Filmzensur Afghanistan verbietet "Drachenläufer"

Wegen einer Vergewaltigungsszene verbannt die afghanische Regierung den US-Film "Drachenläufer" jetzt aus den Kinos. Die Produktionsfirma hatte die Jungdarsteller zuvor schon in Sicherheit bringen müssen.


Kabul - Zwei afghanische Jungen, ein Paschtune und ein Hazara, der eine wohlhabend, der andere Sohn eines einfachen Bediensteten - das sind die Helden des Films "Drachenläufer", dessen Ausstrahlung und Vertrieb in Afghanistan jetzt endgültig verboten wurde.

Szene aus "Drachenläufer": "Nicht akzeptabel"
AP/ Paramount

Szene aus "Drachenläufer": "Nicht akzeptabel"

Der für einen Golden Globe nominierte Film des deutsch-schweizerischen Regisseurs Marc Forster ("Monster's Ball", "Schräger als Fiktion") hatte bereits im Vorfeld Sicherheitsmaßnahmen erfordert - zu groß war die Sorge der Produktionsfirma, eine Vergewaltigungsszene könnte Ressentiments zwischen Paschtunen und Hazara schüren.

In der fraglichen Szene vergewaltigt ein paschtunischer Junge einen jungen Hazara. Eine weitere Figur wird im Laufe von einem korrupten Taliban zu einem erotischen Tanz gezwungen. Die Produktionsfirma brachte die drei jugendlichen Hauptdarsteller deshalb noch vor der Premiere im Dezember außer Landes, um sie vor Repressalien zu schützen und verschob den Filmstart auf den 14. Dezember, um sie ihr Schuljahr abschließen zu lassen.

Laut Latif Ahmadi, Chef des Staatlichen Afghanischen Films, hat das Informations- und Kulturministerium nun das Verbot angewiesen. Einige Szene seien "fragwürdig" und "nicht akzeptabel" und würden Unruhe in der Bevölkerung stiften.

In Afghanistan gelten Vergewaltigungsszenen als islamfeindlich und aufrührerisch. Schon im vergangenen Jahr sorgte der Film "The Kabul Express" für Proteste, der als Hazara-feindlich interpretiert wurde. Nach einem Vertrieb- und Sendeverbot schnellten allerdings die Preise für illegale Kopien in die Höhe.

"Drachenläufer" basiert auf einem Bestseller des in den USA lebenden afghanischen Schriftstellers Khaled Hosseini, in Deutschland läuft er diesen Donnerstag an.

lw/Reuters



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