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Französischer Autorenfilmer: Eric Rohmer ist tot

Er galt als profilierter Kopf des französischen Autorenfilms und zählte zu den Gründungsvätern der sogenannten Nouvelle Vague. Jetzt ist der Regisseur Eric Rohmer im Alter von 89 Jahren gestorben.

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AFP

Regisseur Rohmer: Einer der Gründungsväter der Nouvelle Vague

Paris/Hamburg - Der französische Regisseur Eric Rohmer ist tot. Er starb am Montag im Alter von 89 Jahren in Paris, wie seine Produzentin Margaret Menegoz mitteilte. Aus seinem Umfeld hieß es, dass Rohmer vor einer Woche ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Rohmer gehörte zusammen mit François Truffaut, Jean-Luc Godard, Claude Chabrol und Jacques Rivette zu den Gründungsvätern der Nouvelle Vague, der "Neuen Welle", die sich in den Sechzigern gegen die Konventionen des erstarrten französischen Films auflehnten und auf Autorenwerke setzten.

Der als Maurice Henri Joseph Schérer geborene Regisseur machte sich vor allem mit seinem in den Sechzigern und Anfang der Siebziger entstandenen sechsteiligen Zyklus "Moralische Geschichten" einen Namen. Die Serie von Filmen, zu denen "Meine Nacht mit Maud", "Claires Knie" und "Die Liebe am Nachmittag" zählen, gehört zu seinen größten cineastischen Leistungen; "Meine Nacht bei Maud" von 1969 war für den Oscar nominiert.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hatte Rohmer unter anderem "Herbstgeschichte", "Sommer", "Wintermärchen" und "Frühlingserzählung" gedreht. Für seinen Film "Pauline am Strand" wurde der Regisseur bei der Berlinale 1983 mit dem Silbernen Bären geehrt. Insgesamt drehte Rohmer in fünf Jahrzehnten 24 Spielfilme, darunter viele Literaturverfilmungen. Der Meister war verliebt in die Irrungen und Wirrungen der Liebe, die er meist mittels dialogischer Gefechte thematisierte. Und er war verliebt in starke Frauenfiguren: Sie dominierten viele seiner Filme.

Rohmer wäre im April 90 Jahre alt geworden - oder im März. Denn der Regisseur ging sowohl mit Angaben zu seinem Geburtsdatum wie auch zu seinem Geburtsort notorisch leger um. Laut mancher Quellen wurde er am 4. April 1920 in Nancy geboren, andere nennen den 21. März als Geburtsdatum und Tulle als Geburtsort.

Der große Regisseur schlug zunächst eine Lehrerkarriere ein, promovierte dann über die Organisation des Raumes in dem legendären "Faust"-Film von Friedrich Wilhelm Murnau aus den Zwanzigern. Als Filmemacher wurde er erst aktiv, nachdem er bei den einflussreichen Zeitschriften "Gazette du Cinéma" und "Cahiers du Cinéma" filmtheoretisch gearbeitet hatte.

Rohmer hatte vor gut zwei Jahren seinen letzten Film abgedreht - "Les amours d'Astrée et de Céladon". Danach werde er "in Rente gehen", ließ er seinerzeit wissen. Eine überraschend lakonische Ankündigung war das, die wohl seinem hohen Alter und den Belastungen am Set geschuldet gewesen sein muss. Denn Rohmer hatte seinen Beruf stets als Berufung verstanden. "Das Filmedrehen ist für mich keine Arbeit", sagte er einmal. "Es ist eine Leidenschaft, so wie andere leidenschaftlich gerne spielen oder angeln."

cte/tdo/AFP/dpa

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