Nachwuchspreis First Steps Awards für Stalker-Thriller

Es ist die wichtigste Auszeichnung für den hiesigen Filmnachwuchs. Bei den diesjährigen First Steps Awards wurden vor allem politische Stoffe geehrt. Der Hauptpreis ging an den Psychothriller "Ma Folie" mit Alice Dwyer.

Aus Liebe wird Hass: Alice Dwyer und Sabin Tambrea in "Ma Folie"
Filmakademie Wien/ First Steps

Aus Liebe wird Hass: Alice Dwyer und Sabin Tambrea in "Ma Folie"

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Aktuell, politisch, dringlich: Der deutsche Kinonachwuchs scheut das ganz große Risiko nicht. In seinem 25-Minüter "Sadakat" verbindet der deutsch-türkische Regisseur Ilker Catak ein modernes Emanzipationsdrama mit den aktuellen gesellschaftlichen Unruhen in der Türkei, gedreht wurde vor Ort in Istanbul. Sein Team wurde am Montag mit dem First Steps Award in der Kategorie "Kurzfilm" ausgezeichnet.

Zuvor hatte der Film, der im Rahmen des Hamburg-Media-School-Studiengangs entstanden ist und vom Bayerischen Rundfunk koproduziert wurde, ein Ticket für den begehrten Studenten-Oscar bekommen. Der Preis wird am 17. September in Los Angeles verliehen. Ein beeindruckendes Beispiel, wie wirkungsmächtig der junge deutsche Film sein kann.

Auch die Produktion "Alles wird gut", entstanden an der Filmakademie Wien, ist dieses Jahr in der Kategorie "Bester ausländischer Film" bei den Studenten-Oscars vertreten. Von der First-Steps-Jury wurde das Psychodrama von Patrick Vollrath am Montag als bester "Mittellanger Spielfilm" geehrt. Es geht um einen Vater, der nach der Scheidung von seiner Frau mit seiner Tochter ins Ausland fliehen will. Simon Schwarz spielt den durchdrehenden Vater feinnervig bis zum schmerzvollen Ende.

Psychologisch komplex ist auch der Stalker-Psychothriller "Ma Folie" mit Alice Dwyer und Sabin Tambrea, der auf 100 Minuten ein subtiles, effektsicheres Aus-Liebe-wird-Hass-Szenario entwickelt: Wie sehr man sich doch vor dem Menschen fürchten kann, den man einmal über alles begehrt hat. Der Film von Andrina Mracnikar bekam den mit 25.000 Euro dotierten Preis als bester abendfüllender Spielfilm.

Bester Dokumentarfilm wurde "Hinter dem Schneesturm" von Levin Peter; der Regisseur nähert sich hier seinem Großvater und spricht mit ihm über dessen Kriegserlebnisse als Wehrmachtssoldat in der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs. Intensives Dialogkino.

Durch die Gala im Berlinalepalast am Montag führte Lowbudget-König und Gesamtkunstwerk Axel Ranisch ("Dicke Mädchen"); als Sidekick hatte er seine Oma auf der Bühne, die auch in seinen Filmen mitspielt. Die Musik kam von den immer jungen Stereo Total.

Die First Steps Awards wurden zum 16. Mal verliehen. Neben dem bei Filmfestival in Saarbrücken vergebenen Max-Ophüls-Preis sind sie die wichtigste Ehrung und Förderung für den hiesigen Filmnachwuchs. Der Preis wurde 1999 als private Initiative von den Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann ins Leben gerufen, die Deutsche Filmakademie übernimmt die Ausrichtung. SPIEGEL TV ist Gründungspartner und Mitveranstalter.

SPIEGEL-ONLINE-Kulturredakteur Christian Buß ist Mitglied der Jury der First Steps Awards.



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