Neuer "Ghostbusters"-Film Begeisterung!

Selten wurde ein Film vorab so angefeindet wie der neue "Ghostbusters", in dem Frauen die Hauptrollen spielen. Ein Aufschrei der wahren Fans? Von wegen. Eine sehr persönliche Filmkritik von David Kleingers


Eigentlich würde man meinen, ein Reboot von "Ghostbusters" sei im Jahr 2016 ein vergleichsweise harmloses Vergnügen: Bestenfalls amüsieren sich viele Menschen bei der Neuauflage einer 32 Jahre alten Komödie über schlagfertige Geisterjäger in New York. Und würde sich der Film als doch nicht so toll herausstellen, gäbe es halt - wie sonst auch - enttäuschte Zuschauerstimmen, mäßige Kritiken und die Erkenntnis, dass sich nicht jedes erfolgreiche Konzept der Vergangenheit für die Gegenwart erneuern lässt. Eigentlich.

Doch augenscheinlich ist diese Sicht auf Popkultur viel zu naiv, denn bereits Monate vor dem Kinostart brach im Internet eine beispiellose Welle der Entrüstung, Häme und gröbsten Beleidigungen über die runderneuerten "Ghostbusters" herein. Dort, wo mit wütenden Klicks und Kommentaren Stimmung gemacht werden konnte, war das Resultat entsprechend verheerend: Meistgehasster Trailer auf YouTube (mit über 37 Millionen Aufrufen allerdings auch einer der meistgesehenen) und eine magere Durchschnittsnote von 5,3 in der Internet Movie Database. Dass eben diese Note auf Tausenden rein spekulativen Bewertungen basierte, da der Film zum Zeitpunkt des Aufschreis noch nicht mal fertiggestellt, geschweige denn öffentlich zu sehen war, interessiert in einer autoritären Logik purer Behauptung und sinnfreier Statistik grausam wenig.

So fanden sich Regisseur Paul Feig ("Brautalarm", "Spy - Susan Cooper Undercover") und die Hauptdarstellerinnen Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Leslie Jones und Kate McKinnon in einem beispiellosen Shitstorm wieder. Doch was sich im Fall von "Ghostbusters" hinter vorgeblicher Fanleidenschaft überwiegend Bahn bricht, ist leider alltäglicher Hass und Sexismus. Traurig genug, aber noch verstörender, wenn man selbst sentimentale Erinnerungen an das Original hat. Bevor es also hier um den neuen Film gehen kann, braucht es ein persönliches Bekenntnis, denn das ist die einzig akzeptierte Währung im Fantum: Ich habe "Ghostbusters" 1985 im Alter von zwölf Jahren gesehen, an einem Samstagnachmittag im ausverkauften Universum-Kino in der Großen Straße. Das ältere Ehepaar vom Kassendienst meinte es an diesem Tag besonders gut mit dem jungen Publikum und drehte den Saalton dermaßen auf, dass während der Titelsequenz die ganze Sitzreihe vibrierte. Ich war entzückt.

Guter Schleim, böser Schleim

Infolge habe ich den Film noch mehrfach im Kino und Dutzende Male auf Video gesehen, jedenfalls so oft, dass ich die deutsche Synchronisation mit ihren Kalauern auswendig mitsprechen konnte. Zudem war ich Träger eines weißen Sweatshirts mit "Ghostbusters"-Logo, kaufte, warum auch immer, die 12-inch-Maxi von Ray Parker jr., und fing selbst Geister auf dem C64 ein. Macht mich das nun

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Neue "Ghostbusters": Die rufen wir an!

in der heutigen Debatte zum legitimen Fan, zum Nerd mit Deutungshoheit? Keine Ahnung. Damals waren alle 12-Jährigen Nerds, nur gab es noch kein Internet, das wir mit unseren kategorischen Urteilen hätten zustellen können.

Meine sehr jugendliche Begeisterung für "Ghostbusters" nahm in den nächsten Jahren naturgemäß ab, und was die Pubertät nicht erledigte, schaffte das hüftsteife Sequel von 1989: "Ghostbusters II" erzählte zu viel und zu lang von gutem und bösen Schleim, während insbesondere Bill Murray auf Autopilot sein Rollenpensum abspulte. Kurzum, mit da schon verklärtem Blick auf das Original und die eigene Filmsozialisation zwang man sich, die Fortsetzung nicht komplett missraten zu finden.

In den folgenden Jahrzehnten lebte man daher mit einer immer rosiger werdenden Erinnerung, unterbrochen von sporadisch auftauchenden Meldungen über den Produktionslimbo um einen weiteren "Ghostbusters"-Films. Das umfangreiche Vetorecht, welches sich Regisseur-Produzent Ivan Reitman sowie Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis als Hauptdarsteller respektive Autoren gegenseitig eingeräumt hatten, machte einen dritten Film in Originalbesetzung immer unwahrscheinlicher und die Aussicht darauf mit den Jahren - Sakrileg! - auch unattraktiver.

