Hollywood-Legenden Als Stalin John Wayne ermorden lassen wollte

Die amerikanische Hollywood-Ikone John Wayne, ein überzeugter Antikommunist, war in den fünfziger Jahren offenbar mehrmals Ziel sowjetischer Attentatsversuche. Ein neues Buch über den Schauspieler erzählt von entsprechenden Plänen des einstigen Sowjet-Diktators Josef Stalin.


Schauspieler Wayne in Vietnam (1966): Resistenter Mythos
USO

Schauspieler Wayne in Vietnam (1966): Resistenter Mythos

London - Offenbar war Stalin so erbost über den offen zur Schau getragenen Anti-Kommunismus des westlichen Filmstars, dass er ausführlich plante, Wayne ermorden zu lassen. Zu diesen Erkenntnissen gelangt der britische Schauspieler und Autor Michael Munn in seinem jüngst erschienenen Buch "John Wayne - The Man Behind The Myth". Laut Munn habe es in den vierziger und fünfziger Jahren gleich mehrere Attentatsversuche gegeben, die das Ziel hatten, den berühmten Westernheld mit dem Spitznamen "Duke" zu beseitigen.

In einem ersten Versuch drangen zwei russische Attentäter in Waynes Büro auf dem Gelände des Hollywood-Studios Warner Bros. ein, die sich als FBI-Agenten getarnt hatten. Doch, so schildert es Munn, das Attentat misslang, da die Meuchelmörder frühzeitig entdeckt und festgenommen wurden. Der Autor belegt seine Ausführungen mit zahlreichen Augenzeugenberichten, darunter auch Regisseur Orson Welles.

Munn erklärt, dass die Mordversuche nach Stalins Tod 1953 eingestellt wurden. Nachfolger Chruschtschow war nämlich ein großer Fan des 1907 als Marion Morrisons geborenen Filmstars, der mit seinen Western-Darstellungen zur überlebensgroßen Ikone wurde. "Das war eine Entscheidung, die Stalin in seinen fünf verrückten Jahren getroffen hatte", zitiert Munn den Sowjet-Führer aus einem angeblich mit Wayne geführten Privatgespräch von 1958. Als Stalin starb, so Chruschtschow weiter, habe er die Order, den konservativen Schauspieler ermorden zu lassen, zurückgezogen.

Doch auch trotz des beherzten Einsatzes des Politikers schwebte Wayne in Lebensgefahr. Amerikanische Kommunisten-Gruppen hielten laut Munn nichts von der aus Moskau verordneten Perestroika und fuhren fort, den ambitionierten Unterstützer des in den fünfziger Jahren umstrittenen Kommunistenjägers Senator McCarthy zu attackieren. Laut Munn verübten sie 1953 ein weiteres Attentat auf Wayne bei den Dreharbeiten zu dem Western "Hondo", das ebenfalls misslang.

Bis zu seinem Krebstod 1979 erwies sich der hünenhafte Mime, der in seiner Karriere mehr als 100 Filme drehte, ohnehin als äußerst resistent. Auch einer Heckenschützenattacke bei einem Truppenbesuch in Vietnam entging der Kriegsbefürworter 1966 unbeschadet.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.