"Hero"-Star Zhang Ziyi "Ich war ein kleines Schaf"

Das Martial-Arts-Drama "Tiger & Dragon" machte die chinesische Schauspielerin Zhang Ziyi zum internationalen Star. Jetzt gibt sie in Zhang Yimous Epos "Hero" eine schöne Actionheroine. Mit SPIEGEL ONLINE sprach die 24-Jährige über körperliche Torturen und die Faulheit von Hollywoodstars.


Shooting-Star Zhang (2001 bei den MTV Movie Awards): "Wenn du einen Film nach dem anderen drehst, musst du schon mehr bieten
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Shooting-Star Zhang (2001 bei den MTV Movie Awards): "Wenn du einen Film nach dem anderen drehst, musst du schon mehr bieten

SPIEGEL ONLINE:

Frau Zhang, das westliche Publikum kennt Sie bis jetzt nur aus Kung-Fu-Filmen. Lieben Sie Kampfsport?

Zhang Ziyi: Überhaupt nicht. Die Kampfszenen in "Hero" und "Tiger & Dragon" zu drehen, war die reinste Qual. Du trägst ein enges Korsett mit langen Drahtseilen. An denen wirst du hochgezogen und hängst mehrere Meter über dem Erdboden, bis dir übel wird.

SPIEGEL ONLINE: Was war für Sie der härteste Moment bei den Dreharbeiten?

Zhang: Alles war hart, vor allem bei "Tiger & Dragon". Ich hatte viele Bewerberinnen ausgestochen, obwohl ich vorher erst einen Film gemacht hatte. Ang Lee war mit mir ein großes Risiko eingegangen. Ich wollte mir sein Vertrauen verdienen und hängte mich deshalb bis zur äußersten Erschöpfung rein. Gleichzeitig machten mir alle möglichen Leute Druck, vom Kostümdesigner bis zum Kameramann; ich bekam widersprüchliche Anweisungen und wusste nicht, was ich tun sollte. Von Tag zu Tag verlor ich an Gewicht und habe mich immer wieder verletzt. Jeden Abend schloss ich mich in meinem Hotelzimmer ein und heulte.

Schauspielerin Zhang: "Jeden Abend schloss ich mich in meinem Hotelzimmer ein und heulte"
DDP

Schauspielerin Zhang: "Jeden Abend schloss ich mich in meinem Hotelzimmer ein und heulte"

SPIEGEL ONLINE: Regisseur Ang Lee hat ihnen nicht geholfen?

Zhang: Doch, er hatte sehr viel Geduld mit mir. Nie wurde er wütend, nie brüllte er mich an. Dabei hatte er noch stärkeren Druck als ich. Er war ja derjenige, der mich trotz meiner geringen Erfahrung ausgewählt hatte. Er hatte zehn Jahre zuvor aufgehört zu Rauchen, aber bei den Dreharbeiten fing er wieder an.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie es denn bei denn Dreharbeiten zu "Hero" etwas leichter?

Zhang: Nicht viel. Zhang Yimou, der auch meinen ersten Film "Road Home" gedreht hatte, wollte sehen, ob ich mich verbessert hatte. Daher stand ich wieder unter enormem Stress. Zhang war wie ein Tiger, und ich war ein kleines Schaf.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihren Debütfilm wählte Zhang Yimou Sie als 19-jährige unter 40.000 anderen Bewerberinnen aus. Haben Sie Ihren Erfolg dem Glück zu verdanken?

Zhang: Natürlich war es Glück, aber ich setzte auch meine Talente ein, um diese Chance zu bekommen. Das Problem ist: Viele Leute in China können das nicht glauben. Sie sagen, Zhang hätte mich protegiert, und übersehen meine eigene Leistung. Vielleicht hätte ich die ersten Rollen ohne jegliches Talent bekommen können, aber wenn du einen Film nach dem anderen drehst, musst du schon mehr bieten.

Newcomerin Zhang in "Tiger & Dragon": "Geld interessiert mich nicht"
Arthaus Filmverleih

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SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich den Neid Ihrer Landsleute?

Zhang: Es gibt einfach so viele Schauspieler, die 20 Jahre hart arbeiten und trotzdem nicht das erreichen, was ich schon mit 24 geschafft habe. In China genießen ältere Leute mehr Respekt, während jüngere zu ihnen aufsehen müssen. Das ist sicherlich auch ein Faktor, der hier eine Rolle spielt.

SPIEGEL ONLINE: Treffen Sie solche Angriffe?

Zhang: Ich habe mich mittlerweile schon daran gewöhnt. In gewissem Sinne sind sie sogar ein Ansporn: Denn ich muss mich bei jedem Film neu anstrengen, damit ich diesem Erfolg gerecht werde.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie nach Hollywood gingen, könnten Sie Ihren Neidern entfliehen. Immerhin haben Sie dort schon "Rush Hour 2" gedreht.

Zhang: Ich bin nicht verrückt nach Hollywood. Dort würde ich meine Familie und meine Freunde vermissen. Außerdem gibt es dort keine gute chinesische Küche.

SPIEGEL ONLINE: Kann man Sie noch nicht einmal mit dem großen Geld in die USA locken?

Zhang als Kämpferin Moon in "Hero": "Ich stand wieder unter enormem Stress
Constantin

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Zhang: Geld interessiert mich nicht, nur gute Rollen. In Hollywoodfilmen kriegst du als Chinesin häufig nur Stereotypen angeboten: Prostituierte oder Mailorder-Bräute. Wenn du mit so bekannten Regisseuren wie Ang Lee, Zhang Yimou oder Wong Kar-wai arbeiten kannst, ist das schon Belohnung genug.

SPIEGEL ONLINE: Welche Unterschiede gibt es zwischen der Arbeit an einem chinesischen Film und einer Hollywood-Produktion?

Zhang: Hollywood-Schauspieler sind viel zu verwöhnt. Die müssten härter arbeiten. Bei den Dreharbeiten hat jeder seinen Wohnwagen und sein eigenes Essen. Man arbeitet nur 12 Stunden am Tag und hat das Wochenende zum Ausspannen. In China musst du schon mal die ganze Woche ran, und das 18 Stunden täglich.

Das Interview führte Rüdiger Sturm



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