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"Four Lions": CSU will Islamistensatire verbieten

Von Thomas Heise

Islamistischer Terror kann auch lustig sein - zumindest in der Satire "Four Lions", die im April in die deutschen Kinos kommen soll. Wenn, ja wenn sich die CSU nicht noch durchsetzt: Die Christsozialen wollen den Streifen angesichts der aktuellen Terrorgefahr nicht zeigen.

CAPELIGHT PICTURES / WILD BUNCH GERMANY

Hamburg - "Four Lions" ist der erste Film, der islamistische Selbstmordattentäter zu Helden einer Satire macht. So sprengen britische Dschihadisten statt ungläubiger Feinde wahlweise Schafe, die eigenen Leute oder unschuldige Mikrowellen in die Luft. Das ist alles sehr witzig und ebenso provokativ.

Der Streifen des britischen Regisseurs Christopher Morris lief schon auf diversen Filmfestivals mit großem Erfolg. Nur mit der Vermarktung in Deutschland hakte es bisher: Es fand sich kein Vertrieb.

Im Stil einer Dokumentation werden fünf junge Muslime im englischen Sheffield gezeigt, die in den "Heiligen Krieg" ziehen wollen. Radikalisiert durch die Bekennervideos diverser Selbstmordattentäter, aber handwerklich noch weit entfernt von ihren Vorbildern.

"Auf mein Kommando fliegst du zum Ziel", beschwört in einer Szene Dschihadist Faisal eine Krähe. Um den Hals trägt der Vogel eine kleine Bombe. "Wenn ich hier drücke, kommst du in den Himmel, Bruder Krähe", beschwört der Mann das Tier. Dann will er in Deckung gehen. Dummerweise kommt er an den Auslöser. Kawumm. Die Federn fliegen. Das Vieh ist hin. Allah ist groß. Nicht das letzte Opfer in dem Film.

"Es könnte Öl ins Feuer gegossen werden"

So reisen zwei der Jungs aus England später in ein Terror-Trainingscamp nach Pakistan. Als sie eine US-Drohne abschießen wollen, feuert Bruder Omar ins eigene Lager. Er hatte die Panzerfaust falsch herum gehalten.

Für die Probleme der Terroristen in seinem Spielfilmdebüt, hat der britische Regisseur Christopher Morris eine einleuchtende Erklärung: "Menschliches Unvermögen macht keinen gnädigen Bogen um eine Terrorzelle. Es geht mitten hindurch! Wie durch alle anderen Bereiche auch."

Mit dem Berliner Verleih "Capelight Pictures" gibt es jetzt einen deutschen Vertrieb für "Four Lions". Ende April wird der Dschihad der Dilettanten in die deutschen Kinos kommen. "Ich glaube nicht, dass der Film die Terrorgefahr in irgendeiner Form beeinflusst", ist sich Verleihchef Steffen Gerlach sicher.

Ganz anderer Meinung ist jedoch der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer. Gegenüber SPIEGEL TV Magazin fordert er, den Film wegen der aktuellen Terrorgefahr nicht zu zeigen: "Ich glaube, dass es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen. Es könnte Öl ins Feuer gegossen werden."


Mehr im SPIEGEL TV Magazin am Sonntag um 23.10 Uhr auf RTL.

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1. Zensur
xpyrus, 09.01.2011
Soweit ist es schon gekommen, dass die Meinungsfreiheit geopfert werden soll um fanatische Irre nicht zu erzürnen... Warum nochmal wird mit Terroristen nicht verhandelt???
2. Es gibt schlimmeres....
baschy 09.01.2011
als so ein Film. Und endlich mal diese bekloppten, verlogenen Selbstmörder durch den Kakao zu ziehen ist schon längst überfällig. Neulich hatten Sie doch auch schon ein Witz-Format im irakischen Fernsehen: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,716806,00.html Hierbei gings auch um schwarzen Humor und ist auch eine Art die traumatischen Erlebnisse die solche Menschen mit Sprengstoff um den Bauch mit ich bringen zu verarbeiten. Ich werde mir den Film in jedem Fall anschauen, ob er gut gemacht ist oder nicht entscheidet sich dann. Die bayerischen Möchtegern Politiker sollten sich vielleicht mal wichtigere Themen suchen, über das sie entscheiden können, es gibt ganz gewiß ne Menge anderen notwenigerer Baustellen in deren Dunstkreis, denen sie ihre wertvolle Aufmerksamkeit widmen können.
3. 4 Lions
mirrormirror2 09.01.2011
Der Mann hat den Film offensichtlich nicht gesehen. Es handelt sich sicher um eine der schwärzesten britischen Komödien der letzten Jahre, behandelt aber das Thema "home-grown terror" sehr umsichtig und bietet wirklich interessante und denkwürdige Einsichten in die Thematik.
4. titel
Bokurano 09.01.2011
Omg, typisch CSU bzw. auch CDU. Alles was einem net passt wird verboten! Der wahrscheinliche Grund der Verbotsforderung: Der Terrorist wird hier menschlich, es ist nicht mehr der böse schlimme Terrorist vor dem man Angst haben muss. Es zeigt , dass Terroristen einfach nur Idioten sein können. Im grunde nimmt so eine Satire die abstrakte Angst vor Terrorismus. Das ist natürlich net so toll für die Politik, schließlich werden sehr viele Gesetze mit Terrorismus begründet. Diese Gesetze, wie VDS, werden nur akzeptiert wenn auch eine abstrakte Angst vor etwas da ist. Ohne Angst, keine Einschränkung der Bürgerrechte. Das kommt hier etwas abhanden. Das lange kein deutscher Vertrieb den Film rausbringen wollte zeigt für mich, dass wir zwar keine ,richtige, offizielle zensurbehörde haben, wie Ungarn. Das braucht man anscheinend auch nicht, da sich die medien von vornherein selbst zensieren. Außerdem: Wieso sollte das zu Terrorismus odr so aufstacheln? Außerdem kann es uns doch scheiß egal sein, was die Mullahs und Co. über den Film denken, außerdem wurde der schon öfters gezeigt und es kam keine Reaktion. Außerdem ist vorauseilende gehorsamkeit, genau das was die Terroristen erreichen wollten. Ohne einen Anschlag etc machen zu müssen dennoch ihre Ziele zu erreichen durch vorausseilenden Gehorsam. Denn solche Terroristen wollen ja eigtl. erreichen, dass wir unsere Freiheit und Co. verlieren. Ich denke wich werd ihn mir ansehen, sofern er hier bei mir irgendwo läuft.
5. Die spinnen ja wohl???
syracusa 09.01.2011
Zitat von sysopIslamistischer Terror kann auch lustig sein - zumindest in der Satire "Four Lions", die im April in die deutschen Kinos kommen soll. Wenn, ja wenn sich die CSU nicht noch durchsetzt: Die Christsozialen wollen den Streifen angesichts der aktuellen Terrorgefahr nicht zeigen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,738524,00.html
Die spinnen ja wohl??? Wenigstens trennt sich dadurch die Spreu vom Weizen, denn da erkennt man doch recht deutlich, wer tatsächlich für Menschen- und Bürgerrechte einzustehen wagt, wenn das nur minimale Zivilcourage fordert. So weit ich das erkenne, sind es hierzulande nur noch die Grünen, die ungebrochen zu den Werten der europäischen Aufklärung stehen - "Multikulti" erfordert nämlich eine Leitkultur, die unmissverständlich den kantschen Imperativ als zentrales Paradigma in die Mitte der Kultur stellt. Das sage ich als erklärter Gegner jeder sarrazinischen Volksverhetzung!
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