40,3 Millionen Zuschauer: Hohe Oscar-Quote mit Frauenwitzen

Hohe Quote, viel Kritik: Moderator Seth MacFarlane bei der Oscar-Gala 2013 Zur Großansicht
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Hohe Quote, viel Kritik: Moderator Seth MacFarlane bei der Oscar-Gala 2013

Mission erfüllt: Comedian Seth MacFarlane sollte die Oscar-Show für junge Kinofans attraktiv machen. Wegen (oder trotz) seiner Witze über nackte Diven und jüdische Filmbosse schaltete eine Million Zuschauer mehr ein als 2012. Frauen- und Anti-Diskriminierungs-Verbände kritisieren ihn dennoch.

Los Angeles/Hamburg - Die Erwartungen an Seth MacFarlane waren hoch: Der Komiker sollte bei seiner ersten Moderation der Oscar-Gala dafür sorgen, dass wieder mehr junge Menschen den Fernseher einschalten. Diesen Anspruch hat der TV-Produzent ("Family Guy") erfüllt. Erstmals seit drei Jahren erreichte die Show wieder über 40 Millionen Zuschauer.

Wie das Medienforschungsunternehmen Nielsen Company am Montag mitteilte, schalteten besonders viele Menschen in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren ein: elf Prozent an Zuwachs konnte der Sender ABC verzeichnen. Insgesamt stieg die Quote auf 40,3 Millionen Zuschauer. Das macht zwar eine Million mehr als 2012, ist aber immer noch weit entfernt vom Rekordjahr 1998, als 57,3 Millionen Fans mitverfolgten, wie James Camerons "Titanic" zum besten Film des Jahres gewählt wurde.

MacFarlanes Brachialhumor mag beim Publikum gut angekommen sein, die Reaktionen von US-amerikanischen Kommentatoren fielen deutlich kritischer aus. Besonders unbeliebt war eine Gesangnummer des Entertainers mit dem Titel "We Saw Your Boobs", in der er den Schauspielerinnen im Saal aufzählte, in welchen Filmen man ihre Brüste sehen kann. "Die Oscars bestanden aus einer Serie geschmackloser Sexismuswitze, die von einem armseligen, selbstzufriedenen Seth MacFarlane vorgetragen wurden", meinte denn auch Amy Davidson vom "New Yorker". Und Rob Sheffiled vom Magazin "Rolling Stone" nannte den Moderator einen "stümpferhaften Anfänger".

Ein Kommentar MacFarlanes über die Filmbranche brachte zudem die Anti-Diskriminierungs-Liga ADL gegen ihn auf. Der Moderator hatte während der Show dem Stoffbären "Ted" seine Stimme geliehen und diesen erklären lassen, dass man jüdischer Abstammung sein müsse, um in Hollywood Erfolg zu haben. Es sei "traurig und enttäuschend, dass die Academy alte Judenstereotype einsetze, um Lacher zu erzeugen", sagte ADL-Chef Abraham H. Foxman.

Mit seinen Provokationen gelang es MacFarlane immerhin, Aufmerksamkeit zu erregen. Auch der Sender ABC freute sich über die Publicity - vor allem in sozialen Netzwerken. 8,9 Millionen Tweets über die Oscars sollen während der Show verschickt worden sein.

Ob der Moderator im nächsten Jahr wieder antritt, ist noch nicht entschieden. Die gute Quote könnte allerdings dazu beitragen, dass sich MacFarlane ebenso etabliert wie sein Kollege Ricky Gervais bei den Golden Globes. Der Brite hatte die Filmshow drei Jahre in Folge präsentiert - und war dabei jedes Mal wegen seiner politisch unkorrekten Witze gerügt worden.

