"Hangover"-Stars Das letzte Bier

Drei verkaterte Männer und das Chaos einer Nacht: Zum Start des letzten "Hangover"-Films sprechen die Stars Bradley Cooper, Zach Galifianakis und Ed Helms darüber, was sich seit dem großen Erfolg für sie geändert hat, wie sie mit Nachahmern umgehen und warum ihnen Political Correctness egal ist.


Mit der brachialen Kumpel-Komödie "Hangover" über eine durchzechte Nacht in Las Vegas mit ungeahnten Folgen gelang Produzent und Regisseur Todd Philips 2009 ein riesiger Überraschungserfolg - und seinen drei Hauptdarstellern Bradley Cooper, Ed Helms und Zach Galifianakis der Durchbruch. Mit "Hangover II" und einer fast identischen Geschichte konnten sie den Erfolg 2011 wiederholen. Im dritten Teil kehrt das selbsternannte Wolfsrudel nun nach Las Vegas zurück und trifft dort auf diverse Bekannte, diesmal zwar völlig nüchtern, aber nicht weniger chaotisch...

SPIEGEL ONLINE: Mr. Helms, Mr. Galifianakis, Mr. Cooper, nachdem "24" neu aufgelegt wird und Harrison Ford einen weiteren "Star Wars" machen will, fragen wir uns natürlich: Ist nach dem dritten Teil wirklich Schluss mit dem "Hangover"-Franchise?

Helms: Hundertprozentig. Erstmal wollen wir alle, dass das zu Ende geht, weil sich das aus kreativer Sicht schlüssig anfühlt. Und wenn wir tatsächlich zurückkommen würden nach der ganzen Marketingkampagne um "das Ende", würden wir ja wie die größten Idioten aller Zeiten dastehen.

Galifianakis: Auf dem Poster für "Hangover 4" steht dann: Just kidding!

SPIEGEL ONLINE: Mr. Cooper, besonders Ihnen hat das "Hangover"-Phänomen ganz neue Horizonte eröffnet.

Cooper: Ich glaube, wir haben alle sehr davon profitiert. Es war ja keiner von uns neu im Geschäft, man hat uns nicht eben im Einkaufszentrum gecastet oder so. Zach macht seit Ewigkeiten Stand-up, Ed hat bei der "Daily Show" und bei "The Office" mitgemacht, ich arbeite seit 2000 hart. "The Hangover" hat auf so vielen Fronten alles verändert. Wirtschaftlich etwa hat dies eine Sicherheit geschaffen, von der ich vorher nur geträumt habe - keiner von uns ist ja mit dem Gedanken Schauspieler geworden: Los, lasst uns mal eine Stange Geld verdienen.

SPIEGEL ONLINE: Außerdem haben Sie kürzlich eine Oscar-Nominierung für "Silver Linings Playbook" bekommen und planen jetzt einen Film mit Steven Spielberg.

Cooper: Ja. Wenn man bei einem profitablen Film mitgespielt hat, den fast jeder kennt, gelingt es einem auf einmal, sich mit Leuten zu einer Besprechung zu verabreden, die einem vorher kaum die Tür geöffnet hätten. Das ist schon klasse.

Galifianakis: Ich find's ja seltsam, dass "das nächste Level" immer mit Drama gleichgesetzt wird. Die Komödie wird immer noch als Stiefkind der Schauspielkunst betrachtet wird, aber Komödie ist so viel schwerer! Und ich vermute, dass wir nie wieder einen Film machen, den so viele Menschen sehen werden.

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"Hangover 3": Das Wolfsrudel ist zurück in Vegas
SPIEGEL ONLINE: Mr. Galifianakis, Ihr Kollege Justin Bartha, der im Film den ewig verschwundenen Doug spielt, bezeichnete Sie als ein zu lange unerkanntes Talent der Comedyszene. Wie hat sich der Erfolg für Sie ausgewirkt?

Galifianakis: Womit ich als Komiker ein bisschen ringen musste, war, dass ich zuvor in einer Ecke des Zimmers saß, die Dinge still beobachtete und mir Notizen machte. Plötzlich stürzten die Leute auf mich zu und wollten reden. Ich fühlte mich bedroht, und ich war deshalb wohl hin und wieder ein bisschen unhöflich. Aber inzwischen kann ich damit schon viel besser umgehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind also inzwischen...

Cooper: ...sozial geschickter.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind sozial geschickter geworden?

Galifianakis: Ich arbeite daran. Wenn ich allerdings eine Gruppe von Teenagern auf mich zugehen sehe, wechsele ich immer noch die Straßenseite.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Helms, Ihre Figur sagt in einer Szene: "Man sollte diese Stadt in die Luft jagen." Lieben oder hassen Sie Las Vegas?

Helms: Ich bin nicht der klassische Vegas-Typ - dachte ich zumindest, bevor wir diese Filme hier drehten. Ich verbinde dummerweise ganz andere Assoziationen mit der Stadt als Leute, die herkommen, um loszulassen und mal richtig einen draufzumachen. Immer wenn ich hier lande, habe ich einen äußerst straffen Zeitplan und arbeite mir den Hintern wund.

Cooper: Ich habe diese Stadt dank der Filme ins Herz geschlossen, obwohl ich vorab einige Bedenken hatte. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Galifianakis: Als wir den ersten Film drehten, habe ich einen dieser kleinen Scooter gemietet, mit denen die alten Leute durch die Casinos fahren. Jetzt ging das nicht mehr, weil mich die Menschen zu sehr belagerten. Las Vegas ist nicht der einfachste Ort, um einen solchen Film zu drehen - die Leute gehen einem hier so was von gnadenlos auf die Nerven. Und sie sind alle betrunken.

Helms: Das Problem ist, dass Leute in Las Vegas in Rudeln unterwegs sind. Alle sind in Partystimmung, und sobald man von irgendjemandem erkannt wird, ist die Hölle los.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht man dem aus dem Weg?

Helms: Zügig gehen und Augenkontakt vermeiden.

Galifianakis: Ich kenne die Teppichmuster aller Casinos auswendig.

Helms: Ich muss gestehen, dass ich mir neulich beim Rolling-Stones-Konzert eine Sonnenbrille aufgesetzt habe. Ich finde es eigentlich idiotisch, wenn Menschen in geschlossenen Räumen Sonnenbrillen tragen.

Galifianakis: Ja, er ist total der Hollywood-Typ geworden.

Cooper: Ganz schlimm.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen posieren Kleinkünstler auf dem Las Vegas Boulevard als Ihre "Hangover"-Figuren.

Cooper: Ja, als Alan.

SPIEGEL ONLINE: Stu gibt es ebenfalls.

Helms: Der sieht kein bisschen aus wie ich.

Cooper: Aber der Alan-Typ sieht genau aus wie Zach.

Galifianakis: Der sieht überhaupt nicht aus wie ich! Das ist einfach ein Typ mit Bart!

Helms: Bradley sieht ja mit seinem Bart auch genau aus wie du!

Galifianakis: Jedenfalls mehr als der Typ auf der Straße!

Cooper: Ich übernehme dann die nächste Schicht auf dem Strip...

SPIEGEL ONLINE: Mr. Cooper, wurmt es Sie, dass es auf dem Strip noch keinen Phil gibt?

Cooper: Sehr!

Galifianakis: Na ja, es gibt halt nicht so viele gutaussehende Leute in Las Vegas.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Cooper, wie man hört, wollen Sie in Zukunft mehr hinter der Kamera arbeiten - heißt das, dass wir Sie weniger davor sehen werden?

Cooper: Nein, das schließt sich doch nicht aus. Je stärker mich die Regisseure einbeziehen, desto mehr Spaß macht mir die Arbeit. Manchen Leuten gefällt es, sich in eine Figur zu vertiefen, aber mir macht vor allem Spaß, einen Film auf die Beine zu stellen, die Erzählbögen zu durchdenken. Sogar die Auswahl von Kameraobjektiven, die Einstellungen einer bestimmten Szene - all das, was Regisseure in Fahrt bringt, fasziniert mich.

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Liebeskomödie "Silver Linings": Alles nur halb so kaputt
SPIEGEL ONLINE: Würden Sie denn auch in Zukunft noch Filme wie "The Hangover" machen wollen?

Cooper: Ich würde mich als größter Glückspilz der Welt fühlen, wenn ich noch eine Komödie mit Todd Philipps machen dürfte.

Galifianakis: Todd Phillips hat ja die Komödie gewissermaßen modernisiert. Manche seiner Witze sind ganz schön gewagt, das Publikum lacht, aber dann hält es inne: Warum habe ich darüber gelacht? Für mich ist das eine tolle Art, Comedy zu machen - man bringt die Leute dazu, ihre eigene Persönlichkeit zu hinterfragen, indem man sie zum Lachen bringt.

SPIEGEL ONLINE: Weil sich "The Hangover" so entschieden gegen Political Correctness auflehnt?

Galifianakis: Ed hat mal etwas ziemlich Eloquentes gesagt, das mir immer noch im Ohr klingt - (zu Helms) Mach du mal, du kannst das besser.

Helms: Political Correctness ist für mich eher die Annahme, dass jemand beleidigt sein könnte, als dass sich tatsächlich jemand auf die Füße getreten fühlt. Ich finde das ganz schön herablassend und unecht.

Galifianakis: Aber komisch sticht korrekt immer und überall aus. Ist einfach so.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie rückblickend erwartet, mit einem Film über drei total verkaterte Männer Filmgeschichte zu schreiben?

Cooper: Ob das so ist, werden wir erst in einigen Jahrzehnten wissen. Er könnte auch einfach verblassen, wer weiß. Vielleicht ist es auch einfach nur ein Weilchen ein Riesending, und in zwanzig Jahren spricht keiner mehr drüber.

Galifianakis: Ich habe neulich "Rushmore" wieder geguckt, keine Ahnung, wie alt der inzwischen ist - 15 Jahre? Himmel, dieser Film ist immer noch Avantgarde.

Helms: Für Komödien ist es schwierig, die Jahre zu überdauern, weil sich Geschmäcker und kulturelle Trends ändern. Ob das den"Hangover"-Filmen gelingt, weiß ich nicht.


"Hangover 3" kommt am 30. Mai in die deutschen Kinos.

Das Interview führte Nina Rehfeld



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Altesocke 30.05.2013
1. Gerade gesehen. Komischer Film!
Hangover 1 war witzig und ausgeflippt. Hangover 2 war ein Remake an anderer Stelle und im Grunde nur 'bloed'. 'Billiger' Abklatsch von 1. Hangover 3 war, eh, ist irgendwie auch komisch. Passt irgendwie nun garnicht wirklich zu den anderen beiden. Da hilft auch die Vernetzung zu 1 nicht. Finde ich. Und irgendwie scheint da aber doch ne Hangover 4 Moeglichkeit zu sein. Finde ich! Hoffentlich nicht, die Story ist schon 2x zuviel verlaengert worden! Finde ich. (Disclaimer: Meine Meinung erhebt keinen Anspruch auf Gueltigkeit ausserhalb meines Kopfes. Dort wird sie nur kundgetan)
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