Historiendrama "Max Manus": Bloß groß

Von Daniel Sander

In Norwegen war "Max Manus", ein Drama über einen Widerstandshelden im Zweiten Weltkrieg, der erfolgreichste Film aller Zeiten. Einem Publikum ohne große Vorkenntnisse dürfte es schwerer fallen, den Sabotage-Künstler ins Herz zu schließen.

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Historiendrama "Max Manus": Heimat oder Tod
In Norwegen kennt Max Manus jeder: schillernder Held des nationalen Widerstands im Zweiten Weltkrieg, als die Nazis das Land besetzten, obwohl es sich für neutral erklärt hatte. Vorher freiwilliger Kämpfer an der finnischen Front, als die Russen eingedrungen waren. Im späteren Leben reich geworden mit seiner Büromaschinenfirma, in der er um der Versöhnung willen auch Nazi-Kollaborateure einstellte. Ein Heiligtum.

So eine Biografie schreit natürlich nach einer Verfilmung. Den Ruf erhört haben die Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg, und sie haben schwere Geschütze aufgefahren. Von der ersten Minute an, als eine Granate effektvoll im finnischen Schnee explodiert, wird der Ton vorgegeben: Dies ist keine kleine skandinavische Produktion in TV-Optik, dies ist ein Großprojekt auf Hollywood-Niveau. Alles ist hier groß - die Bilder, die Gefühle, die Action. Am allergrößten war am Ende der Erfolg: Über 1,2 Millionen Besucher haben sich den Film in Norwegen angesehen, bei etwa 4,8 Millionen Einwohnern. Der erfolgreichste norwegische Film aller Zeiten. Davor muss man den Hut ziehen.

Nach dem Prolog an der Front in Finnland (wohin der Film immer wieder kurz zurückblenden wird), springt die Handlung einige Monate vor in den Sommer 1940 nach Oslo, wo der 26-jährige Manus (Aksel Hennie) - angewidert von den deutschen Besatzern - mit ein paar idealistischen Freunden eine Widerstandsgruppe organisiert.

Die Gruppe bringt eine Untergrundzeitung heraus, zunächst scheint alles ein großer Spaß übermütiger Jungspunde zu sein. Das ändert sich, als die Gestapo Manus in seiner Wohnung auflauert. Er rettet sich mit einem Sprung aus dem Fenster und landet schwer verletzt auf dem Asphalt. Damit ist der Grundstein gelegt, auf dem seine spätere Legenden-Bildung aufbauen wird: der mutige, zu allem bereite Kämpfer, der einen Ausweg findet, wenn andere längst aufgeben.

Edel und gut

Er kommt ins Krankenhaus und schafft es mit Hilfe des Personals, vor seinen Nazi-Bewachern zu fliehen. Er flieht nach Schottland, wo er sich einer offiziellen Widerstands-Kompanie anschließt und zum Spezialisten für Sabotage ausbilden lässt. Er kehrt nach Norwegen zurück, versenkt zwei deutsche Schiffe im Hafen Oslos. Von nun an ist Max Manus der Star des Untergrunds.

Es folgen weitere Anschläge, eine Liebesgeschichte, blutige Vergeltungsaktionen der Deutschen, der Verlust von Kameraden, eine Katz- und Mausjagd mit dem örtlichen Gestapo-Offizier (Ken Duken) und immer wieder die quälende Frage, warum er selbst durchkommt, während seine Freunde sterben.

Rønning und Sandberg statten Manus mit ein paar Kanten aus (sein späterer Hang zu Depressionen und Alkoholismus wird immerhin angedeutet), doch sie lassen nie einen Zweifel daran, dass wir es hier mit einer Lichtgestalt zu tun haben. Stets edel und gut sind seine Motive, immer rein ist seine Seele. Auch wenn Manus Selbstzweifel plagen, soll dem Zuschauer klar sein, dass er sie nicht haben müsste.

Das ist legitim, wirkt auf Dauer aber etwas glatt. Wer sonst kaum mit Max Manus vertraut ist, dürfte die bedingungslose Verklärung auf Dauer etwas anstrengend finden, als hätte man eine spannende Biografie mit Fotoshop bearbeitet, um die hellen Stellen noch etwas strahlender zu machen und die dunkleren zu überblenden. Ein paar Fehler bringen einen großen Mann noch nicht zu Fall, sie machen ihn spannender. Und sie hätten einen großen Film zu einem wirklich guten werden lassen können.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. Es heist.....
Alangasi 11.02.2010
Photoshop! Und ausserdem, mit deutschem Mainstream verglichen ist die Figur durchaus zwiespältig.
2. "Auf Dauer" nerven solche Kritiken
joschitura 11.02.2010
Daß ein Film auch beim(norwegischen)Publikum Erfolg hat, ist für den hiesigen Großkritikus schon mal der Beweis, daß er nichts taugt. Also mäkeln wir an diesem und jenem rum - und erklären (eine Lieblingsbeschäftigung deutscher Filmkritiker!)dem Regisseur seinen Film. Max Manus ist eine handwerklich saubere Arbeit mit durchaus differenzierter Sicht, allemal besser als Hollywood-Schmonzes à la Operation Walküre. Also warum kann SpOn nicht eine fundierte, sachkundige Besprechung bringen statt diesem lustlosen Erlebnisaufsatz ? (Zugegeben: im Original wirkt der Film authentischer als in der deutschen Fassung mit ihren charakterlos-glatten Synchronstimmen) Zum Stil des Autors: Im letzten Absatz zweimal "auf Dauer" - sowas nervt. Und zwar auf Dauer...
3. .
Haio Forler 11.02.2010
Zitat von joschituraDaß ein Film auch beim(norwegischen)Publikum Erfolg hat, ist für den hiesigen Großkritikus schon mal der Beweis, daß er nichts taugt.
Hat er das so gesagt? ich denke, es gibt auch finnische Kritiken, die ähnlich lauten. Aber seien wir doch frh. daß es endlich mal wieder Nazi-Filme gibt; ich dachte schon, die laufen nicht mehr ... man hörte ja tagelang nichts.
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