"Deutschland, bleiche Mutter" Filmregisseurin Helma Sanders-Brahms gestorben

Sie war eine der wichtigsten deutschen Autorenfilmerinnen: Helma Sanders-Brahms wurde mit Werken über deutsche Geschichte und Gegenwart international bekannt. Jetzt ist die Regisseurin im Alter von 73 Jahren gestorben.

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Als Helma Sanders-Brahms 1998 mit einer umfangreichen Werkschau geehrt wurde, würdigte der SPIEGEL die Regisseurin als "eine der wenigen wichtigen Regisseurinnen" der Ära des deutschen Autorenfilms in den siebziger und frühen achtziger Jahren, auf die oft eingedroschen werde. Gelobt wurde ihr "dokumentarisch genauer Blick", mit dem die Filmemacherin "die deutsche Geschichte und Gesellschaft einfängt".

Sanders-Brahms drehte im Laufe von 40 Jahren 30 Filme, für die sie auch das Drehbuch schrieb. Zu ihren bekanntesten Werken gehören "Unter dem Pflaster ist der Strand" (1975), "Shirins Hochzeit" (1976), "Heinrich" (1976/77), "Deutschland, bleiche Mutter (1980)", "Mein Herz - niemandem!" (1996/97) und "Geliebte Clara" (2008).

Die Regisseurin setzte sich vor allem mit den Themen Frauenbewegung, Arbeitswelt und Migration auseinander. Die Werke der Autorenfilmerin gehörten in den siebziger Jahren zu den wichtigen politischen Filmen der Bundesrepublik - größere Anerkennung als in Deutschland fand sie mit ihren Filmen oft im Ausland.

Dreiecksgeschichte unter Komponisten

Sanders-Brahms wurde am 20. November 1940 in Emden geboren. Sie studierte unter anderem Theaterwissenschaften. Nach dem Examen als Realschullehrerin arbeitete sie als Fernsehansagerin, begann aber bald mit Regiearbeiten. Ihre erste größere Arbeit war das preisgekrönte Porträt "Angelika Urban, Verkäuferin, verlobt" (1969).

"Unter dem Pflaster ist der Strand" lief nach dem Debüt in Cannes monatelang in französischen und italienischen Kinos und gilt als wichtiges Werk der Frauenbewegung. Der Film "Shirins Hochzeit", der 1976 in der ARD ein Quotenhit war, erzählt von einem türkischen Dorfmädchen, das vor einer drohenden Verheiratung in die Bundesrepublik flieht, dort aber nur neues Unglück findet.

"Deutschland, bleiche Mutter" mit Eva Mattes handelt von einer von der NS-Zeit geprägten und in der Nachkriegszeit verstörten Frauengeneration. In "Geliebte Clara" mit Martina Gedeck erzählte die Filmemacherin von der Dreiecksgeschichte zwischen dem Komponisten Robert Schumann, Clara Schumann und Johannes Brahms - der Komponist war ein entfernter Vorfahre der Regisseurin.

Die Filmemacherin ist am Dienstag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte die Akademie der Künste mit, in der Helma Sanders-Brahms seit 1997 Mitglied war.

feb/dpa

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