Horrorfilm "Drag Me To Hell" Zu Besuch in der Blut-Bank

Was für eine Sauerei! Und wie viel Spaß sie macht! Mit "Drag Me To Hell" kehrt Horrorspezialist Sam Raimi zu seinen Wurzeln zurück - und präsentiert ausgerechnet eine Jung-Bankerin als Heldin eines amüsant-blutigen Gruselschockers.


Zurück zum Wackelpudding - so ließe sich "Drag Me To Hell" überschreiben. Denn Sam Raimis furioses Comeback als Horrorregisseur präsentiert auch die Rückkehr des knallbunten Glibbers: Der spritzt in dieser Film gewordenen Geisterbahn in verschiedensten Formen und Farben durch die Gegend und steht stellvertretend für das skrupelloseste Vergnügen am Schrecken seit Raimis eigener, epochemachender "Evil Dead"-Trilogie.

Deren erster Teil war 1981 das Debüt des Filmemachers aus Michigan und wurde hierzulande unter dem Titel "Tanz der Teufel" berühmt, berüchtigt - und lange Zeit beschlagnahmt. Heute hingegen gilt der Plaste- und Elaste-Schocker um versehentlich heraufbeschworene Dämonen als innovativer Klassiker.

Ähnliche Nehmerqualitäten wie damals der Kettensägen schwingende Supermarktangestellte Ash, der Held aus "Tanz der Teufel", muss nun auch Raimis Heroine Christine Brown (Alison Lohman) beweisen. In "Drag Me To Hell" tritt sie gegen übernatürliche Quälgeister an.

Um ihren Vorgesetzten zu beeindrucken, verweigert die Bankangestellte aus Los Angeles der verarmten Mrs. Ganush (Lorna Raver) eine weitere Zahlungsfrist, was für die verwahrloste Rentnerin den Verlust ihres Hauses bedeutet. Statt der erhofften Beförderung bekommt Christine jedoch von Ganush einen Fluch verpasst, der dem Begriff "Bad Bank" eine ganz neue Bedeutung gibt.

Denn postwendend wird Christine zum Ziel satanischer Attacken, und während ihr skeptischer Akademikerfreund Clay (Justin Long) noch an ihrer Wahrnehmung zweifelt, hat der konsultierte Spiritist Rham Jas (Dileep Rao) eine unerfreuliche Erklärung für die Heimsuchungen parat: Christine ist Opfer des Lamia-Fluchs, der sie binnen drei Tagen buchstäblich zur Hölle schicken wird.

Zwischen immer heftigeren Übergriffen aus einer Schattenwelt, die vom monströsen Nasenbluten über garstige Würmer bis hin zum besessenen Tortenstück reicht, muss die junge Frau entscheiden, wie weit sie wirklich gehen will, um ihrem Schicksal doch noch zu entgehen.

Anders als Christine steht das Publikum vor der Wahl, ob es lieber Schreien oder Lachen soll. Da das vorgelegte Tempo ohnehin keine Zeit zum Überlegen lässt, macht man im Zweifelsfall am besten beides. So beeindruckt neben dem lustvollen Spiel mit den Erwartungen vor allem die Dynamik: "Drag Me To Hell" ist pures Kino, die reine Lehre aus Licht, Schatten und Bewegung.

Auf diese Wiederkehr der entfesselten Kamera - geführt von Peter Deming, der schon "Evil Dead II" fotografierte - , des rasanten Push-Pull-Zooms und der schwindelig-steilen Bildwinkel hat man lange gewartet: Über die vergangenen Jahrzehnte hinweg hat sich das einstige Wunderkind vom ungebremsten Drauflos-Gestus seiner Frühwerke emanzipiert, drehte etwa mit "A Simple Plan" (1998) einen schwermütigen Thriller und verwandelte schließlich als Comic-Enthusiast Marvels "Spider Man" in einen global erfolgreichen Leinwandhelden.

Als Produzent blieb er stets der Genreunterhaltung verbunden: Gemeinsam mit Partner Robert Tapert schuf er langlebige TV-Trivialitäten ("Xena: Warrior Princess"), partizipierte am Trend der US-Remakes japanischer Horrorfilme ("The Grudge") und verfertigte simple Gruselmärchen ("Boogeyman").

