Goldene Lola "Der Staat gegen Fritz Bauer" gewinnt beim Deutschen Filmpreis

Der Politthriller "Der Staat gegen Fritz Bauer" hat bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises abgeräumt - unter anderem als bester Film. Beste Haupt- und Nebendarstellerin wurde Laura Tonke. Die Gewinner.

Lars Kraume (l) und Olivier Guez
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Lars Kraume (l) und Olivier Guez


Die Gewinner des Deutschen Filmpreises stehen fest. Lars Kraumes als Favorit gehandelter Politthriller "Der Staat gegen Fritz Bauer" bekam sechs Lolas - in den Kategorien bester Film, bestes Drehbuch, beste Regie, bestes Kostümbild, bestes Szenenbild und bester Nebendarsteller. Dort setzte sich Ronald Zehrfeld durch. Er spielt in dem auf Tatsachen beruhenden Film den engsten Mitarbeiter des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer. "Geil!", rief Zehrfeld überglücklich bei der Verleihung des Preises am Abend in Berlin.

Die Lola in Silber für den besten Spielfilm ging an "Herbert", Bronze ging an "4 Könige".

Doppelt räumte Laura Tonke ab, die für ihre Rolle in dem Film "Hedi Schneider steckt fest" mit der goldenen Lola als beste Hauptdarstellerin geehrt wurde. Die 42-Jährige nahm die Trophäe bei der Verleihung des 66. Deutschen Filmpreises in Berlin entgegen. "Ich liebe euch alle sehr!", sagte sie. Zuvor hatte Tonke bereits den Preis als beste Nebendarstellerin für ihre Darstellung in "Mängelexemplar" geholt.

Die wichtigste Auszeichnung für das deutsche Kino wird von den 1700 Mitgliedern der Filmakademie gekürt. Moderator Jan Josef Liefers holte zum Auftakt der Gala viele Schauspielkollegen für eine Musical-Einlage auf die Bühne. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, schlug politische Töne an. "Ausländer- und islamfeindliches Gedankengut ist mittlerweile Parteiprogramm geworden", sagte Berben. "Aber wir dürfen als Künstler nicht verstummen, wir müssen handeln." Was den deutschen Film angeht, forderte sie "mehr Geld für mutige Ideen" und "mehr Frauen!".

Peter Kurth als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet

Der 59-jährige Theater- und Filmschauspieler Peter Kurth bekam die goldene Lola als bester Hauptdarsteller. Er nahm die Trophäe für seine Rolle eines an ALS erkrankten Ex-Boxers in dem Film "Herbert" entgegen. "Danke an alle, die mich gewählt haben", sagte Kurth, der den Deutschen Filmpreis aus den Händen von Hollywoodstar Diane Kruger entgegennahm.

Frauenschwarm Elyas M'Barek (33) wurde für die Schulkomödie "Fack ju Göhte 2" ausgezeichnet. Die Macher des Films wurden bei der Verleihung des 66. Deutschen Filmpreises für den besucherstärksten Film des Jahres ausgezeichnet. "Fack ju Göhte 2" ist wie sein Vorgängerfilm ein echter Publikumsrenner. Rund 7,6 Millionen Kinozuschauer haben die Komödie von Bora Dagtekin gesehen.

"Der Regisseur kann heute nicht hier sein, er macht sein Abi nach", sagte M'Barek. Seine Dankesrede schloss er mit ernsteren Worten: Wer wählen gehe, solle bedenken, dass "Fack ju Göhte" ohne Menschen mit ausländischen Wurzeln nicht möglich gewesen wäre.

Als bester Dokumentarfilm wurde "Above and Below" von Nicolas Steiner ausgezeichnet. Der Film über Aussteiger, Außenseiter und Überlebenskünstler bekam auch den Preis für die beste Kamera.

Heidi ist bester Kinderfilm

Als bester Kinderfilm wurde die Neuverfilmung von "Heidi" mit der goldenen Lola ausgezeichnet. Der Film von Alain Gsponer setzte sich gegen "Rico, Oscar und das Herzgebreche" durch. Der "Heidi"-Film beruht auf den Romanklassikern von Johanna Spyri.

