Box Office "Hänsel und Gretel" machen alle kalt

Die Kritiker spotten, doch dem Publikum ist's egal: "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" sprang auf die Spitzenposition der US-Kinocharts. In Deutschland konnten "Django Unchained" und "Schlussmacher" sich einer großen Zahl namhafter Neustarts erwehren.


USA

1. Gewinner der Woche

"Dieser Film lag eine ganze Weile im Regal", schrieb der Kritiker von "Entertainment Weekly" über die neue Version des Märchens von Hänsel und Gretel, "und genau wie, sagen wir, ein Lebkuchenhaus im Wald ist er mit der Zeit ein bisschen fad geworden." Dieser Verriss war nicht untypisch für die Kritiken, die der actionbeladenen und Grusel-Neufassung von "Hänsel und Gretel" mit dem Untertitel "Hexenjäger" um die Ohren gehauen wurden. Eigentlich hätte der Film nach der Brüder-Grimm-Vorlage schon im vergangenen März in die Kinos kommen sollen, wurde dann aber verschoben in den Januar.

Und dennoch schaffte es "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" auf Platz eins der amerikanischen Kinocharts. Er spielte an seinem Premierenwochenende 19 Millionen Dollar in die Kassen - was ein stärkerer Start war als "Abraham Lincoln - Vampirjäger", wie das Fachorgan Box Office Mojo dankenswerterweise mitteilte. In den Hauptrollen sind Jeremy Renner (Hänsel) und Gemma Arterton (Gretel) zu sehen.

2. Verlierer der Woche

Nur auf Platz fünf kam der Actionfilm "Parker" mit Prügelstar Jason Statham, der als Neustart damit hinter dem Horrorfilm "Mama", der Psychotherapie-Rom-Com "Silver Linings" und dem Bin-Laden-Drama "Zero Dark Thirty" zurückblieb. Sieben Millionen Dollar sind ein enttäuschendes Einspielergebnis - und eine Blamage auch für den weiblichen Co-Star: Der letzte Film mit Jennifer Lopez, der schlechter startete, war 2003 der legendäre Flop "Gigli", berichtet die "Los Angeles Times".

3. Zahl der Woche

43 - so wie in "Movie 43". Das ist der Titel einer weiteren großen Enttäuschung der Woche. Die mit zahlreichen Hochkarätern wie Elisabeth Banks, Emma Stone, Hugh Jackman und Kate Winslet besetzte Komödie brachte es auf schlappe 5 Millionen Dollar und kam nur auf Platz sieben. Der Film ist aus unterschiedlichen Sketchen zusammengesetzt, an denen sich insgesamt 12 Regisseure betätigten - ein kreatives Experiment, das sich nicht auszahlte. Vielleicht dachten die Leute, sie würden der Handlung nicht folgen können, wenn sie "Movie 1" bis "Movie 42" nicht gesehen hatten, scherzte der amerikanische "Rolling Stone": Einen "Movie 44" werde es vermutlich nicht geben.

Deutschland

1. Gewinner der Woche

Die ersten beiden der Vorwoche haben souverän ihre Plätze verteidigt: Mit 660.000 Zuschauern bleibt "Django Unchained" ganz vorn in den deutschen Kinocharts. Hinter Quentin Tarantinos Western-Epos steht erneut Matthias Schweighöfers "Schlussmacher" mit 299.000 Kinobesuchern zwischen Donnerstag und Sonntag, wie Media Control mitteilte.

2. Verlierer der Woche

Die hochgehandelten Neustarts: Das Suchtdrama "Flight" von Robert Zemeckis mit Denzel Washington als alkoholkrankem Piloten hatte mit 144.000 Zuschauern und Platz drei noch das beste Startwochenende. Der lange verschobene Noir-Krimi "Gangster Squad" mit Stars wie Sean Penn und Ryan Gosling lockte 72.000 Menschen in die Kinos - Platz sechs. "Lincoln", der für zwölf Oscars nominierte neue Film von Steven Spielberg, steigt mit 65.000 Zuschauern ein und teilt sich den siebten Rang mit "Ritter Rost". Und Dustin Hoffmans Regiedebüt "Quartett" verpasste die Top Ten.

3. Und welcher Film hat eine zweite Chance verdient?

Tim Burtons wunderbarer Stop-Motion-Animationsfilm "Frankenweenie" kam zwar nur gerade so in die Top Twenty, wie das Fachblatt "Blickpunkt:Film" mitteilte (11.000 Zuschauer in 163 Kinos), doch die Hommage ans "handgemachte" Kino lohnt durchaus.

feb/dpa/dapd

insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
Rahvin 28.01.2013
1. optional
Es ist halt immer wieder überraschend, was für Filme sich in Deutschland am Ende durchsetzen. Keinohrkokowäh oder Schlussmacher. Wir haben es einfach scheinbar nicht besser verdient.
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