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Golden Globes 2016: Wunderbarer Irrsinn

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Golden Globes 2016: Die Preisträger in Bildern Fotos
REUTERS

Auszeichnungen gibt es viele in Hollywood, doch keine Verleihung ist so wirr wie die der Golden Globes. Bei der 73. Ausgabe waren selbst die Stars überrumpelt, wen die Hollywood Foreign Press Association für preiswürdig hielt.

Als es am Sonntagabend in Los Angeles an den Preis für den besten Hauptdarsteller einer Comedy-Serie ging, schnitt die Regie auf Aziz Ansari, der für "Master of None" nominiert war - und in einem Buch las. Titel: "Losing to Jeffrey Tambor with Dignity" - auf Deutsch: Würdevoll gegen Jeffrey Tambor verlieren. Tambor war neben Ansari für seine Darstellung einer Transsexuellen in "Transparent" nominiert.

Der hübsche Gag sagt viel aus über Tambors Favoritenstatus und Ansaris Humor. Der bessere Gag war aber: Den Preis als bester Comedy-Hauptdarsteller gewann schließlich Gael Garcia Bernal. Und das sagt wiederum viel aus über die Golden Globes.

Mit ihrer Aufteilung in die Sparten Fernsehen und Kino haben die Globes seit jeher eine Ausnahmestellung in der Reihe der Preise, die vom späten Herbst bis zu den Oscars vergeben werden. Mit dem Aufstieg des Serienfernsehens zum popkulturellen Leitformat haben die Globes zu neuer Relevanz gefunden - oder zumindest zu einer neuen Methode, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Verrückte Ex-Freundin sticht Vizepräsidentin aus

Während der kleine, nicht mal 90 Köpfe umfassende Tross der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) es liebt, sich im Kinobereich mit den größten Namen und schönsten Gesichtern zu schmücken, zeigt er im Fernsehbereich Liebe für den Underdog.

Das war in den vergangenen Jahren bei Show-Neulingen wie "Girls", "The Affair" oder "Transparent" der Fall, und es ist in diesem Jahr auch nicht anders: Mit "Mr. Robot" (Beste Dramaserie) und "Mozart in the Jungle" (Beste Comedy) gewannen zwei Serien, die bemerkenswerte, wenn auch nicht perfekte erste Staffeln hingelegt hatten.

Natürlich waren auch ein paar Favoritensiege dabei: Jon Hamms Auszeichnung für seinen letzten Auftritt als Don Draper in "Mad Men" und Taraji P. Hensons Auszeichnung als Cookie im US-Quotenknüller "Empire" waren eher Pflicht als Kür. Doch die Auszeichnungen für Garcia Bernal ("Mozart in the Jungle") und Rachel Bloom ("Crazy Ex-Girlfriend"), die Jeffrey Tambor und Julia Louis-Dreyfus ("Veep") in ihren Karriere-Highlight-Rollen ausstachen, waren von dem wunderbaren Irrsinn gekennzeichnet, den man mittlerweile von den Globes gewohnt ist.

Allein der Preis für Lady Gaga als beste Darstellerin in einer Miniserie belegte den Hang der HFPA, Glamour Können vorzuziehen. Am deutlichsten wird das allerdings im Filmbereich, wo die Globes selten Eigenwilligkeit beweisen. So auch 2016: Zu leicht ließ sich die HFPA vom breitbeinigen Kraftakt "The Revenant" beeindrucken und zeichnete sowohl den Film als bestes Drama als auch Alejandro González Iñárritu als besten Regisseur aus. Derweil gingen Todd Haynes' glänzendes Liebesdrama "Carol" und Adam McKays sensationelle Finanzkrisenkomödie "The Big Short" (Start 14. Januar) komplett leer aus.

"Spotlight" wird noch scheinen

Ein ähnlich uninspiriertes Bild bot sich bei den Hauptdarstellern: Leonardo DiCaprio ("The Revenant") und Brie Larson ("Room") konnten ihre Siegesserien fortsetzen, obwohl ihre Rollen nicht zu den stärksten gehören - weder des Filmjahres noch ihrer Schauspielkarrieren. Die beiden wird man dennoch sehr wahrscheinlich am 28. Februar auf der Bühne des Dolby Theatre sehen, wenn sie ihre Oscars in Empfang nehmen werden. Ebenso sicher unter den Siegern der Academy Awards dabei: "Son of Saul" als bester fremdsprachiger Film und Ennio Morricone für den besten Soundtrack ("The Hateful Eight").

Jenseits dieser Kategorien sind die Globes jedoch ein unzuverlässiger Indikator für die Oscars, die auch wegen der Zusammensetzung der Abstimmungsberechtigten andere, amerikanischere Stoffe bevorzugen. So dürfte "Spotlight", das Tatsachendrama über das Investigativ-Team des "Boston Globe", das die systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in den USA aufgedeckt hat, deutlich besser abschneiden.

Wenn der 28. Februar und seine pompöse Gala nahen, kann man die Globes trotzdem ein wenig vermissen - weil sie sich so leicht von den Stars beeindrucken lassen und sich gleichzeitig so gern als kundige Seriengucker beweisen wollen. Weil sie, wenn man ehrlich ist, nicht anders als die durchschnittlichen Film- und Serien-Fans sind.

