Holger Speckhahn "Ich finde mich ziemlich furchtbar"

In dem deutschen Teenie-Schocker "Anatomie" versucht sich der Moderator Holger Speckhahn an der Seite von Franka Potente erstmals als Schauspieler. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erzählt er von seinen Anfangsschwierigkeiten, seine Funktion als Publikumsfänger und über Sex auf dem Seziertisch.

Von Manfred Müller


Holger Speckhahn und Franka Potente bei der Premiere von "Anatomie" in München
AP

Holger Speckhahn und Franka Potente bei der Premiere von "Anatomie" in München

SPIEGEL ONLINE:

Herr Speckhahn, vom Calvin-Klein-Model zum Filmstar, da denkt man immer noch zuerst an Marc Wahlberg, soll sich das jetzt ändern?

Speckhahn: Sagen wir mal so, ich bin kein Schauspieler. Das war für mich ein Experiment. Ich habe etwas probiert, aber ich will jetzt nicht ausschließlich Filme machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist das Experiment aus persönlicher Sicht denn ausgefallen?

Speckhahn: Wenn ich ganz ehrlich bin, ich finde mich ziemlich furchtbar. Ich kenne mich ja bislang nur aus dem Fernsehen, das ist nur eine kleine viereckige Kiste. Als ich zur Premiere im Kino saß, war ich ziemlich erschrocken. Da ist alles zehnmal so groß.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam es überhaupt zu diesem Versuch?

Speckhahn: Der Regisseur Stefan Ruzowitzky hat mich auf MTV gesehen und mir dann das Buch geschickt. Ich musste ihn dann einfach treffen, weil ich die Geschichte so spannend fand.

SPIEGEL ONLINE: Ging es bei der Besetzung um Sie oder um Ihr Publikum, das Sie quasi als Kapital einbringen?

Speckhahn: Ich bin fest davon überzeugt, dass man mich deswegen besetzt hat. Oder sagen wir, deswegen wird man angesprochen. Aber man muss ja dann trotzdem noch ein Casting machen. Meine Prominenz interessiert den Produzenten, dem Regisseur ist das egal, der will einen guten Film machen.

Holger Speckhahn und Anna Loos auf dem Weg zum Seziertisch
Columbia Tri-Star

Holger Speckhahn und Anna Loos auf dem Weg zum Seziertisch

SPIEGEL ONLINE: Ein Fernsehmoderator wird Schauspieler, die Schauspielerin Anna Loos singt einen Song zum Abspann, der jetzt als Single veröffentlicht wird, liegt das im allgemeinen Trend der Cross-Promotion?

Speckhahn: Die Single von Anna Loos ist nur durch Zufall da reingekommen. Wir haben ja diese Sexszene auf dem Seziertisch, und dazu wollten wir irgendeine Musik wie "Come With Me" von Puff Daddy laufen lassen, einfach um in eine etwas aggressivere Stimmung zu kommen. Das ist ja schon eine heikle Sache, so auf dem Seziertisch. Dann legte Anna ihre CD ein.

SPIEGEL ONLINE: Und dann ging die Post ab zwischen Ihnen?

Speckhahn: Den Song find ich schon total auf den Punkt. Aber erst mal ist es ganz interessant festzustellen, ob einen das überhaupt erregt, was da passiert.

SPIEGEL ONLINE: Das traut man sich als seriöser Journalist natürlich kaum zu fragen.

Speckhahn: Aber man selber fragt sich das. Mich hat es überhaupt nicht erregt. Obwohl Anna ja bestimmt eine hübsche Frau ist. Aber es sind da so viele Leute im Raum. Und gerade ich als Debütant hatte den ganzen Tag Schiss davor. Man steht morgens auf und weiß, ich muss heute eine ziemlich lange Sexszene drehen, und man fühlt sich gar nicht wohl dabei.

SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht ein generelles Problem, wenn man nicht auf ein erlerntes handwerkliches Rüstzeug zurückgreifen kann?

Speckhahn: Ansonsten ging das. Ich konnte immer Benno (Fürmann) oder Franka (Potente) fragen und habe ihnen vorgespielt, wie ich etwas machen wollte. Aber bei einer Sexszene kann ich schlecht zu Franka gehen und sagen, komm wir machen mal und du sagst mir, wie das war.

SPIEGEL ONLINE: Da muss dann der persönliche Erfahrungsschatz herhalten.

Speckhahn: Man bringt schon Dinge ein, die man sonst auch macht. Aber es ist trotzdem schwer, weil man sich in diese konkrete Situation im Anatomiesaal gar nicht hineinversetzen kann.

SPIEGEL ONLINE: Dieser Phil, den Sie spielen, ist ein ziemlicher Versager. Vielleicht mag man sich damit im entscheidenden Moment auch nicht so gern identifizieren?

Speckhahn: Ich glaube, jeder hat schon mal erlebt, dass eine Situation völlig aus dem Ruder laufen kann, dass einem etwas peinlich ist und man sich das nicht anmerken lassen will. Es gibt zu jeder Schauspielszene irgendwas, das man selber schon mal erlebt hat. Und ich glaube, jedem ist schon mal eine Peinlichkeit beim Sex passiert.



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