"Paris, Texas"-Darsteller Harry Dean Stanton ist tot

Er war auf Nebenrollen abonniert, als ihn Wim Wenders für sein Roadmovie "Paris, Texas" engagierte - und ihm zu Weltruf verhalf. Jetzt ist der US-Schauspieler Harry Dean Stanton im Alter von 91 Jahren gestorben.

REUTERS

US-Schauspieler Harry Dean Stanton ist am Freitag im Alter von 91 Jahren gestorben. Er sei friedlich im Krankenhaus in Los Angeles entschlafen, wie sein Agent mitteilte. Stanton begann seine Filmkarriere in den fünfziger Jahren, zunächst mit Nebenrollen in Western oder als Bösewicht. Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger erarbeitete er sich mit Auftritten in größeren Produktionen wie "Alien" oder "Die Klapperschlange" den Ruf eines vielseitigen Charakterdarstellers.

Eine seiner wenigen Hauptrollen war der Part des Antihelden in "Paris, Texas" von Wim Wenders. Stanton ging schon auf die 60 zu, als ihn der deutsche Regisseur engagierte. Er spielte einen Vater namens Travis, der an Gedächtnisverlust leidet und nach langem Herumirren in der texanischen Wüste zurück in die Stadt findet. Der Film gewann in Cannes die Goldene Palme.

In der Folge drehte Stanton mit vielen namhaften Filmemachern, mit Martin Scorcese etwa ("Die letzte Versuchung Christi"), mit David Lynch ("Wild at Heart"), Terry Gilliam ("Fear and Loathing in Las Vegas") oder Francis Ford Coppola ("Der Pate II"). Seine Filmografie umfasst eine eindrucksvolle Liste von mehr als zweihundert Spielfilmen und TV-Serienepisoden.

Geboren wurde Stanton am 14. Juli 1926 im US-Bundesstaat Kentucky. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte er als Marinesoldat im Pazifik die blutige Schlacht um die japanische Insel Okinawa. "Ich habe japanische Kamikaze-Flieger gesehen, aber ich hatte das Glück, nicht getötet zu werden", sagte er später. Aus dem Krieg zurückgekehrt, studierte er an der Universität von Kentucky und ging anschließend nach Los Angeles, wo er 1957 sein Schauspiel-Debüt gab.

"Paris, Texas"-Stars Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Regisseur Wim Wenders
DPA

"Paris, Texas"-Stars Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Regisseur Wim Wenders

Harry Dean Stanton hat bis zuletzt vor der Kamera gestanden - wie so häufig in seiner langen Laufbahn in kurzen prägnanten Auftritten: etwa 2012 als Wachmann in dem Superhelden-Epos "The Avengers".

Regisseur David Lynch, mit dem Stanton zuletzt gedreht hatte, würdigte ihn als "großartigen Schauspieler und fantastischen Menschen. Ein Großer ist von uns gegangen". Ihr gemeinsamer Film "Lucky" kommt in Kürze in den USA in die Kinos und läuft ab dem Jahresende auch in Europa. Darin spielt Stanton einen gealterten Atheisten, der sich auf eine spirituelle Reise begibt.

Das schönste Lob für den Nebenrollen-König Harry Dean Stanton kam von dem einflussreichen US-Filmkritiker und Pulitzerpreisträger Roger Ebert, der es gleich als Regel formulierte: Ein Film, in dem Stanton mitspiele, könne nie wirklich schlecht sein.

oka/dpa/Reuters



insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
monoman 16.09.2017
1.
Wie viele bin ich auch durch Paris-Texas auf ihn aufmerksam geworden. Lustig war aber auch sein Gastauftritt in the Avengers, wo der Hulk vom Himmel fiel und als Dr. Banner wieder erwachte. Stanton spielte einen Wachmann, der ihm eine Hose lieh und ihm einen Arztbesuch empfahl ;-)
Blindleistungsträger 16.09.2017
2. Nennen Sie mich Snake
In "Die Klapperschlange" spielte er das Brain des Duke von New York und in "Alien" war er einer der Techniker.
whitewisent 16.09.2017
3.
Es sein angemerkt, das Roger Ebert die "Stanton-Walsh-Regel" aufstellte: "no movie featuring either Harry Dean Stanton or M. Emmet Walsh in a supporting role can be altogether bad" Wenn man dem einen hier Respekt zollt, sollte auch der andere erwähnt werden, vor allem da dieser noch lebt.
Reiner Geist 16.09.2017
4. Ruhe in Frieden
Für uns David Lynch Fangemeinde war er mehr als der "Nebendarsteller" Seine sanfte weise Ausstrahlung tat gut. In Twin Peaks The Return durfte er sich sogar kurz mit seiner jung geblieben Stimme als Musiker verabschieden.
Japhyryder 16.09.2017
5. Harry Dean Stanton
Seine Rolle in "Paris, Texas" und sein Gesang auf dem Ry Cooder Soundtrack zum Film, bei dem Song "Cancion Mixteca" bleiben unvergessen. Herrlicher Typ. Lakonisch, lässig, cool. Einer meiner All-Time-Heroes.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.