Hollywood-Star Dustin Hoffman: "Ich denke ständig an Sex und Tod"

Jetzt ist er schon 243 Jahre alt - allerdings nur im Film. Im Interview erzählt Dustin Hoffman von seiner neuen Rolle als skurriler Methusalem und erklärt, warum Sex und Schokolade genauso wenig zueinander passen wie gutes Kino und Mega-Studios.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hoffman ...

Hoffman: Warten Sie! Die Fernsehinterviews habe ich endlich hinter mir, jetzt beginnt der Spaß! Was darf ich Ihnen bestellen? Bier? Oder Rotwein?

SPIEGEL ONLINE: Rotwein, bitte.

Hoffman: Gern! Wissen Sie, es gibt ja ein paar Konstanten im Leben. Ich meine damit Dinge, an die wir glauben, wenn wir zehn Jahre alt sind und die noch gelten, wenn wir 60 sind. Und eine dieser Konstanten in meinem Leben ist die Tatsache, dass ich mich nie gelangweilt habe. Trotz aller Fernsehinterviews. War ich deprimiert? Ja, zeitweilig sogar sehr! Aber ich habe mich nie gelangweilt.

SPIEGEL ONLINE: Wann sind Sie denn gewöhnlich deprimiert?

Hoffman: Meine Depressionen kommen und gehen. Aber ich denke, Depressionen zu haben, ist ein normaler Gemütszustand. Zumindest ist es normaler, unter Depressionen zu leiden, als keine zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind also ein pathologischer Fall?

Hoffman: Nein, ich glaube nicht. Meine Depressionen sind eher alltäglicher Art. Ein Tag wird ja nie so, wie man ihn sich ausmalt. Das ist eine Lektion, die man lernen muss. Alle sagen: Geh hinaus in die Welt, es wird fantastisch! Und dann finden wir die Welt vor, wie sie ist. Aber, auch wenn ich mich wiederhole: Ich habe mich nie gelangweilt!

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem neuen Film "Mr. Magoriums Wunderladen" spielen Sie den Besitzer eines magischen Spielzeugladens. Da kann ja gar keine Langeweile aufkommen.

Hoffman: Vor der Kamera habe ich mich noch nie gelangweilt. Es gibt höchstens Kollegen, die öde sind.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie Ladenbesitzer wären, was würden Sie verkaufen?

Hoffman: Woran hatten Sie denn gedacht?

SPIEGEL ONLINE: Erotische Literatur vielleicht?

Hoffman: Eher nicht. Und Ladenbesitzer möchte ich eigentlich auch nicht sein. Diese Vorstellung deprimiert mich wirklich. Gott, wäre das langweilig!

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon einmal etwas verkauft außer sich selbst?

Hoffman: Ja, als arbeitsloser Schauspieler habe ich Spielzeug verkauft.

SPIEGEL ONLINE: Wo denn?

Hoffman: Kennen Sie das Kaufhaus Macy's? Die hatten zu Weihnachten für drei Wochen Spielzeug. Na ja, und ich habe versucht das Beste daraus zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt?

Hoffman: Ich habe behauptet, ich sei eine Art Tischhockey-Champion und habe Kunden zu einem Match herausgefordert. Einige der Kinder waren verdammt gut. Die haben mich jedes Mal in Grund und Boden gespielt. Um die ganze Sache illusterer zu gestalten, ließ ich mich später mit einem kleinen Mikrophon ausstatten. Dazu sprach ich mit falschem französischem Akzent. So konnte ich meine Gegner aus dem Konzept bringen. Ich konnte ja kein einziges Wort Französisch! Aber irgendwann war ich darin so gut, dass sogar Franzosen zu mir kamen, um mich etwas zu fragen!

SPIEGEL ONLINE: Und dann flog der Schwindel auf?

Hoffman: Ich antwortete immer nur: Ich will meine Muttersprache nicht benutzen. Ich will Englisch lernen! Ich habe schon damals versucht, bei jeder Gelegenheit, so viel als möglich zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie denn das letzte Mal in einem Laden gestohlen?

Hoffman: Gestern. Ehrlich! Okay, nein, ich bin kein Ladendieb. Aber wissen Sie, wo ich in Versuchung gerate? In Hotels. Am liebsten klaue ich schöne Seife. Meine Frau zieht mich schon auf: "Dustin, all die Seife, die du immer anschleppst! Und du benutzt sie nie!" Aber ich bin nun einmal ein Schauspieler. Und ein Stück Seife war für mich früher so teuer, dass ich es mir nicht leisten konnte. Das werde ich nie vergessen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben als mittelloser Schauspieler in New York nie gestohlen?

Hoffman: Komischerweise nie. Ich weiß auch nicht, was da bei mir verkehrt lief. Aber da wir beim Thema Ladendiebstahl sind. Meine Frau hat ja früher Kleidung im San Fernando Valley verkauft, auf dem Ventura Boulevard. Leider kann ich Ihnen nicht den Namen nennen, aber eine sehr bekannte Schauspielerin hat regelmäßig in jedem Shop im Viertel gestohlen. Und alle ließen sie gewähren!

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