40,3 Millionen Zuschauer: Hohe Oscar-Quote mit Frauenwitzen
Mission erfüllt: Comedian Seth MacFarlane sollte die Oscar-Show für junge Kinofans attraktiv machen. Wegen (oder trotz) seiner Witze über nackte Diven und jüdische Filmbosse schaltete eine Million Zuschauer mehr ein als 2012. Frauen- und Anti-Diskriminierungs-Verbände kritisieren ihn dennoch.
Los Angeles/Hamburg - Die Erwartungen an Seth MacFarlane waren hoch: Der Komiker sollte bei seiner ersten Moderation der Oscar-Gala dafür sorgen, dass wieder mehr junge Menschen den Fernseher einschalten. Diesen Anspruch hat der TV-Produzent ("Family Guy") erfüllt. Erstmals seit drei Jahren erreichte die Show wieder über 40 Millionen Zuschauer.
Wie das Medienforschungsunternehmen Nielsen Company am Montag mitteilte, schalteten besonders viele Menschen in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren ein: elf Prozent an Zuwachs konnte der Sender ABC verzeichnen. Insgesamt stieg die Quote auf 40,3 Millionen Zuschauer. Das macht zwar eine Million mehr als 2012, ist aber immer noch weit entfernt vom Rekordjahr 1998, als 57,3 Millionen Fans mitverfolgten, wie James Camerons "Titanic" zum besten Film des Jahres gewählt wurde.
MacFarlanes Brachialhumor mag beim Publikum gut angekommen sein, die Reaktionen von US-amerikanischen Kommentatoren fielen deutlich kritischer aus. Besonders unbeliebt war eine Gesangnummer des Entertainers mit dem Titel "We Saw Your Boobs", in der er den Schauspielerinnen im Saal aufzählte, in welchen Filmen man ihre Brüste sehen kann. "Die Oscars bestanden aus einer Serie geschmackloser Sexismuswitze, die von einem armseligen, selbstzufriedenen Seth MacFarlane vorgetragen wurden", meinte denn auch Amy Davidson vom "New Yorker". Und Rob Sheffiled vom Magazin "Rolling Stone" nannte den Moderator einen "stümpferhaften Anfänger".
Ein Kommentar MacFarlanes über die Filmbranche brachte zudem die Anti-Diskriminierungs-Liga ADL gegen ihn auf. Der Moderator hatte während der Show dem Stoffbären "Ted" seine Stimme geliehen und diesen erklären lassen, dass man jüdischer Abstammung sein müsse, um in Hollywood Erfolg zu haben. Es sei "traurig und enttäuschend, dass die Academy alte Judenstereotype einsetze, um Lacher zu erzeugen", sagte ADL-Chef Abraham H. Foxman.
Mit seinen Provokationen gelang es MacFarlane immerhin, Aufmerksamkeit zu erregen. Auch der Sender ABC freute sich über die Publicity - vor allem in sozialen Netzwerken. 8,9 Millionen Tweets über die Oscars sollen während der Show verschickt worden sein.
Ob der Moderator im nächsten Jahr wieder antritt, ist noch nicht entschieden. Die gute Quote könnte allerdings dazu beitragen, dass sich MacFarlane ebenso etabliert wie sein Kollege Ricky Gervais bei den Golden Globes. Der Brite hatte die Filmshow drei Jahre in Folge präsentiert - und war dabei jedes Mal wegen seiner politisch unkorrekten Witze gerügt worden.
sbr/AP/Reuters
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- Dienstag, 26.02.2013 – 16:15 Uhr
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