sbr/AP/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Fremdsprachenkenntnisse
weimarhuth 26.02.2013
Schön, dass Sie mal erläutern, was da gelaufen ist. Nachdem Pro 7 mit viel Tamtam die Oscarübertragung beworben hat, wurde auch promt jegliche deutsche Übersetzertätigkeit eingestellt. Ich finde, ein solches Ereignis gehört in die ÖR mit Simultanübersetzer, denn obwohl ich leidlich englisch spreche, konnte ich MacFarlane nicht verstehen. Wenigstens eine Untertitelung könnte doch drin sein, oder?
2. Können Sie Steno?
janeinistrichtig 26.02.2013
Zitat von weimarhuthSchön, dass Sie mal erläutern, was da gelaufen ist. Nachdem Pro 7 mit viel Tamtam die Oscarübertragung beworben hat, wurde auch promt jegliche deutsche Übersetzertätigkeit eingestellt. Ich finde, ein solches Ereignis gehört in die ÖR mit Simultanübersetzer, denn obwohl ich leidlich englisch spreche, konnte ich MacFarlane nicht verstehen. Wenigstens eine Untertitelung könnte doch drin sein, oder?
Ich bin sehr froh, dass die Oscar-Verleihung ohne irgendein Gequatsche eines Deutschen aus dem Off übertragen wird. Es reicht ja schon Gätjen am Rande des roten Teppichs - da ist man ja schon am Rande des Nervenzusammenbruchs vorm TV. Und Untertitelung? Wie stellen Sie sich das vor bei einer Live-Übertragung? In Stenographie? MacFarlane fand ich nicht sonderlich witzig, da spielt Gervais in einer anderen Liga, humortechnisch gesehen. Überaus enervierend waren zudem diese dauernden Musicaleinlagen. Das Duo Hathaway und Franco stellt für mich trotzdem den (bisherigen) Tiefpunkt des Jahrtausends als Oscar-Hosts dar.
3. es gibt aber...
weimarhuth 26.02.2013
...sicherlich Wiederholmöglichkeiten, damit die perfekten Englischkenner das live genießen können, und meinereiner dass dann vielleicht am nächsten Tag übersetzt genießen kann. Oder gibt es da astronomische Ausstrahlungssummen?
4.
nunu-na 26.02.2013
Ich fand ihn witzig. Und bitte! Das Lied? Nein, was für ein Skandal. Manche müssen sich wahrscheinlich über jeden Pups künstlich aufregen, damit sie selbst in die Schlagzeilen kommen. Ich - als Frau - fand das einfach nur lustig. Der Song war genial (und ähnliche Witze machen selbst harmlose US-Serien wie Scrubs, also bitte auf dem Teppich bleiben). Außerdem war es doch charmant umgesetzt. Mit Kirk aus der Zukunft, der McFarlane rettet, damit er die Show nicht versaut...zum Beispiel mit diesem Lied. Für mich war McFarlane ein souveräner Gastgeber. Insgesamt wurde vielleicht etwas viel gesungen, aber die Show hat mir gefallen. Und bitte, keine ÖR mit Simultanübersetzer. Schon der Gedanke daran bereitet mir Schmerzen. Bei der Wiederholung könnte man ja über Untertitel nachdenken, in der Live-Übertragung geht das schlecht. Aber so sehr ich den Wunsch auch verstehen kann, wenn man kein Englisch spricht, ein Übersetzer würde die Show einfach versauen und das allen, die Englisch sprechen. Dann würde ich es mir nicht mehr anschauen.
5.
Blaue Fee 26.02.2013
Zitat von weimarhuthIch persönlich finde es toll, die Menschen in ihrer eigenen Sprache zu hören, ohne, dass mir ein Dolmetscher reinbrabbelt, aber ich kann verstehen, dass nicht jeder Englisch hervorragend spricht oder versteht. Eine Untertitelung ist schwierig bei einer Live-Show...!
TNT hatte beispielsweise den Zweikanalton (SAP) im Angebot. Da bekam jeder je nach Lust und Laune entweder den O-Ton oder die Simultanübersetzer zu hören. Wieso bekommt man das in Deutschland nicht hin?
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