Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Harmloser "Alexander": Griechen lassen Klage fallen

Erst gucken, dann motzen: Nachdem Oliver Stones Historien-Epos "Alexander" griechischen Anwälten und Kritikern gezeigt wurde, ist von einer Einstweiligen Verfügung gegen die angeblich zu schwule Darstellung des mazedonischen Feldherren keine Rede mehr. Stones Werk sei harmlos, hieß es nach der Vorführung.

Colin Farrell als "Alexander": "Riesenwerbung" für Griechenland
REUTERS

Colin Farrell als "Alexander": "Riesenwerbung" für Griechenland

Athen - Die Gruppe griechischer Anwälte, die zuvor mit einer Einstweiligen Verfügung gegen den Start des Films in Griechenland erwirken wollte, hat lediglich durchgesetzt, dass im Vorspann - zumindest in griechischen Kinos - eingeblendet wird, dass der Film keine historische Dokumentation ist. "Wir haben erreicht, was wir wollten", sagte der Athener Rechtsanwalt Ioannis Varnakos gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Die Verleihfirma Spentzos Films hatte Oliver Stones Monumentalepos "Alexander" mit Colin Farrell in der Titelrolle am Donnerstag erstmals einigen Kritikern und den Anwälten gezeigt. Der Film sollte in Griechenland am Freitag in 80 Kinos anlaufen.

Varnakos und 24 seiner Kollegen hatten Anfang der Woche mit einer Einstweiligen Verfügung gedroht, weil in dem Film angedeutet werde, dass der in Griechenland als Held gefeierte Alexander der Große eine sexuelle Beziehung zu seinem Jugendfreund und Mitkämpfer Hephaistion gehabt habe. Dies verfälsche die Geschichte, kritisierten die Juristen. Noch ehe sie den Film überhaupt gesehen hatten, forderten die Anwälte den Verleiher auf, anstößige Szenen herauszuschneiden.

Doch die Aufregung war anscheinend unnötig: "Ich verstehe die Hysterie rund um die angeblichen Sexszenen nicht. Die gibt es gar nicht", sagte der Filmkritiker Panagiotis Timogiannakis im griechischen Staatsfernsehen Net. Gezeigt werde lediglich ein Kuss, den Alexander einem jungen Diener während einer klassischen altgriechischen Orgie auf den Mund schmatzt - nach Meinung des Kritikers "nichts Dolles".

Auch andere Filmkritiker urteilten am Freitag, das Historienepos sei nur mittelmäßig und schlossen sich damit der Meinung ihrer amerikanischen Kollegen an. Er werde viel "geschwafelt", zeitweilig sei der Film sogar langweilig. Immerhin sei "Alexander" aber eine kostenlose "Riesenwerbung" für Griechenland.

Uneinsichtiger zeigte sich die Kirche: "Sie (Oliver Stone und sein Team) versuchen, Alexander zu erniedrigen", kritisierte das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Christodoulos, im Fernsehen. Das Kirchenoberhaupt zeigt sich allerdings seit Jahren in dieser Hinsicht intolerant: Nach seinen Worten "haben alle Homosexuelle eine Macke".

Gemäßigter äußerte sich die Athener Archäologie-Professorin Chrysoula Paliadeli: "Was Alexander gemacht hat, ist viel wichtiger als das, was er sexuell war," sagte sie im Fernsehen. Es sei die Aufgabe der Kinokritiker und nicht der Historiker, den Film zu bewerten.

Mit Spannung wird in Athen nun aber vor allem die Reaktion des Publikums erwartet. Die Skandal-Publicity scheint schon Wirkung gezeigt zu haben: Besonders im Norden des Landes gingen laut Medienberichten tausende Karten schon im Vorverkauf weg. In Deutschland läuft "Alexander" erst am 23. Dezember an.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: