Kameramann und Regisseur Haskell Wexler ist tot

Er war fünfmal nominiert und gewann den Oscar zweimal, für "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" und "Dieses Land ist mein Land": Haskell Wexler war einer der renommiertesten Kameraleute Hollywoods. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

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Seinen zweiten Oscar gewann Haskell Wexler für "die Verwendung von Steadicam und Strumpfhosen", wie es der "epd Film-Dienst" einmal zusammenfasste: "Dieses Land ist mein Land", das Biopic über den Protestsänger Woody Guthrie drehte, sollte an die Farbgebung der Filme aus den Dreißigerjahren erinnern, wenn auch in Farbe gedreht. So setzte Kameramann Wexler braune Strumpfhosen als Filter ein.

Haskell Wexler war einer der innovativsten Kameraleute Hollywoods. Er arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Elia Kazan, Mike Nichols, Milos Forman und George Lucas zusammen - Letzteren beriet er beim Dreh von "American Graffiti" (1973). Zu den bekanntesten Filmen, bei denen er die Kameras führte, zählen "In der Hitze der Nacht", "Thomas Crown ist nicht zu fassen" oder "Blaze - Eine gefährliche Liebe".

Fünfmal war Wexler für den Oscar nominiert, zum ersten Mal gewann er ihn 1967 für seine Kameraarbeit in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?". In dem Schwarz-Weiß-Film von Mike Nichols arbeitete er viel mit Handkamera und scheute sich nicht, die Stars Elizabeth Taylor und Richard Burton in Großaufnahmen unattraktiv aussehen zu lassen - wenn es der filmischen Inszenierung diente.

Weil Wexler klare Vorstellungen über die Bildgebung der Filme, an denen er arbeitete, hatte, kam es mehrfach zu Konflikten mit den Regisseuren. Francis Ford Coppola warf ihn heraus, und auch Milos Forman ersetzte Wexler wegen "kreativer Differenzen" beim Dreh von "Einer flog übers Kuckucksnest" durch Bill Butler - die Oscar-Nominierung ging an beide Kameramänner.

1996 bekam Haskell Wexler einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, eine Ehre, die Kameraleuten nur selten zuteil wird. Wexler drehte allerdings auch selbst als Regisseur, darunter den halbdokumentarischen Film "Medium Cool" von 1969, der die Politisierung eines TV-Reporters am Rande des Demokratischen Parteitags 1968 in Chicago zeigte. Wexler, der selbst politisch sehr aktiv war, machte auch eine Reihe aufsehenerregender Dokumentarfilme. Darunter war auch "Matewan" (1987) über Arbeiter im Kohlebergbau in West Virginia.

Am Sonntag ist Haskell Wexler im Alter von 93 Jahren am Sonntag im kalifornischen Santa Monica gestorben. Dies berichtet die "New York Times" unter Berufung auf seinen Sohn.

feb/dpa/AP

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