Umso mehr hätte man allseitige Vorfreude auf diesen Reboot erwarten können, der mit den derzeit populärsten Komikerinnen und einem der erfolgreichsten Komödienregisseure aufwartet. Wie ihre männlichen Vorläufer haben fast aller Darstellerinnen ihre Wurzeln in der anarchischen TV-Comedy, und trotz aller gewollten Parallelen zum 84er-Film entwickeln die Geisterjägerinnen Abby Yates (McCarthy), Erin Gilbert (Kristen Wiig), Patty Tolman (Leslie Jones) und Jillian Holtzman (Kate McKinnon) ein ganz eigenes Profil. Neben vollgeladenen Protonenpacks haben sie zudem mit Chris Hemsworth als charmant beschränkte Bürohilfe Kevin eine Geheimwaffe im Gepäck, die mit bloßer Unbedarftheit den hartgesottensten Klasse-Fünf-Dunst zur Verzweiflung treiben kann.

Keine Angst, der alte Film ist nicht gelöscht!

McKinnon ist dank ihres hinreißend unberechenbaren und virtuos einsilbigen Spiels zweifellos die Entdeckung des Films, doch in den gelungensten Szenen spielt jede der vier Hauptdarstellerinnen ihre komödiantischen Stärken zugunsten des gemeinsamen Teamerfolgs aus, was diese "Ghostbusters" am ehesten zu modernen Geistesschwestern der Marx Brothers macht.

Daher sind auch weder die Besetzung noch die neuen Figuren die Schwäche von Feigs Film, sondern vielmehr die bisweilen sklavische Nähe zum Originalplot. Nachdem sich in ganz New York paranormale Ereignisse häufen, sehen die verkrachten Wissenschaftlerinnen Abby und Erin mitsamt der durchgeknallten Technikexpertin Jillian sowie Patty, die U-Bahn-Angestellte mit Geistererfahrung, ihre Stunde gekommen: Gegen einen wirren Burschen, der ein Portal zum Jenseits öffnen und entfesselte Wut-Geister auf New York loslassen will, ziehen sie mit ihren selbstgebastelten Fang-Apparaten, beherzter Girl-Power und dem trotzigen Glauben an alles Paranormale zu Felde - und werden durch die Extremerfahrung zum Team.

Neben zahlreichen Cameo-Auftritten aus der alten "Ghostbusters"-Besetzung gibt es auch ein Wiedersehen mit einigen alten Spuk-Bekannten. Das ist schade, nicht nur weil das kreative Potenzial für mehr Eigenständigkeit vorhanden wäre, sondern vor allem, weil die durchweg liebvolle Hommage durch das voreilige Gezeter selbst ernannter Gralshüter im Netz vergällt wird.

Ihnen, die es offenkundig nicht ertragen, dass Frauen es wagen, mit ihrem angestaubten Jungenskram zu spielen, sei ans Herz gelegt: Man kann sich weiterhin und so oft man nur will Ivan Reitmans "Ghostbusters" ansehen. Denn auch wenn einige Kommentaren klingen, als wäre der Film mit Erscheinen des Reboots für immer verloren, ist er auf wundersame Weise doch immer noch da.

Ebenso ist es jedem unbenommen, in der Garage oder im heimischen Keller mit anderen Enttäuschten einen Fanfilm zu drehen, in dem die Achtziger nie vergehen und weibliche Geisterjäger nur als düstere Zukunftsvision vorkommen. Auch ist es vollkommen in Ordnung, die neuen "Ghostbusters" partout nicht zu mögen. Nur sollte sich dies durch Kritik am tatsächlichen Film begründen und nicht durch die Verlautbarung eigener Ressentiments. Denn sonst könnten besorgte Filmfans bald das unsympathischste Internetvölkchen gleich hinter besorgten Bürgern stellen.

Allen anderen sei gesagt: Bildet Kinoschlangen. Für die "Ghostbusters" - und gegen den hässlichen Spuk.

Im Video: Der Trailer zu "Ghostbusters"

"Ghostbusters"

    USA 2016

    Regie: Paul Feig

    Drehbuch: Katie Dippold, Paul Feig

    Darsteller: Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones (II), Chris Hemsworth, Charles Dance, Michael K. Williams, Andy Garcia

