Mit leicht gequältem Lächeln empfängt Hugh Grant in einem Salon eines Berliner Luxushotels zum Interview. Noch bevor die erste Frage gestellt ist, bedeutet der 49-Jährige mit erhobenem Zeigefinger, zu warten; er leert eine kleine Flasche Wasser in einem Zug, macht sich dann über einen Berg von Sandwiches her, die gerade frisch angerichtet und auf einem silbernen Tablett serviert wurden. Nach dem vierten Bissen erneut ein erhobener Zeigefinger, der signalisiert: Kann losgehen.
Hugh Grant: Eine harte Nacht. Ich habe viel Schnaps getrunken.
SPIEGEL ONLINE: Ach was.
Grant: Ja, und ich bereue das bitterlich.
SPIEGEL ONLINE: Wo sind Sie denn abgestürzt?
Grant: Im Grill Royal.
SPIEGEL ONLINE: In dem Berliner Society-Lokal, natürlich. Hat's Ihnen gefallen?
Grant: Das Restaurant oder der Schnaps?
SPIEGEL ONLINE: Beides.
Grant: Ich habe das Restaurant geliebt. Und den Schnaps auch. Zu sehr.
SPIEGEL ONLINE: Wenn man der Boulevardpresse glauben darf, feiern Sie ja gerne mal. Außerdem sind Sie gut beschäftigt als Schauspieler - und versuchen sich dem Vernehmen nach als Autor eines Romans. Wie wollen Sie das denn noch schaffen? Auf welcher Seite sind Sie denn jetzt?
Grant: Böse Frage. Ich komme gar nicht weiter.
SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet?
Grant: Ich bin immer noch auf Seite 60 und habe den Roman seit einem Jahr nicht angefasst - bis auf gestern. Ich war in meiner alten Wohnung - wo ich schreibe - und habe ihn gelesen. Und ich mochte ihn! Das ist mein einziger Fortschritt: Ich mag ihn.
SPIEGEL ONLINE: Warum gibt's sonst keinen?
Grant: Aus purer Faulheit. Und aus Angst davor, zu versagen. Ich fürchte mich davor, nicht mehr schreiben zu können. Lächerlich! Wenn es vor zwei Jahren ging, warum sollte ich es jetzt nicht mehr können?
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie enttäuscht von sich selbst?
Grant: Ja, das bin ich. Ich bin von mir selbst sogar angewidert.
SPIEGEL ONLINE: Klingt sehr selbstkritisch. Arbeiten Sie an sich selbst?
Grant: Ich mache Vorsätze. Dieses Jahr muss ich mich wirklich zusammenreißen.
SPIEGEL ONLINE: Geben Sie doch endlich die Schauspielerei auf. Sie haben schließlich mehrfach wissen lassen, dass sie den Job gar nicht mögen. Warum bleiben Sie überhaupt dabei?
Grant: Aus Faulheit und Furcht vor Leere. Wenn etwas Zeit nach dem letzten Film verstrichen ist und ich dann ein gutes Skript bekomme, denke ich, nun, vielleicht mache ich das einfach. Ein Projekt zu haben ist einfach ziemlich nett. Du fühlst dich augenblicklich als besserer Mensch, wenn du beschäftigt bist. Sobald ich einen Vertrag unterschrieben habe, bin ich unglaublich energisch, fokussiert und bleibe das auch für ein Jahr. Ich kümmere mich um alles ein bisschen, die Entwicklung des Drehbuchs, das Casting, sogar den Vertrieb; ich weiß sogar, wie das Filmplakat in Japan aussieht. Ich bin gerne Teil eines Projekts, ich mag diesen Fokus. Und ich mag Teamwork.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht sollte Ihnen jemand bei Ihrem Roman unter die Arme greifen?
Grant: Niemand kann beim Schreiben eines Romans behilflich sein. Aber gemeinsam ein Drehbuch zu schreiben wäre sicherlich eine wundervolle Sache.
SPIEGEL ONLINE: Hat eigentlich jemand Ihre ersten 60 Seiten gelesen?
Grant: Ja.
SPIEGEL ONLINE: Verraten Sie mir auch, wer?
Grant: Meine Ex-Freundin. Ich habe sie ihr vorgelesen.
SPIEGEL ONLINE: Mochte Sie Ihren Text?
Grant: Ja. Entweder das - oder sie ist eine brillante Schauspielerin. Aber ich hoffe, sie mag ihn wirklich. Sie hat gelacht.
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