Filmproduzentin Regina Ziegler (72) wurde mit dem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie ausgezeichnet. Ziegler ("Weissensee", "Solo für Klarinette") wurde für ihre herausragenden Verdienste um den deutschen Film geehrt.

Im Jahr 1973 produzierte sie ihren ersten Film: "Ich dachte, ich wäre tot" von Wolf Gremm, ihrem späteren Ehemann. Rund 500 Produktionen für Film und Fernsehen sowie zahlreiche Auszeichnungen folgten in den nächsten Jahrzehnten.

Ziegler arbeitete mit Regisseuren wie Volker Schlöndorff, Rosa von Praunheim, Jo Baier, Mika Kaurismäki und Detlev Buck zusammen. Ihre Serie "Weissensee" wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Die Gewinner des 66. Deutschen Filmpreises in der Übersicht

Bester Spielfilm in Gold (500.000 Euro): "Der Staat gegen Fritz Bauer" von Lars Kraume

Bester Spielfilm in Silber (425.000 Euro): "Herbert" von Thomas Stuber

Bester Spielfilm in Bronze (375.000 Euro): "4 Könige" von Theresa von Eltz

Bester Kinderfilm (250.000 Euro): "Heidi" von Alain Gsponer

Bester Dokumentarfilm (200.000 Euro): "Above and Below" von Nicolas Steiner

Ehrenpreis (undotiert): Filmproduzentin Regina Ziegler

Bernd-Eichinger-Preis (undotiert): Filmproduzent Stefan Arndt

Besucherstärkster Film des Jahres (undotiert): "Fack ju Göhte 2" von Bora Dagtekin

Beste weibliche Hauptrolle (10.000 Euro): Laura Tonke ("Hedi Schneider steckt fest")

Beste männliche Hauptrolle (10.000 Euro): Peter Kurth ("Herbert")

Beste weibliche Nebenrolle (10.000 Euro): Laura Tonke ("Mängelexemplar")

Beste männliche Nebenrolle (10.000 Euro): Ronald Zehrfeld ("Der Staat gegen Fritz Bauer")

Beste Regie (10.000 Euro): Lars Kraume ("Der Staat gegen Fritz Bauer")

Beste Kamera/Bildgestaltung (10.000 Euro): Markus Nestroy ("Above and Below")

Bestes Drehbuch (10.000 Euro): Lars Kraume und Olivier Guez ("Der Staat gegen Fritz Bauer")

Bester Schnitt (10.000 Euro): Alexander Berner ("Ein Hologramm für den König")

Bestes Szenenbild (10.000 Euro): Cora Pratz ("Der Staat gegen Fritz Bauer")

Bestes Kostümbild (10.000 Euro): Esther Walz ("Der Staat gegen Fritz Bauer")

Beste Filmmusik (10.000 Euro): Alexandre Desplat ("Everything Will Be Fine"

Beste Tongestaltung (10.000 Euro): Roland Winke, Matthias Lempert und Frank Kruse ("Ein Hologramm für den König")

Bestes Maskenbild (10.000 Euro): Hanna Hackbeil ("Herbert")

Die Preisgelder für die Filme sind zweckgebunden für die Herstellung eines neuen Films.

brt/dpa

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
schamot 27.05.2016
1. Toll
Wen interessiert der deutsche Filmpreis?
nabitte 27.05.2016
2. @ #1 Sie offenbar nicht.
Und wen interessiert das wiederum?
intothevoid 27.05.2016
3. Mehr
Menschen, als Ihre Meinung. Nämlich mich.
alabama110 27.05.2016
4.
Mich
thomasmann 27.05.2016
5. In diesem Fall?
Zitat von schamotWen interessiert der deutsche Filmpreis?
Dem grossen Haufen der politisch Korrekten.r Die Wahrheit ist, dass es einem heutigen Fritz Bauer, der sich einer der unzähligen heutigen Sauereien annehmen würde ganz genauso gehen würde, bzw noch viel schlimmer! Hat es irgendein Staatsanwalt geshafft auch nur einen "unserer" Banker vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen?
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