Starregisseur Helmut Dietl ist tot

Seine Serien "Monaco Franze" und "Kir Royal" waren Höhepunkte des deutschen Fernsehens. In Filmen wie "Schtonk!" und "Late Show" karikierte er die Medienwelt. Nun ist der Regisseur Helmut Dietl gestorben, er wurde 70 Jahre alt.

DPA

Ein Großer des deutschen Film- und Fernsehschaffens ist tot: Helmut Dietl ist am Montagmittag im engsten Familienkreis in seiner Münchner Wohnung gestorben. Dies meldeten die "Zeit" und der Bayerische Rundfunk. Der Regisseur und Drehbuchautor wurde 70 Jahre alt.

2014 wurde Helmut Dietl mit der Ehrentrophäe des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet. Die Laudatorin Iris Berben würdigte "die Unabhängigkeit, die Unberechenbarkeit und Souveränität eines großen Filmkünstlers". Zu den erfolgreichen Kinowerken Dietls zählten die Mediensatiren "Schtonk!" (1992) und "Late Show" (1999) sowie "Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1997).

Zunächst wurde Helmut Dietl aber berühmt als Autor und Regisseur von Fernsehserien. In den ARD-Serien "Monaco Franze - der ewige Stenz" (1983) und "Kir Royal" (1986) setzte er seiner Heimatstadt München ein Denkmal.

Geboren wurde Helmut Dietl zwar am 22. Juni 1944 im oberbayerischen Bad Wiessee, doch wuchs er in ärmlichen Verhältnissen in München-Laim auf und machte sein Abitur am Schwabinger Realgymnasium. Zum Fernsehen kam Dietl als Aufnahmeleiter, später arbeitete er an den Münchner Kammerspielen als Regieassistent.

Schon seine erste eigene TV-Arbeit, die "Münch'ner Geschichten" um den "Tscharlie" (Günther Maria Halmer) und Oma Häusler (Therese Giehse), die 1974/75 im BR, zu sehen waren, brachten ihm den Grimme-Preis ein. Begeistert aufgenommen wurde auch seine Serie "Der ganz normale Wahnsinnn" (1979/80), eine Komödie um einen neurotischen Münchner Journalisten (Towje Kleiner), der als "deutsche Antwort auf Woody Allen" bezeichnet wurde.

Karrierehöhepunkt im Fernsehen

Nach einem Abstecher nach Los Angeles kehrte Dietl 1983 nach München zurück und erfand zusammen mit seinem Co-Autor Patrick Süskind die Figur des vordergründig lässigen, hintergründig tragischen Frauenhelden Monaco Franze (gespielt von Helmut Fischer), der sein "Spatzl" (Ruth Maria Kubitschek) immer wieder zur Verzweiflung trieb. Die Serie wurde ein großer Erfolg, sogar mehrfach: 1987 wurde sie im ARD-Hauptabendprogramm wiederholt.

Ein Triumph war auch Dietls nächste Serie: Im Sechsteiler "Kir Royal" nahm er die Münchner Schickeria und den Boulevardjournalismus aufs Korn, mit dem Klatschreporter Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) und dessen treuem Fotografen Herbie (Dieter Hildebrandt) als Protagonisten.

Sein Thema hatte er nun gefunden, die Medienwelt, doch im Fernsehen sah er "nicht mehr seine Heimat". Mit dem Kinofilm "Schtonk!" persiflierte Dietl 1992 die Affäre um die Hitler-Tagebücher, die der "Stern" gefunden zu haben glaubte. Die Groteske mit Uwe Ochsenknecht, Christine Hörbiger und Götz George in den Hauptrollen wurde ein Publikumserfolg und war für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.

Die zwei Millionen Kinobesucher von "Schtonk!" konnte Dietl mit seinem nächsten Spielfilm noch übertreffen: "Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1997) um einen Münchner Restaurantbesitzer (Mario Adorf) fand 3,2 Millionen Zuschauer.

Mit der TV-Betriebs-Komödie "Late Show" (1999) und der Tragikomödie "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2005) konnte er an diese Erfolge weder kommerziell noch künstlerisch anknüpfen. Ein echter Flop unterlief ihm allerdings erst 2012 mit "Zettl", dem Versuch, die Welt von "Kir Royal" in die Berliner Republik zu übersetzen.

Helmut Dietl litt seit längerer Zeit an Lungenkrebs. Er hatte die Erkrankung selbst im November 2013 öffentlich gemacht. Er hinterlässt seine Ehefrau Tamara, mit der er die gemeinsame Tochter Serafina Marie hat. Außerdem hat Dietl zwei weitere, erwachsene Kinder.

feb/AFP

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