Golden Globes 2019 Emma Stone entschuldigt sich für Filmrolle

"I'm sorry!" Mit diesem Zwischenruf hat Emma Stone bei den Golden Globes für Wirbel gesorgt - allerdings positiven, denn sie entschuldigte sich damit für eine Filmrolle, die wegen Whitewashing kritisiert worden war.

AFP

Zwischenrufe sind bei den Golden Globes keine Seltenheit. Die Gala, bei der Alkoholkonsum ausdrücklich erlaubt ist und Moderatorinnen schon mal mit einem Whisky-Glas in der Hand die Bühne betreten, gilt als eine der lockersten Preisverleihungen der US-Unterhaltungsbranche. Mit Emma Stones Zwischenruf wird trotzdem keiner gerechnet haben.

Als Co-Moderatorin und Schauspielerin Sandra Oh einen Witz über die romantische Komödie "Aloha" machte, in dem die weiße Stone eine asiatischstämmige Frau spielte, rief Stone kurzerhand "I'm sorry" durch den Saal. Oh, selber koreanischkanadischer Abstammung, hielt auf der Bühne ihre Hände auf der Brust, als wolle sie Stones spontane Entschuldigung annehmen oder anerkennen.

"Aloha", der auf der Lebensgeschichte der hawaiianischchinesischen Pilotin Allison Ng basiert, hatte bei seinem Erscheinen 2015 eine kleinere Kontroverse wegen seines unsensiblen Castings ausgelöst. Als kurze Zeit später die Weißen Tilda Swinton in "Dr. Strange" und Scarlett Johansson in "Ghost in the Shell" für Rollen besetzt wurden, die in ihren Comic-Vorlagen tibetisch bzw. japanisch angelegt worden waren, wuchs sich der Ärger zu einer größeren Diskussion um Whitewashing in Hollywood aus.

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Emma Stone: Entzückender Zwischenruf

Stone hatte sich schon kurz nach Erscheinen des Films entschuldigt und erklärt, das Problem des sogenannten "Whitewashing" erkannt zu haben. Dass sie nun noch einmal für die Mängel des Films öffentlich Verantwortung übernimmt, ist außergewöhnlich. Als Nominierte an diesem Abend (für die beste Filmnebenrolle) wäre sie wohl lieber in einem anderen Zusammenhang in Erscheinung getreten.

Mit ihrem Zwischenruf zeigt Stone nicht zuletzt auch, wie leicht es ist, sich zu entschuldigen. Zurzeit rätselt Hollywood noch, ob sich der halb geschasste, halb aus eigenen Stücken zurückgetretene Oscar-Moderator Kevin Hart jemals wie behauptet für ältere homophobe Witze und Tweets entschuldigt hat. Nach Recherchen von CNN hat Hart bislang keine direkte Entschuldigung für seine vielfach kritisierten Äußerungen veröffentlicht. Hart hatte unter anderem während Stand-up-Auftritten Anfang des Jahrzehnts gewitzelt, wie groß seine Angst sei, dass sein Sohn schwul sein könnte und dass er als heterosexueller Mann alles dafür tun würde, es zu verhindern.

Während Stone für einen der markantesten Momente bei den diesjährigen Golden Globes sorgte, schrieb Sandra Oh fast beiläufig Geschichte: Nicht nur war sie die erste Frau asiatischer Abstammung, die die Gala moderierte. Sie gewann auch in der Kategorie "Beste Darstellerin TV-Drama" für ihre Rolle in der BBC-America-Serie "Killing Eve" - als erste Frau asiatischer Abstammung seit 39 Jahren. Damit ist sie auch die erste Frau asiatischer Abstammung, die mehrere Globes gewonnen hat. Ihren ersten Preis nahm sie bereits 2006 für "Grey's Anatomy" entgegen.

Die Gewinner in den wichtigsten Filmsparten im Überblick (eine vollständige Liste inklusive der Seriensparten finden Sie hier):

  • Bestes Filmdrama - "Bohemian Rhapsody"
  • Beste Komödie/Musical - "Green Book"
  • Bester Schauspieler in einem Filmdrama - Rami Malek ("Bohemian Rhapsody")
  • Beste Schauspielerin in einem Filmdrama - Glenn Close ("The Wife")
  • Bester Schauspieler in einer Komödie/Musical - Christian Bale ("Vice")
  • Beste Schauspielerin in einer Komödie/Musical - Olivia Colman ("The Favourite - Intrigen und Irrsinn")
  • Bester Nebendarsteller - Mahershala Ali ("Green Book")
  • Beste Nebendarstellerin - Regina King ("If Beale Street Could Talk")
  • Beste Regie - Alfonso Cuarón ("Roma")
  • Bester nicht englischsprachiger Film - "Roma" (Mexiko)
  • Bester Filmsong - "Shallow" aus "A Star Is Born" (Lady Gaga, Mark Ronson, Anthony Rossomando, Andrew Wyatt)
insgesamt 22 Beiträge
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Schartin Mulz 07.01.2019
1. Also ich weiß nicht,
wie oft ich jetzt schon asiatische Opernsänger gesehen haben, díe in deutschen oder italienischen Opern die Rollen von Europäern übernommen haben. Ich hoffe, die entschuldigen sich endlich mal.
hansfohlmeister 07.01.2019
2. Whitewashing
Muesste sich eigentlich Ben Kingsley dafuer entschuldigen, dass er mal Gandhi gespielt hat?
quark2@mailinator.com 07.01.2019
3.
Ich frage mich immer, wie die Forderung nach nicht-weißen oder weiblichen Weihnachtsmännern mit dem White-Washing-Vorwurf irgendwie in einen logischen Kontext gebracht werden kann. Beides kommt eigentlich von den gleichen Leuten. I.e. so wie das Verbot rein männlicher (Golf-)Clubs mit der Forderung nach weiblichen Bereichen in Fitness-Studios. Usw. Ich kann jeweils die Grundidee voll nachvollziehen, aber ich sehe nicht, wie man beides fordern kann.
GinaBe 07.01.2019
4. wachen sie auf?
Um authentisch zu wirken, könnte Hollywood und andere westliche Produktionsstätten sicherlich geeignete Schauspieler finden, um alle Rollen wie in der wirklichkeit des zu beschreibenden prominenten zu besetzen. Whitewashing vorzubringen als wohl berechtigter Vorwurf ist sicherlich berechtigt und ebenso ein Herrschaftsinstrument wie emanzipierte Frauenrollen (http://www.spiegel.de/kultur/kino/the-wife-mit-glenn-close-die-frau-des-superzausels-a-1244406.html) entsprechend unterzurepräsentieren und sogar an an der Romanvorlage vorbei, was der fortgesetzten, subtilen Unterdrückung von Frauen in aller Welt dient.
dasfred 07.01.2019
5. Ein guter Schauspieler kann alles sein
Wichtig ist, wie glaubwürdig kommt die Rolle rüber. Deutsche Schauspieler türkischer Herkunft beklagen oft, dass man mit ihnen gerne den Klischee Türken besetzen will. Der künstlerische Akt sollte über der Abstammung stehen. Übrigens, viele Schwulenpornos werden von Heteros gespielt. Da kommt es auch eher auf die Qualität der Darstellung als auf die Orientierung im privaten an.
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