Hollywood Supermans Schockwellen

Das Hollywood-Studio Warner Bros. wollte einfach nur einen neuen Comic-Film machen. Das Resultat: Machtkämpfe in der Chefetage, Produktionschaos und eine erboste Filmcrew.

Von Rüdiger Sturm


Superman-Emblem: Klingende Kassen für Hollywood
GMS

Superman-Emblem: Klingende Kassen für Hollywood

Die Planung eines Films liegt irgendwo zwischen Lotterie und schamanischer Beschwörung. Doch was sich in diesem Sommer in der Produktionsabteilung von Warner Bros. abspielte, erinnert eher an eine atomare Kettenreaktion. Am Ende nahm ein Studiochef seinen Hut, ein genialischer Jungregisseur verlor sein Projekt und ein Held mit Fledermausohren seine Chance auf ein Comeback.

Schuld daran ist ein Mann aus Stahl. Am 8. Juli sah die Welt noch friedlich und geordnet aus. Stolz kündigte das Studio die Monsterproduktion "Batman vs. Superman" an. Regisseur Wolfgang Petersen sollte im Februar mit den Dreharbeiten beginnen. Während dessen steckte Filmemacher Darren Aronofsky ("Requiem For A Dream") mitten in den Vorbereitungen für seinen extravaganten Science-Fiction-Film "The Fountain". Eine Crew war bereits angeheuert, Studiobühnen in Australien gebucht. Sein Star Brad Pitt ließ sich sogar den für die Rolle nötigen Bart stehen - ein eindeutiger Loyalitätsbeweis.

Schauspieler Cage: Fast ein Superman
AP

Schauspieler Cage: Fast ein Superman

Doch hinter den Kulissen rumorte es. Denn Warner Bros. konnte an Superhelden nicht genug kriegen. Zwischen 1978 und 1987 hatte man die "Superman"-Filme mit Christopher Reeve herausgebracht; seit 1995 gab es verschiedene Versuche, den Comic-Heros aus dem Kryptonit-Koma zu erwecken. Zeitweise waren Tim Burton für die Regie und Nicolas Cage für die Titelrolle gebucht. Doch erst in diesem Jahr war es endlich soweit: Autor J.J. Abrams, der sich in den USA mit verschiedenen TV-Serien einen Namen gemacht hatte, legte ein Skript vor, wie es sich das Studio erträumt hatte: episch, familienfreundlich und ausbaufähig zu einer Trilogie.

Das Timing indes hätte nicht schlechter sein können. Denn Warner Bros. hatte sich inzwischen für das Duell zwischen den beiden Superhelden erwärmt. In "Batman vs. Superman" stirbt die Verlobte des Fledermausmannes, der dafür Superman die Schuld gibt und einen Rachefeldzug startet - eine für Hollywood-Verhältnis ziemlich düstere Geschichte, die vor allem Studiochef Lorenzo di Bonaventura begeisterte. In einem Meeting mit J.J. Abrams und seinem Produzenten Jon Peters erklärte er, dass ihr Superman-Film erst nach der Petersen-Produktion in die Kinos kommen solle. "J.J. Abrams war völlig empört", wie sich Peters erinnert. Er sagte: "Das wäre so, als wollte man Harry und Sallys Scheidung vor 'Harry und Sally' starten."

Christopher Reeve als Superman (in "Superman IV", 1987): Erfolgreich in den Achtzigern
Kabel1

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Peters hatte einiges zu verlieren. In den achtziger Jahren hatte der Ex-Coiffeur von Barbra Streisand mit Filmen wie "Batman" und "Rain Man" eine kometenhafte Produzenten-Karriere erlebt, bevor er als Studiochef von Sony scheiterte. Nach Flops wie "Wild Wild West" brauchte er dringend ein Ticket zurück ins Blockbuster-Terrain.

Doch zum Glück gab es noch Bonaventuras Partner Alan Horn. Und der hatte nicht nur ein gespanntes Verhältnis zu seinem Kompagnon, sondern war auch auf Seiten der Supermänner. Für ihn lautete die Frage nicht: "Was ist der bessere Film", sondern "Was liegt im Interesse der Firma"? Die sollten zehn Manager aus verschiedenen Abteilungen, darunter Marketing und Merchandising, beantworten. Angeblich ohne die Meinung ihrer Vorgesetzten zu kennen, bekamen sie Ende Juli die Drehbücher der beiden Konkurrenz-Projekte zu lesen. Ihr Urteil war beinah einstimmig: Im Alleingang bot der Sprössling Kryptons die besten Chancen auf den großen Reibach.

Sofort wurde die Ampel für die Super-Streithähne auf Rot geschaltet. Regisseur Wolfgang Petersen konnte es leicht verwinden. Mit dem Antike-Epos "Troy" hatte er noch ein anderes Projekt im Rennen, das im Gegenzug grünes Licht erhielt. Offiziell wurde "Batman vs. Superman" nur aufgeschoben, aber ob in zwei Jahren noch jemand daran interessiert ist, bleibt zu bezweifeln.

Regisseur Petersen: Trojanischer Krieg statt Superhelden-Duell
DPA

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Für Lorenzo di Bonaventura dagegen hatte die Entscheidung drastische Konsequenzen. Offenbar der internen Kabbeleien müde, legte er Anfang September seinen Posten nieder und machte sich als Produzent selbstständig. "Superman" wurde mit Regisseur Brett Ratner ("Roter Drache") auf die Schnellspur geschoben.

Der eigentliche Leidtragende des Skript-Shootouts hieß jedoch Darren Aronofsky. Trotz monumentaler Schlachtenszenen war sein "Fountain" eher ein psychedelischer Trip denn ein leicht verdaulicher SciFi-Knaller. Brad Pitts Beteiligung war der wichtigste Faktor, der die Geldgeber ruhig stellte. Aber sein Star mäkelte zunehmend am Skript herum. Und dann verlor Aronofsky mit di Bonaventura auch noch seinen größten Beschützer auf Studioseite. Im September dann die Hiobsbotschaft: Pitt ließ sich als Achill für Petersens trojanischen Krieg rekrutieren, die Geldquellen der "Fountain" wurden abgedreht. Die Crew durfte nach Hause gehen - nicht ohne vorher einen wütenden Brief an Pitt im Internet zu platzieren.

Doch Hollywood wäre nicht Hollywood, böte es nicht eine Chance auf ein Happy End. Denn Aronofsky entwickelte parallel auch noch ein Batman-Projekt für Warner, das gegen die doppelte Konkurrenz keine Chance gehabt hätte. Doch jetzt gibt es andere Perspektiven. Denn sein "Batman: Year One" wird von keinem anderen betreut als Lorenzo di Bonaventura. Der will es angeblich zur Debütproduktion seiner eigenen Firma machen. Und wer wäre der Geldgeber? Natürlich Warner Bros.

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