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Hollywood-Star Jamie Lee Curtis: Rückzug vom Filmgeschäft

Über 40 und Schauspielerin in Hollywood? Das ist anstrengend, wenn nicht unmöglich. So sieht es jedenfalls Jamie Lee Curtis ("Ein Fisch namens Wanda") - und kündigt das Ende ihrer Filmkarriere an.

Hollywood-Star Jamie Lee Curtis (2004): "Darf ich nicht altern?"
AP

Hollywood-Star Jamie Lee Curtis (2004): "Darf ich nicht altern?"

In den achtziger Jahren erhielt sie den Beinamen "The Body" - sie galt als Prototyp einer dynamischen, erfolgsbewussten Weiblichkeit. Zuletzt ironisierte Jamie Lee Curtis ihr eigenes Rollen- und Erscheinungsbild in der Körpertauschkomödie "Freaky Friday" (2003). Hier spielte die Tochter von Hollywood-Legende Tony Curtis und "Psycho"-Darstellerin Janet Leigh eine Mittvierzigerin, in deren Körper plötzlich eine 15-Jährige steckt.

Wenn Stars plötzlich alt aussehen

War "Freaky Friday" auch ein Publikumserfolg, der humorvoll Jugendwahn und Schönheitszwänge aufs Korn nahm - Curtis will keine Filme mehr drehen. "Ich wollte immer mit Würde abtreten, und jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen", erklärte die 46-Jährige der "Financial Times Deutschland" (Mittwochsausgabe). Die Komödie "Verrückte Weihnachten", die am kommenden Donnerstag in Deutschland startet, sei ihr letzter Film.

Für ihren überraschenden Rückzug vom Filmgeschäft macht die Schauspielerin, die sowohl im Charakterfach als auch in marktgängigem Genrekino überzeugte, die Fixierung Hollywoods auf Äußerlichkeiten verantwortlich. Etliche Stars jagten ihrer verlorenen Jugend und ihrem vergangenen Ruhm nach, was tragisch sei, so Curtis.

Darstellerin Curtis im Horrorfilm "Halloween H20": Der Schrecken des Alterns, made in Hollywood
AP

Darstellerin Curtis im Horrorfilm "Halloween H20": Der Schrecken des Alterns, made in Hollywood

Vor allem das rigide Schönheitsgebot, das Darstellerinnen massiv unter Druck setzt, wurde von der Darstellerin scharf kritisiert. "Ich bin 46 Jahre alt, mein Körper hat sich verändert", sagte Curtis. "Lebe ich in einer Gesellschaft, in der man nicht mehr altern darf? Das kann doch nicht sein!" Curtis wolle nicht Opfer dieses Trends werden. Sie schätze es, älter zu werden. "Ich habe gelernt, mich so zu akzeptieren wie ich bin."

Dass sie es ernst meint mit der Absage an repressive Schönheitsklischees, bewies Curtis bereits im Sommer 2002: Damals posierte sie in der Zeitschrift "More" ungeschminkt und zeigte Bauch und Oberschenkel. Die freizügigen Bilder sollten ein kritisches Statement sein und Frauen demonstrieren, dass Hollywood-Stars keinen perfekten Körper haben. Curtis gab seinerzeit auch zu, sich einer Schönheitsoperation unterzogen zu haben; auch das Nervengift Botox, das die Schönheitskosmetik gegen Falten einsetzt, habe sie probiert. Außerdem habe sie sich Fett absaugen lassen. "Nichts davon wirkt", erklärte die Darstellerin.

Der Vierzigste als Horrordatum

Curtis' Rückzug ist symptomatisch für die Lage von Schauspielerinnen jenseits der 40. Sharon Stone, die dieses Jahr in der Rolle eines alternden Models im Blockbuster "Catwoman" ein Comeback feierte, hatte unlängst in der "Welt" gewitzelt: "Als ich 39 war, arbeitete ich wie eine Besessene, und als ich 40 wurde, habe ich es ungeniert allen angekündigt. Offenbar hat man missverstanden, ich hätte Lepra."

Darstellerin Diane Keaton in "Was das Herz begehrt": Heldin des "erwachsenen" Films
Warner Bros.

Darstellerin Diane Keaton in "Was das Herz begehrt": Heldin des "erwachsenen" Films

Tatsächlich ist es um die Karrieren der ehemaligen Filmdiven schlecht bestellt: Melanie Griffith, 47, scheint von der Bildfläche ebenso verschwunden zu sein wie Goldie Hawn, 58, die nur noch als Produzentin tätig ist. Demi Moore, 42, will sich demnächst als Mutter eines ertrunkenen Kindes versuchen - in einem Horrorfilm.

Zwar gibt es ihn immer mal wieder, den "erwachsenen Film" wie "Was das Herz begehrt", in dem sich ein Kinoveteran wie Jack Nicholson in eine ungeliftete Endfünfzigerin verliebt. Zwar schreiben experimentierfreudige Drehbuchautoren Altstars wie Meryl Streep, 55, furiose Rollen auf den Leib ("Adaption) und Regisseure und Produzenten wie die Coen-Brüder verhalfen einer Mittvierzigerin wie Francis McDormand, 47, zur Oscar-Kür. Aber das amerikanische Mainstream-Kino wird zunächst noch bestimmt vom Hunger nach neuen, jungen Stars, die sich als Sexsymbole verwerten lassen.

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