Hollywood-Star Matthew McConaughey Der kiffende Patriot

Der texanische Hollywood-Schauspieler Matthew McConaughey liebt amerikanisches Heldentum und geriert sich gern als Patriot. Sein schillernder Lebenswandel verträgt sich allerdings kaum mit dem Image des strammen Konservativen.

Von Rüdiger Sturm


Schauspieler McConaughey: "Just keep living"
AP

Schauspieler McConaughey: "Just keep living"

Der Mann könnte einen Weihnachtsengel spielen: Die großen Augen strahlen wie bei einem Kind, blonde Locken umfassen das rosige Gesicht. Aber wenn Matthew McConaughey zu sprechen beginnt, könnte man glauben, er würde gleich im Irak einmarschieren. Schließlich sagt er Sätze wie "Ich bin ein Patriot, der die Sachen geregelt kriegen will." Oder: "Unser Präsident muss sich wie ein Diktator verhalten."

In letzter Zeit war der 32-jährige Schauspieler eher als sanfte Seele zu sehen, als romantischer Liebhaber ("The Wedding Planner") oder als naiver Protagonist einer Reality-TV-Show ("Ed TV"). Doch jetzt laufen zwei Filme an, die seine martialische Seite offenbaren. Für seinen Part als Drachentöter in "Herrschaft des Feuers" (Start 9. Januar) ließ er sich seine Cherubim-Frisur gleich abrasieren. Um seinen Edelkörper weiter aufzubauen, nahm er auf der heimischen Ranch Kühe in den Schwitzkasten und boxte bis zum Zusammenbruch. Und das machte ihm auch noch richtig Spaß: "Ich hatte endlich das Gefühl, dass ich mein Geld ehrlich verdiene. Sonst musst du als Schauspieler viel zu viel rumsitzen und labern." So erstaunt es nicht, dass er den im Film verkörperten Drachenkiller als "verwandte Seele" empfindet: "Er ist ein großer Amerikaner, der seinen Job erledigt."

McConaughey als Drachentöter in "Reign Of Fire": Kühe im Schwitzkasten
Touchstone Pictures

McConaughey als Drachentöter in "Reign Of Fire": Kühe im Schwitzkasten

Auch in Bill Paxtons Regie-Debüt "Dämonisch" erledigt McConaughey seinen Job. Und was für einen! Mehr davon zu erzählen, hieße allerdings, entscheidende Kniffe der Handlung zu verraten. Nur so viel: Im Mittelpunkt steht ein Familienvater (Bill Paxton), der nach einer Vision beliebige Menschen abschlachtet, weil er sie für Dämonen hält. Zwangsläufig spielt die Handlung im bibelfesten Texas, in dem ein manichäisches Weltbild zur Grundbefindlichkeit gehört. So gesehen müsste sich der nach eigener Aussage "überzeugte Texaner" McConaughey in diesem Film wohlgefühlt haben. Sein Vater hat ihm nicht umsonst holzschnittartige Lebensregeln eingehämmert, notfalls auch mit Gürtelhieben: "Lüg nicht. Sag nie 'Ich kann nicht'. Habe Respekt vor älteren Menschen."

McConaughey in "The Wedding Planner" (mit Jennifer Lopez): Romantischer Liebhaber mit Cherubim-Frisur
DPA

McConaughey in "The Wedding Planner" (mit Jennifer Lopez): Romantischer Liebhaber mit Cherubim-Frisur

Der Filmstar, ein Reaktionär? Ganz so schlicht ist McConaughey dann doch nicht konstruiert. Sonst käme es in seinem Privatleben nicht immer wieder zu jenen viel und oft kolportierten Eskapaden. Vor zwei Jahren quälte er seine Nachbarn um zwei Uhr früh mit lautem Trommeln. Die herbei geholten Polizisten fanden nicht nur ihn im Adamskostüm, sondern auch seine Kiffer-Utensilien, was ihm eine Nacht im Gefängnis einbrachte. Es gibt nicht nur McConaughey, den strammen Konservativen, sondern auch den Backpacker, der wochenlang durch Afrika reist und sich ein Leben als Dschungelführer vorstellen kann. Ist es ein Zufall, dass der erste Kurzfilm, bei dem er Regie führte, "The Rebel" heißt? Oder dass er beim Cowboy-und-Indianer-Spielen stets den Part der Rothaut übernahm? "Ich mochte schon immer Underdogs", erklärt er mit verschmitztem Grinsen.

Auch sein Patriotismus ist zwiespältig: "Du darfst dich nicht vom Rot-Weiß-Blau unserer Fahne blenden lassen, du musst auch Dinge in Frage stellen." Als Beispiel zitiert er Bruce Springsteens Anti-Hymne "Born In The U.S.A." Obwohl sich der offenbar vielschichtige Charakter McConaugheys nicht klar eingrenzen lässt, gibt es doch eine weitere Konstante im Leben des Texas-Helden: Den gemütlichen Kiffer Wooderson, den er in Richard Linklaters "Dazed and Confused" spielte. "Der ist und bleibt ein Teil von mir." Dessen Lieblingssatz machte er auch zum Namen seiner eigenen Produktionsfirma: "Just keep living."

Horror-Film "Dämonisch" (mit McConaughey, Powers Boothe): Manichäisches Weltbild
Kinowelt

Horror-Film "Dämonisch" (mit McConaughey, Powers Boothe): Manichäisches Weltbild

So ist Matthew McConaughey trotz seiner forschen Parolen ein Typ, der auch leben lässt - egal wie. Denn er hat wohl instinktiv begriffen, dass man die menschliche Existenz nicht in eindeutige Formeln und Prinzipien pressen kann. Seine Eltern ließen sich zweimal scheiden, um einander immer wieder neu zu heiraten. 1996 wurde er mit seiner ersten großen Hauptrolle in der Grisham-Verfilmung "Die Jury" zu Hollywoods neuem Jungstar ausgerufen, obwohl er sich gar nicht danach fühlte: "Das hat mich eine Zeitlang richtig aus der Balance gebracht."

Wie jeder Patriot hat auch er seine eigene Vision des Amerikanischen Traums. Doch er hat gelernt, dass "man dafür auch einen Preis bezahlen muss". Als Propagandaredner für George W. Bush wäre er daher vermutlich ungeeignet. Und es darf bezweifelt werden, ob er freiwillig in einen Irakkrieg ziehen würde. Denn ein Tod von menschlicher Hand ist ihm zuwider: "Ich möchte lieber von einem wilden Tier in Afrika gefressen werden. Dann wäre ich Teil der Nahrungskette und Teil des Lebens."



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