Hollywood-Legende Spiel's noch einmal, Bogie!

Heute vor 50 Jahren starb der Hollywood-Schauspieler Humphrey Bogart. Seine Rollen als harter Bursche mit Schlapphut und Trenchcoat machten ihn weltberühmt, doch hinter der zynischen Fassade verbarg sich ein Mensch, dem Überzeugungen stets wichtiger waren als Karriere.


Berlin - Humphrey Bogart mag nur 1,67 Meter groß gewesen sein und manchmal Plateauschuhe gebraucht haben, um von seinen Filmpartnerinnen nicht überragt zu werden. In punkto charakterlicher Größe suchte die Hollywoodlegende jedoch ihresgleichen.

Humphrey DeForest Bogart kam am 25. Dezember 1899 in New York als Sohn eines Chirurgen und einer Illustratorin zur Welt. Gegen dieses "Glückslos in der Geburtslotterie" habe sein Vater scheinbar unablässig rebelliert, schreibt sein Sohn Stephen Bogart im Vorwort des kürzlich erschienenen Buchs "Bogart" von Richard Schickel und George Perry. "Er hielt sich nicht für besser als irgendjemand sonst, und so lebte er auch."

Nach seinem Dienst in der Kriegsmarine leitete Bogart Anfang der zwanziger Jahre eine Theaterkompanie und übernahm erste Nebenrollen. Der Durchbruch gelang ihm 1934 als Mörder in "Der versteinerte Wald" ("The Petrified Forest"). Zwei Jahre später gab er in der Verfilmung des Stücks sein Kinodebüt.

Bogart zog nach Los Angeles und drehte in nur zwei Jahren ein Dutzend Filme für Warner Bros., in denen er meist den Gangster gab. Die Chance, sein wahres Talent zu beweisen, kam 1941 mit dem Film noir schlechthin: John Hustons Regiedebüt "Der Malteser Falke" ("The Maltese Falcon"). Mit Trenchcoat und Schlapphut verkörpert "Bogie", wie Fans ihn nennen, als Detektiv Sam Spade bis heute den Privatschnüffler par excellence.

Diesem Outfit blieb er ein Jahr später auch in seinem größten Leinwanderfolg "Casablanca" treu. Was als Routineproduktion während des Kriegs begonnen hatte, wurde bei der Oscar-Verleihung 1943 als bester Film ausgezeichnet, und noch heute gilt die unglückliche Romanze zwischen dem Barbesitzer Rick und der Widerstandskämpferin Ilsa (Ingrid Bergmann) vielen als größter Liebesfilm aller Zeiten.

Bogart und Bacall

Bogarts eigene größte Liebesgeschichte begann 1944 bei den Dreharbeiten zur Ernest-Hemingway-Verfilmung "Haben und Nichthaben" ("To Have and Have Not"). Zwischen Bogart und der erst 19-jährigen Kinodebütantin Lauren Bacall flogen unübersehbar die Funken. Im Mai 1945 wurde die 24 Jahre jüngere Schönheit die vierte Mrs. Bogart. Das Paar bekam den Sohn Stephen und die Tochter Leslie.

Bogart und Bacall verbanden aber nicht nur Karriere und Anziehungskraft, sondern auch die politische Überzeugung. Mit dem Regisseur Huston und weiteren Kollegen marschierten sie noch vor der Hetze des Senators Joseph McCarthy nach Washington, um gegen die Diskriminierung von Kommunisten in der Filmbranche zu protestieren. "Er setzte seinen Ruf aufs Spiel, seine Karriere, alles. Aber er trat ein für seine Überzeugung, gegen die herrschende Hysterie", erinnerte sich Bogarts Sohn Stephen.

Auch im Rahmen seiner eigenen Karriere trat einer der bestbezahlten Schauspieler für seine Überzeugungen ein. Da ihm die Rollenangebote des Studiosystems zu anspruchslos erschienen, gründete Bogart als einer der ersten Hollywoodstars seine eigene Produktionsfirma. Unter dem Dach von Santana Productions entstand auch "African Queen". Das Drama mit Katharine Hepburn bescherte Bogart 1952 seinen einzigen Oscar als bester Hauptdarsteller.

"Eine gewisse Wahrhaftigkeit"

Angeblich soll Bogart es danach bewusst darauf angesetzt haben, keinen weiteren Oscar zu gewinnen, um nicht der Gier nach dem begehrtesten Preis der Filmbranche zu erliegen. Ein Vorhaben, das beinahe gescheitert wäre, als er 1955 für "Die Caine war ihr Schicksal" (The Caine Mutiny") erneut nominiert wurde (seine erste Oscar-Nominierung hatte er für "Casablanca" erhalten). Zu Bogarts letzten Filmen zählten auch Billy Wilders Komödie "Sabrina" mit Audrey Hepburn und "Die barfüßige Gräfin" ("The Barefott Contessa") an der Seite von Ava Gardner. Sein letzter Film war das Boxpromoter-Drama "Schmutziger Lorbeer" ("The Harder They Fall") von 1956.

Im Alter von nur 57 Jahren starb Humphrey Bogart in den frühen Morgenstunden des 14. Januar 1957. Die Ausbreitung seines Speiseröhren-Krebses war auch durch eine Operation nicht aufzuhalten gewesen.

Die vergleichsweise kurzen zwei Jahrzehnte, in denen Bogart dem Kino seinen Stempel aufdrückte, taten seinem Status als einem der herausragendsten Mimen Hollywoods keinen Abbruch. 1999 ernannte ihn das American Film Institute zum größten männlichen Star aller Zeiten.

"Die Art, wie er sein Leben lebte, hatte einfach eine gewisse Wahrhaftigkeit. Das ganze Konzept des 'Filmstars' war ihm zuwider", beschreibt Stephen Bogart die Haltung seines Vaters, bei dessen Tod er acht Jahre alt war. Sein guter Freund John Huston habe es treffend zusammengefasst, als er sagte: "Einen wie ihn wird es nie wieder geben."

Nina Jerzy, ddp


Bildband "Bogart" von George Perry und Richard Schickel; Collection Rolf Heyne 2006; 192 Seiten, 35 Euro



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