Cannes-Eröffnungsfilm Grace, allein zu Haus

Das Fürstenhaus zürnt, ein mächtiger Produzent will eine andere Fassung für den amerikanischen Markt: Die Machtspiele rund um den Cannes-Eröffnungsfilm "Grace of Monaco" sind spannender als der biedere Grace-Kelly-Film selbst.

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Immerhin, das Wetter wird wohl mitspielen, wenn am Mittwochabend die 67. Filmfestspiele von Cannes mit der Gala-Premiere von "Grace of Monaco" eröffnet werden. Auch Hauptdarstellerin Nicole Kidman wird über den roten Teppich flanieren, zusammen mit Regisseur Olivier Dahan und dem französischen Produzenten Pierre-Ange Le Pogam. Viel interessanter aber ist, wer vermutlich nicht da sein wird.

Das Fürstenhaus von Monaco, namentlich Caroline und Albert, hatte schon in der vergangenen Woche abgesagt, die rund einstündige Fahrt nach Cannes zu unternehmen, um Regisseur Dahan und Festival-Chef Thierry Frémaux ihren Segen zu geben. "Grace of Monaco" sei eine "Verdrehung der Familiengeschichte zu rein kommerziellen Zwecken", zürnten die Monegassen.

Nun ist es nie wirklich schlecht für ein Biopic, wenn das Sujet oder dessen Nachkommen nicht einverstanden mit der Darstellung ihres Lebens auf der Leinwand sind. Dahan verteidigte sich in einem Interview denn auch mit dem Argument, das Künstlern meistens recht gibt: Sein Film sei eine Interpretation und eine Metapher.

Der Regisseur der mehrfach ausgezeichneten Piaf-Biografie "La vie en rose" erzählt in seinem Fürstinnen-Porträt die Geschichte der US-Schauspielerin Grace Kelly (Nicole Kidman), die 1956 versucht, am kleinen Hof der Mittelmeer-Enklave mit ihrem neuem Ehemann Fürst Rainier III. (Tim Roth) und ihrer neuen Rolle glücklich zu werden.

Monaco oder Hollywood?

Gleich zu Beginn bekommt Kelly, die im monegassischen Palast mit wächsernem Teint vor sich hin brütet wie Rapunzel in ihrem Turmverlies, Besuch von Alfred Hitchcock. Der britische Regisseur, der mit ihr "Über den Dächern von Nizza" drehte, möchte den Star für seinen neuen Film "Marnie" gewinnen, doch Kelly muss sich zwischen Monaco und Hollywood entscheiden. Liebt sie Rainier wirklich? Hatte sie sich das Leben als Prinzessin an der Côte d'Azur märchenhafter vorgestellt?

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Grace-Kelly-Biopic: Kleider, Kummer und Klischees
Während Monaco über die Frage der Steuerabgaben in eine handfeste Krise mit Frankreich schlittert und General de Gaulle damit droht, das Spielerparadies kurzerhand zu okkupieren, entscheidet sich Kelly dafür, zur Landesmutter zu werden - und fängt erst einmal an, Französisch und die Geschichte ihres Fürstentums zu lernen.

An diesem Punkt beginnt "Grace of Monaco" nach einer eher langweiligen ersten Hälfte doch noch ein wenig Fahrt aufzunehmen, bis Kelly schließlich sowohl den verstockten Rainier, als auch De Gaulle mit einer hochemotionalen Rede zu Tränen rührt - und alles gut wird. Die echte Grace Kelly kam dann wenige Jahre später bei einem Autounfall ums Leben. Im Film wird mehrmals gezeigt, wie gerne sie sich in ihren Porsche-Sportwagen setzt und über die kurvigen Küstenstraßen rast, um Frust abzubauen.

