gott steht höher als die menschliche Liebe. Die Sünde besteht darin, dass Mönch und Nonne ihr Gelübte Gott zu dienen und damit zu lieben, zunächst in ihren Herzen brechen. Alle anderen Handlungen ergeben sich als Folge davon wie von selbst. Beide wissen darum und haben Gewissensqualen. Dazu muß man wissen, dass das Gewissen eine natürliche, wenn auch nicht allzustarke, Verbindung zu Gott ist. Und genau die droht zu zerbrechen, wenn die Liebe zwischen Mann und Frau zum verbotenen körperlichen Liebesakt kommt. Wie können sie diesem Dilemma entkommen? Das dürfte wohl die entscheidende und spannende Frage in diesem Film sein. Die Auflösung dieses Dilemmas ist möglich, denn Gott wäre nicht Gott wenn er nicht um die Lösung wüßte. Dabei spielen das christliche Vergebungsprinzip und die integrale Fähigkeit einer übergeordneten göttlichen Liebe die Schlüsselrolle. Aber nur dann wenn es um die Liebe als solche geht. Nicht anders! In der heutigen Zeit in der nur oberflächlich von Liebe geredet wird und nur die animalische Triebbefriedigung ohne Liebe vorrang hat, ist es natürlich klar, dass dieser Film langweilig und anachronistisch wirkt. Aber gerade deswegen ist er wertvoll.
3. Unbedingt sehenswert!
MsNiroItisme 13.06.2014
Ich habe soeben den Film gesehen. Ohne Untertitel und mit nur 3 Wörtern, die ich von der griechischen Sprache verstehe. Zweifelsohne einer der atemberaubendsten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Der Film würde auch ohne Worte auskommen und die Symbolik, die der Regisseur verwendet sucht Ihresgleichen. So nimmt die Protagonistin als Spiegel zur Kommunikation mit ihrem Liebsten den Deckel einer Kerze, die Adam und Eva mit dem Apfel vom Baum der Erkenntnis als Motiv hat. Auch finde ich es außergewöhnlich, dass insgesamt nur 3 Lieder zum Soundtrack gehören. Diese drei Choräle schaffen es aber mühelos den Zuschauer durch den gesamten Film zu tragen. Kurzum: der Film ist meiner Meinung nach unbedingt sehenswert.
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