Video: Golden-Globes-Verleihung 2016

Die Preisträger im Überblick:

KATEGORIE FILM

Bestes Filmdrama: "The Revenant - Der Rückkehrer"

Beste Komödie/Musical: - "Der Marsianer - Rettet Mark Watney"

Bester Schauspieler in einem Filmdrama: Leonardo DiCaprio ("The Revenant - Der Rückkehrer")

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: Brie Larson ("Room")

Bester Schauspieler in einer Komödie/Musical: Matt Damon ("Der Marsianer - Rettet Mark Watney")

Beste Schauspielerin in einer Komödie/Musical: Jennifer Lawrence ("Joy - Alles außer gewöhnlich")

Bester Nebendarsteller: Sylvester Stallone ("Creed - Rocky's Legacy")

Beste Nebendarstellerin: Kate Winslet ("Steve Jobs")

Beste Regie: Alejandro González Iñárritu ("The Revenant - Der Rückkehrer")

Bestes Drehbuch: Aaron Sorkin ("Steve Jobs")

Beste Filmmusik: Ennio Morricone für "The Hateful Eight"

Bester Filmsong: "Writing's On The Wall" (Sam Smith, Jimmy Napes, aus "James Bond 007 - Spectre")

Bester Animationsfilm: "Alles steht Kopf" (Regie: Pete Docter, Ronnie Del Carmen)

Bester nicht englischsprachiger Film: "Son of Saul" (Ungarn, Regie: László Nemes)

KATEGORIE FERNSEHEN

Beste Serie - Komödie/Musical: "Mozart in the Jungle" (Amazon)

Bester TV-Schauspieler - Komödie/Musical: Gael García Bernal ("Mozart in the Jungle")

Beste TV-Schauspielerin - Komödie/Musical: Rachel Bloom ("Crazy Ex-Girlfriend")

Beste Serie - Drama: "Mr. Robot" (USA Network)

Bester TV-Darsteller - Drama: Jon Hamm (Mad Men")

Beste TV-Darstellerin - Drama: Taraji P. Henson ("Empire")

Beste Miniserie: "Wolf Hall"

Bester Schauspieler Miniserie: Oscar Isaac ("Show Me a Hero")

Beste Schauspielerin Miniserie: Lady Gaga ("American Horror Story: Hotel")

Bester Nebendarsteller Miniserie: Christian Slater ("Mr. Robot")

Beste Nebendarstellerin Miniserie: Maura Tierney ("The Affair")

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Beste Komödie
alexschneider75 11.01.2016
Und dass "The Martian" in der Kategorie "Beste Komödie/Musical" ausgezeichnet wurde, ist in einem Artikel über den Irrsinn der Golden Globes keine Erwähnung wert?
2. Nervige Besserwisserei
hcbruns 11.01.2016
Wenn im Kulturteil etwas so richtig nervt, dann ist es die Besserwisserei von Kulturjournalisten, die natürlich als einzige das göttliche Wissen haben, die "richtigen" Preisträger zu kennen. Liebe Journalisten, passt in Euer Weltbild eigentlich auch die Vorstellung, dass andere Menschen eine begründete andere Meinung haben können, und wenn diese auch nur auf einem anderen Geschmack beruht?
3. Golden Globes
Kritikant 11.01.2016
Beim ersten Blick auf das Titelphoto hatte ich doch tatsächlich "Golden Boo...." gelesen
4. Mir fehlt noch die Auszeichnungen
bstendig 11.01.2016
"Bester nicht gedrehter Film" und "Bester nicht gedrehter Film links des Rheins"
5. Irrsinniger Artikel!
Ignorant00 11.01.2016
Beim Lesen jeder einzelnen Zeile dieses Artikels wurde meine Verwunderung größer, mein Unmut wuchs und das Bild welches man sich von der Autorin machte wurde negativer. Mit welchem Ego bzw. Größenwahn muss jemand ausgestattet sein, der meint seine eigenen subjektiven Entscheidungen zur Kunst und Kultur seien soviel besser, als die einer anderen Jury? Und das ist zumindest eine Jury und nicht eine völlig belanglose Einzelmeinung eines Menschen in dessen Kurz-Vita man jetzt keine besondere kulturwissenschaftliche Vorbildung erkennen kann. "Während der kleine, nicht mal 90 Köpfe umfassende Tross der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) es liebt..." Stimmt Schwarmdenken wird überbewertet, aber nichtsdestotrotz frage ich mich, warum Frau Pilarzyk meint, das ihre eigene kleine Meinung besser und fundierter sei? Was sich ins Zitat steigert: "Weil sie, wenn man ehrlich ist, nicht anders als die durchschnittlichen Film- und Serien-Fans sind." Arroganz pur: Denn die Autorin weiß wer hätte gewinnen müssen, wer die Oskars gewinnen wird und ist scheinbar die Einzige die gute Leistung erkennen kann? Aufgrund solcher Artikel kann man sich das Lesen des Feuilleton meist komplett sparen. Hier werden ein paar Behauptungen zusamengestümpert. Anschliessend wird sich fröhlich wiedersprochen. Einerseits wird der Glamourfaktor bei Favoritensiegen kritisiert auf der anderen Seite werden Außenseitererfolge ob der vermeintliche besseren Konkurrenz angeprangert. Hauptsache dagegen?
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