Behäbiges Monaco-Märchen

In Wahrheit könnte Dahans Film wohl noch viel tiefer in den Abgründen der Fürstenehe wühlen, als er es mit seinem sehr behäbig geratenen Monaco-Märchen tut. Nichts ist wirklich kontrovers an diesem Film: weder Ausstattung, noch Schnitt oder Drehbuch (Arash Amel), und schon gar nicht Nicole Kidman, die sich anscheinend aus lauter Respekt vor Grace Kelly in eine Schockstarre manövriert hatte, so blass und ungelenk wirkt sie über weite Strecken. Man wünscht sich, ein inspirierterer Regisseur wie Baz Luhrmann ("Moulin Rouge"), der historische Szenarien modern aufbereitet, hätte hier Hand anlegen dürfen. Der Australier hat immerhin auch aus seiner Landsfrau Kidman schon Besseres herausgeholt.

Man fragt sich also, ob der Protest des Fürstenhauses gegen Dahans biederes Biopic nicht bloßer Adelsdünkel ist. Thierry Frémaux, der Programmchef von Cannes, mag sich über den Mini-Eklat insgeheim sogar freuen: Wenn schon der Eröffnungsfilm eher mau ist, dann soll's wenigstens drumherum ein bisschen Trubel geben.

Denn fraglich ist, ob nicht ein weiterer prominenter Gast am Mittwochabend den roten Teppich boykottiert: der mächtige US-Produzent und Cannes-Stammgast Harvey Weinstein.

Der Chef der Weinstein Company hatte von Le Pogam vor über einem Jahr die US-Verleihrechte an dem 30-Millionen-Euro-Film erworben, zeigte sich dann aber medienwirksam unzufrieden mit der Endfassung. Während auf dem Festival nun der Director's Cut mit einigen wenigen Änderungen zu sehen sein wird, hat sich Weinstein noch nicht entschieden, ob er "Grace of Monaco" in seiner jetzigen Form in die US-Kinos bringen will.

Angeblich wollte der für seine harschen Eingriffe in Schnitt und Dramaturgie berüchtigte Produzent eine unterhaltsamere, lebhaftere Version, die mehr Hollywood, weniger Monaco beinhalten sollte. Offenbar, so spekulieren US-Branchenblätter, droht Weinstein hinter den Kulissen damit, den Film direkt ins Fernsehen oder auf DVD abzuschieben, wenn ihm die französischen Produzenten nicht einen Teil seines Geldes rückerstatten oder eine andere Schnittfassung ermöglichen.

So sind die kleinen Dramen, die sich um "Grace of Monaco" abspielen, letztlich weitaus interessanter als der Film, der am Donnerstag in den französischen, italienischen und deutschen Kinos anläuft.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Tom Joad 14.05.2014
1.
Ob in dem Film auch zur Sprache kommt, dass das Fürstenhaus pleite und dringend auf das Geld angewiesen war, das Grace Kelly als "Mitgift" in die Ehe mitbrachte? Übrigens: "Blass und ungelenk" wirkt Nicole Kidman für mich in jedem ihrer Filme, aber das ist Ansichtssache.
Tante_Frieda 14.05.2014
2. Man
So,so,der Film über die Regentenfamilie der Mini-Steueroase sei eine Verdrehung der Familiengeschichte zu rein kommerziellen Zwecken.Man hätte einfach die Grimaldis am Einspielergebnis des Films beteiligen sollen.Vielleicht hätten sie dann gnädiger geurteilt.Schließlich machten sie mit gesundem Kaufmannsgeist vor,wie man aus einer heruntergekommenen Enklave innerhalb weniger Jahrzehnte eine Geldmaschine macht.
yodolana 14.05.2014
3. Genau
Warum gerade diese Besetzung ? Ist wahrscheinlich ähnlich wie hier mit Veronika Verres. Wird eine Schauspielerin gesucht mit Glamour und ohne Talent dann sind die beiden auf dem ersten Platz.
lindchensbaum 14.05.2014
4. Adelsdünkel?
Wohl vergessen: Die Grimaldis entspringen keinem echten Adelsgeschlecht, vielmehr erkauften sich die Vorfahren die Macht... der Grund, warum die echten Königshäuser Monaco meiden. Was Kidman angeht, jemand mit soviel Botox im Gesicht kann nicht anders.
mariakäfer 14.05.2014
5. Wie sieht
die kidman aus? Oh mein gott. Warum sagt ihr das niemand?
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