SPIEGEL ONLINE: Bei Ihrem ersten Film waren Sie gerade mal vier Monate alt. Wäre Ihr Vater Lloyd Bridges kein Schauspieler gewesen, hätten Sie diesen Beruf dann auch gewählt?
Bridges: Das Schwierigste im Showbiz ist ja, den Fuß in die Tür zu kriegen. Das hat mein Vater für mich erledigt, klar. Er hat meinen Bruder Beau und mich unglaublich unterstützt. Er liebte das Filmgeschäft und hat seinen Beruf mit größter Freude ausgeübt. Noch heute treffe ich Leute, die mir strahlend erzählen: "Ich habe mal mit Ihrem Vater gearbeitet!" Am Set wirkte seine Begeisterung geradezu ansteckend, die ganze Atmosphäre änderte sich auf einen Schlag! Klar, dass er auch all seine Kinder auf den Geschmack gebracht hat.
SPIEGEL ONLINE: Hat es Sie auch belastet, "der Sohn von" zu sein?
Bridges: Wenn man jung ist, möchte man nicht gemocht werden, nur weil man berühmte Eltern hat. Und man will keine Jobs bekommen, nur weil der Vater einflussreich ist. Man will es alleine schaffen. Damals habe ich mich gefragt, ob ich wirklich schauspielern will. Die Entscheidung, die Schauspielerei wirklich als Beruf zu verfolgen, habe ich eigentlich erst nach zehn oder zwölf Filmen getroffen. Und dann habe ich versucht, meine anderen Interessen wie die Musik da mit einzubringen. Ich bin aber sehr froh, dass ich auf meinen Dad gehört habe.
SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer Website sind wunderbare Fotos vom "Crazy Heart"-Dreh zu sehen. Ein weiteres Talent von Ihnen?
Bridges: Ich bin ein leidenschaftlicher Fotograf und mache auf jedem Set Fotos. Manchmal kommt es mir vor, als sei der eigentliche Film nur ein Souvenir der Erfahrungen, die ich während des Drehs gemacht habe. Die Fotos versetzen mich dann wieder in diese Zeit zurück.
SPIEGEL ONLINE: Früher haben Sie viel mehr Filme gedreht als heute…
Bridges: Als junger Schauspieler habe ich fast jede Rolle angenommen, schon um der Erfahrung willen. Je älter ich geworden bin, desto sorgfältiger habe ich mir die Projekte rausgepickt. Vielleicht bin ich heute sogar zu wählerisch geworden. Es muss einiges zusammenkommen, bis ich mein Herz an einen Film verschenke.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Angst, in eine bestimmte Rollenschublade gesteckt zu werden? Ihr Vater litt darunter.
Bridges: Ich habe bei ihm diesen Frust gesehen: Er wurde als Taucher abgestempelt, weil er in der enorm erfolgreichen Fernsehserie "Sea Hunt" die Hauptrolle spielte. Er war so gut darin, dass viele glaubten, er wäre tatsächlich Taucher. Dabei war er klassisch ausgebildet, hat gesungen, Musicals gespielt. Doch den "Abenteurer unter Wasser" wurde er nicht mehr los. Solche Rollen wurden ihm immer wieder angeboten. Das war die große Enttäuschung seiner Karriere. Ich habe mir das als Lehre genommen und darauf geachtet, keine allzu deutliche Figur zu verkörpern.
SPIEGEL ONLINE: Das ist Ihnen aber mit dem Dude in "The Big Lebowski" dann doch passiert!
Bridges: Ja, ein bisschen. Aber darum hat es viel Spaß gemacht, direkt danach in "Rufmord - Jenseits der Moral" einen Präsidenten zu spielen, das genaue Gegenteil vom Dude.
SPIEGEL ONLINE: Aufgrund dieser Rolle werden Sie als Ikone bezeichnet. Wie erklären Sie, dass der Dude so beliebt ist?
Bridges: Ich weiß es auch nicht. Die Coen-Brüder sind solche Meister, bei ihnen sieht alles immer so einfach aus. Der Film fesselt selbst mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe - und ich habe ihn schon wer weiß wie oft gesehen! Ich schaue mir Filme im Fernsehen nicht gerne an, aber wenn "The Big Lebowski" kommt, dann nehme ich mir vor, nur so lange zu gucken, bis John Turturro den Ball ableckt. Und dann bleibe ich jedes Mal hängen. Dieser Film gehört für mich in dieselbe Klasse wie "Der Pate" - einfach phantastisch!
SPIEGEL ONLINE: Waren Sie mal auf einer der Lebowski-Partys, die von eingefleischten Fans gefeiert werden?
Bridges: Ja, und das war ein ziemlich großer Moment. Ich ging mit meiner Band auf die Bühne und habe vor einem Meer von Dudes gespielt. Wie cool ist das denn? Überall Bowlingkugeln und Dudes. Wild!
Das Interview führte Mariam Schaghaghi
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