    Verleih: Sony Pictures Germany

    Länge: 117 Minuten

    FSK: ab 12 freigegeben

    Start: 4. August 2016

  • Offizielle Website zum Film
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insgesamt 139 Beiträge
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Seite 1
lemmy 01.08.2016
1. Der Trailer
Okay, der Trailer ist wirklich nicht witzig. Nicht mal etwas. Aber was heißt das schon. Ich gebe der neuen Fassung eine Chance, ein Trailer sagt eh nicht so viel über einen Film aus.
rathat 01.08.2016
2. ...oder lasst es.
Nicht jede Neuauflage eines Klassikers der 70er und 80er Jahre ist eben auch notwendig. Ganz abgesehen davon, dass Melissa McCarthy eine schrecklich nervige und grausame Schauspielerin ist. Ich für meinen Teil werde den Film selbst dann nicht ansehen, wenn er irgendwann im Free TV gezeigt wird.
Dark Agenda 01.08.2016
3. Noch einer der es nicht verstanden hat
Dass Frauen nie das Thema der Kritik am Film waren, kann man sich in wenigen Minuten in exzellenten Vorträgen über den Film auf Youtube ansehen. Die Vorgeschichte ist ewig lang und hängt u.a. mit dem nie gedrehten dritten Teil zusammen auf den die Fans seit Jahrzehnten warteten um nun von Sony einen Kinderfilm zu bekommen von einem Hochzeits-Comedy-Klamauk-Regisseur. Um den dann noch irgendwie zu verkaufen wird von Sony eine Genderdebatte lanciert. Völlig wurscht, dass der Film mit der Darstellung einer Schwarzen die Correctnesslatte schon mal in den Keller verlegt. Fakt ist: alle hassen Remakes. Zudem wird niemand gern vor PR-Agenturen als misogyn dargestellt nur weil er einen Trailer verreißt - ich habe Filmverrisse auch auf SPON gelesen, scheint also generell ok zu sein. Lasst euch von einem bekannt korrupten AAA-Unternehmen nicht die Denkweise in den Block diktieren. Wem der Film gefällt darf dies auch begründet hinschreiben aber wieder mal auf den Fans herumhauen ist weder progressiv noch "moralisch", ihr dient nur dem "corporate cinema", welches mit seinen jährlich schlechter werdenden Erzeugnissen den Film kaputt macht und haltet euch dann für was besseres.
skai 01.08.2016
4. Vielleicht ist es kein Jungsfilm mehr?
Ja, der neue Ghostbusters-Film wird heftig diskutiert und ist ein heißes Eisen. Und sich als Mann darüber kritisch äußern nährt sofort den Verdacht nach Sexismus. Aber damit muss ich jetzt leben, wenn ich über folgendes nachdenke: Auch ich habe Ghostbuster als Jugendlicher gesehen, und auch ich muss sagen, dass der Film ein Stück Popkultur ist und meine Jugend irgendwie mit geprägt hat. Insofern ist ein Remake ohnehin schon schwer, egal ob die Hauptdarsteller nun ein Zipfelchen haben oder nicht. Und dennoch: Ghostbusters war ein Jungsfilm. Es geht um Nerds, die ihren Einsatzwagen und ihre Geisterjäger-Ausstattung skurril und ohne Rücksicht auf Sinnhaftigkeit übertechnisieren. Wie Jungs das eben machen. Die Hauptfiguren reden über nerdige selbst kreierte Definitionen wie einen "Klasse-5-Dunst" und machen Witze unter der Gürtellinie. Wie Jungs das eben machen. Wie kann das immer noch funktionieren, wenn die Hauptdarsteller nun Frauen sind? Ich hab den Film natürlich auch noch nicht gesehen. Er kommt ja erst am Donnerstag raus, und als Kind der 70er bin ich mit illegalem Streaming irgendwie altmodisch veranlagt und mag das nicht. Daher kann ich auch nur den Trailer heranziehen, um zu schauen, wie der Film nun funktionieren soll. Das ist ja auch der Sinn eines Trailers, das Publikum für den Film zu begeistern. Und was sehe ich? Die selbe Idee, Einsatzwagen und Geisterjäger-Ausstattung skurril und ohne Rücksicht auf Sinnhaftigkeit zu übertechnisieren. Wie Frauen das eben machen?? Oje, ich muss wohl Sexist sein. Oder mindestens altmodisch. Denn das bekomme ich nicht übereinander. Ich bin immer noch der altmodischen Meinung, dass Männer und Frauen doch unterschiedlich sind, und nicht dieselben Interessen haben. Hätte man den Film auch dahingehend modernisiert, dass Frauen die Geisterjägerfirma auf moderne weibliche Art gestalten und führen, hätte ich das als eine lustige Idee für ein Remake empfunden. Aber dasselbe Prinzip mit vertauschten Geschlechterrollen wirkt auf mich im Trailer irgendwie wie Travestie. Egal ob das jetzt sexistisch ist oder nicht, das begeistert mich nicht und der Trailer lockt mich nicht ins Kino. Oder ist der Film jetzt als "Frauen-Film" konzipiert? Bin ich gar nicht die Zielgruppe? Das würde ich verstehen. Aber alle Kritiken, auch diese hier, diskutieren ja immer nur, dass auch die Zielgruppe des alten Films (und ob das Frauen oder Mädchen waren, bezweifle ich) sich öffnen soll und sich begeistern lassen soll. Vielleicht sollte man darüber sprechen, wer die Zielgruppe eigentlich ist, wer begeistert werden soll und wer nicht. Dann ist das Ganze vielleicht gar keine Gender-Diskussion mehr.
t-gaer 01.08.2016
5. nicht empfehlenswert
Der Film wirkt, als hätte ein Fünfjähriger eine Geschichte für einen Dreijährigen geschrieben, und ein Siebenjähriger führte Regie. Jede einzelne Figur in dem Film benimmt sich permanent albern und peinlich, als wäre sie keine Person sondern eine überdrehte Comicfigur. Und ja, die Frauenkeule ist nur vorgeschoben. Auch die Original-Besetzung hätte weder diesen Regisseur noch dieses Drehbuch retten können.
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