Doku über A Tribe Called Quest Fette Beats, böses Blut

Michael Rapaports Dokumentarfilm "Beats Rhymes & Life" feiert A Tribe Called Quest zu recht als größte HipHop-Crew aller Zeiten - und beweint, wie die Freundschaft der legendären Band-Leader Q-Tip und Phife Dawg zerfiel. Aber wer ist der Böse?

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Die Geschichte von A Tribe Called Quest ist eine, die eigentlich keinen Bösewicht haben sollte. A Tribe Called Quest, das waren die Guten: vier Jungs, die sich Mitte der achtziger Jahre in Queens, New York, gefunden hatten, um fortan positive Schwingungen in die Welt zu senden. Sie hießen Q-Tip, Phife Dawg, Ali Shaheed Muhammad und Jarobi White, sie trugen viel zu bunte Klamotten, und sie hatten die Gabe, Menschen glücklich zu machen.

Mit ihren verspielten bis lyrischen Reimgebilden waren sie die Antithese zur aggressiven Gangsta-Kultur, und ihre Beats klangen so fett, dass sie noch die unbeweglichsten Leiber zum Zucken brachten. "Can I Kick It?", fragten sie 1990 in einer ihrer berühmtesten Singles. Die Antwort kann bis heute eine ganze Generation nachsprechen: "Yes, you can!"

Der Dokumentarfilm "Beats Rhymes & Life - The Travels of A Tribe Called Quest" von Michael Rapaport begleitet die Band auf ihrem Weg von ihrer Gründung bis zur Reunion-Tour 2008, und er zeigt diesen Weg als den Triumphzug, der er war: Fünf Alben haben sie bis 1998 produziert, mindestens die ersten drei - "People's Instinctive Travels and the Paths of Rhythm", "The Low End Theory" und "Midnight Marauders" - sind für die Ewigkeit.

Perfektes Yin und Yang

Pharrell Williams sagt, das Leute wie er oder Kanye West heute nichts wären ohne A Tribe Called Quest. Viele der Großen kommen im Film zu Wort, von Ludacris über De La Soul bis zu den Beastie Boys (herzensbrechenderweise noch mit dem kürzlich gestorbenen Adam Yauch), und alle sind sich einig: A Tribe Called Quest waren die Größten von allen.

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Kinodoku über A Tribe Called Quest: Fette Beats, böses Blut
"Beats Rhymes & Life" ist aber auch die traurige Geschichte vom Zerfall einer Freundschaft. Hirn und Herz der Band waren immer Q-Tip und Phife Dawg, die sich schon als Zweijährige kannten und später auf der Bühne und im Studio ein perfektes Yin-und-Yang-System kultivierten: der schöne Q-Tip mit seinen philosophischen Texten und einem unbedingten Perfektionismus und der kleine, dicke Phife Dawg mit seinem geerdeten Ansatz und gut gelaunter Gelassenheit. "Seelenverwandte" nennt sie Ali Shaheed Muhammad, der am DJ-Pult selbst immer im Hintergrund blieb. Und kann bis heute nicht recht begreifen, warum die beiden irgendwann getrennte Wege gingen.

Und das taten sie nicht mehr als Freunde. Als sich die Band 1998 auflöste - Jarobi White war schon 1991 ausgestiegen und später nur noch als Teilzeitmitglied auf ein paar Tourneen dabei - hatten sich Q-Tip und Phife Dawg nicht mehr viel zu sagen. Der eine hatte genug vom unzuverlässigen Laissez-faire, den anderen wiederum nervte die ewige Verbissenheit.

Spaßmacher vs. Karrierist

Regisseur Rapaport (in Deutschland bislang vor allem als Schauspieler in TV-Serien wie "Familienstreit de Luxe" bekannt) macht ziemlich deutlich klar, bei wem von den beiden seine größeren Sympathien liegen: Q-Tip erscheint bei ihm zunehmend als der kühle Karrierist, der nur darauf gewartet hat, nach dem Band-Aus in eine glanzvolle Solokarriere zu starten; Phife Dawg ist der liebenswerte Spaßmacher, der nie mehr richtig auf die Füße kommt und tapfer gegen seine schwere Diabetes kämpft. Als er sich schließlich einer Nierentransplantation unterziehen muss, schickt ihm sein ehemaliger bester Freund nur eine kurze Textnachricht. Phife Dawg ist trotzdem schwer gerührt.

Das rüttelt schwer an dem Habt-euch-alle-lieb-Bild, das A Tribe Called Quest immer vermittelt haben, und kein Fan wird gerne sehen, wie ihre Helden von einst zu Feinden werden und sich einer von ihnen auch noch als Eisblock präsentiert. Aber Rapaport macht auch klar, dass es Q-Tip eben in erster Linie darum ging, die beste vorstellbare Musik zu machen. Und dass er das nur schaffen konnte, weil er so ist, wie er ist.

"Beats Rhymes & Life" ist so nicht nur ein Jubelgesang auf eine Gruppe von Jahrhundertkünstlern geworden, sondern auch eine melancholische Ballade über die Unmöglichkeit von Freundschaft in der Kunst. Am Ende bleibt große Musik. Und das ist alles, was zählt.


Beats Rhymes & Life - The Travels of A Tribe Called Quest. Ab 7. Juni. Regie: Michael Rapaport



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ekenkis 07.06.2012
1. Ey SPON, fett Deutsch...
"Doku über A Tribe Called Quest: Fette Beats, böses Blut Michael Rapaports Dokumentarfilm "Beats Rhymes & Life" feiert A Tribe Called Quest zu recht als größte HipHop-Crew aller Zeiten - und beweint, wie die Freundschaft der legendären Band-Leader Q-Tip und Phife Dawg zerfiel."
HuFu 07.06.2012
2.
Zitat von sysopmindjazz picturesMichael Rapaports Dokumentarfilm "Beats, Rhythm & Life" feiert A Tribe Called Quest zu recht als größte HipHop-Truppe aller Zeiten - und beweint, wie die Freundschaft der legendären Band-Leader Q-Tip und Phife Dawg zerfiel. Aber wer ist der Böse? http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,837358,00.html
Lange ist es her, wo ich ATCQ gehört habe. :) Habe hier noch die erste Scheibe auf Vinyl rumliegen.
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