Missbrauchsskandal Weinstein aus Oscar-Akademie ausgeschlossen

Zahlreiche Schauspielerinnen werfen Harvey Weinstein sexuellen Missbrauch vor, vier Frauen beschuldigen ihn der Vergewaltigung. Die US-Filmakademie zieht nun Konsequenzen.

Academy-Leiter um Präsident John Bailey (M.)
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Academy-Leiter um Präsident John Bailey (M.)


Der in einen Missbrauchsskandal verwickelte Filmproduzent Harvey Weinstein ist aus der US-Filmakademie ausgeschlossen worden. Das teilte die Akademie nach einer Sitzung ihres 54-köpfigen Vorstands in Los Angeles mit.

Der vormals mächtige Hollywoodmogul Weinstein wird von vier Frauen beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Zahlreiche weitere Frauen, darunter Stars wie Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Rosanna Arquette, bezichtigen den 65-Jährigen sexueller Misshandlungen.

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Vorwürfe gegen Medienmogul: Die Akte Weinstein

Die Entscheidung der Oscar-Academy solle die Botschaft aussenden, dass "die Ära des vorsätzlichen Ignorierens und der schändlichen Komplizenschaft bei sexuell aggressivem Verhalten sowie Belästigung am Arbeitsplatz in unserer Branche vorbei ist", erklärte der Zusammenschluss von Filmschaffenden.

In einer zuvor herausgegebenen Mitteilung hatte die Akademie Weinsteins Verhalten als "abstoßend, abscheulich und unethisch" bezeichnet.

Die Akademie heißt offiziell Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Es handelt sich um keine Hochschule, sondern um Hollywoods größte Film-Organisation mit zurzeit mehr als 8400 Mitgliedern. Am berühmtesten ist die Academy für die Vergabe des Oscars, des wichtigsten Filmpreises der Welt.

In der Akademie kann man sich keine Mitgliedschaft erkaufen, man wird berufen. Der Weg hinein führt über eine Oscar-Nominierung, über Empfehlungen oder besondere Verdienste um den Film. Es gibt 17 Berufszweige, darunter stellen die Schauspieler und die Produzenten die größten Gruppen. Präsident ist seit diesem Jahr der Kameramann John Bailey. Deutsche Mitglieder der Akademie sind zum Beispiel die Regisseurin Maren Ade ("Toni Erdmann"), Regisseur Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") und der Berliner Filmausstatter Bernhard Henrich ("Bridge of Spies - Der Unterhändler").

Auch die US-Produzenten-Vereinigung wollte am Samstag zusammenkommen, um über "disziplinarische Maßnahmen" und den Status von Weinstein zu beraten. Die britische Filmakademie Bafta, die den wichtigsten britischen Preis der Branche vergibt, hatte bereits am Mittwoch die Aussetzung von Weinsteins Mitgliedschaft bekannt gegeben.

koe/dpaT



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