Und jetzt eben der Höllenritt des Homo oeconomicus, der noch einmal Ernst macht mit der Einsicht, dass Schmerz und Slapstick, Scherz und Schrecken zusammen gehören. Während auf der Leinwand lose Gebisse durch die Luft segeln, Schleim jedweder Couleur hervortritt und selbst süße Kätzchen nicht verschont werden, stellt sich deshalb völlige Glückseligkeit im Saal ein: In einem berechenbaren Kinosommer voller Blockbuster-Fortsetzungen ist "Drag Me To Hell" das unverhoffte Original, ein erfrischender Pesthauch für das amerikanische Horrorkino.



insgesamt 9 Beiträge
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john mcclane, 11.06.2009
1. Argh
Mir ist jetzt zum wiederholten Male aufgefallen, das Leute den Begriff "Homo Oeconomicus" fälschlicherweise als Synonym für hemmmungslosen Kapitalismus verwenden. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Homo Oeconomicus ist das genaue Gegenteil, da er jede Entscheidung knallhart nach ökonomischer Notwendigkeit bewertet und nur das absolut Notwendige investiert. Als Auto würde er beispielsweise maximal einen gebrauchten Smart wählen, anstatt einer E-Klasse. Eine solche Person ist also das genaue Gegenteil eines Kapitalisten, da sie an ungehemmter Gewinnmaximierung nicht interessiet ist...
opag78, 11.06.2009
2. Bloedsinn
Bloedsinn, der Homo oeconomicus ist ein Wesen das immer rational seinen Nutzen maximiert. D.h. wenn es rational begruendbar ist, dass ein Porsche einen bestimmten Menschen aus bestimmten Gruenden gluecklicher macht, dann wird der homo oeconomicus einen Porsche holen. (Prestige , Status, bessere Verhandlungsbasis mit Kunden, bessere Auswahl bei den Weibchen die zu besserem Nachwuchs fuehrt etc.) Der homo oeconomicus ist nicht der Homo Aldi das verwechseln viele Leute, weil sie den Begriff "oekonomisch" mit "billig" gleichsetzen, was eben absoluter Bloedsinn ist. (P.S. der homo oeconomicus ist natuerlich keine reale Person, sondern eine virtuelle Person die simplifiziert wurde, um bestimmte Zusammenhaenge bessern darstellen/verstehen/berechnen zu koennen. Der homo oeconomicus ist aber derzeit stark in der Diskussion da er zum Beispiel voellig ungeeignet fuer die Simulation vonm Kapitalmaerkten ist. Menschen sind halt nicht rational .. )
john mcclane, 11.06.2009
3. Hmmm
Zitat von opag78Bloedsinn, der Homo oeconomicus ist ein Wesen das immer rational seinen Nutzen maximiert. D.h. wenn es rational begruendbar ist, dass ein Porsche einen bestimmten Menschen aus bestimmten Gruenden gluecklicher macht, dann wird der homo oeconomicus einen Porsche holen. (Prestige , Status, bessere Verhandlungsbasis mit Kunden, bessere Auswahl bei den Weibchen die zu besserem Nachwuchs fuehrt etc.) Der homo oeconomicus ist nicht der Homo Aldi das verwechseln viele Leute, weil sie den Begriff "oekonomisch" mit "billig" gleichsetzen, was eben absoluter Bloedsinn ist. (P.S. der homo oeconomicus ist natuerlich keine reale Person, sondern eine virtuelle Person die simplifiziert wurde, um bestimmte Zusammenhaenge bessern darstellen/verstehen/berechnen zu koennen. Der homo oeconomicus ist aber derzeit stark in der Diskussion da er zum Beispiel voellig ungeeignet fuer die Simulation vonm Kapitalmaerkten ist. Menschen sind halt nicht rational .. )
Ha, Denkfehler. Glück ist für ein H. O. nicht von Relevanz, er geht schlicht und ergreifend´nur nach Aufwand und Notwendigkeit. Hab ich jedenfalls im Studium so gelernt. Das dies ein völlig theoretisches und mitunter total ungeeignes Modell ist, ist aber völlig korrekt.
LudwigN 11.06.2009
4. deutsche Zensur
Lieber David Kleingers ! Der Film "Tanz der Teufel" war nicht lange Zeit beschlagnahmt, er ist es leider immer noch. Unzensiert darf der Film in unserem unliberalen Land immer noch nicht verkauft werden, und das ist ein Skandal. Trotzdem vielen Dank für den Artikel !
mime 12.06.2009
5. Jaa!
Wow. War heute Abend im Kino zu diesem Film. Endlich mal eine Spiegel Kinokritik, der ich voll und ganz zustimmen kann. ENDLICH mal wieder ein wirklich großartiger, eigenständiger Film. Absolut B-Movie, die Effekte sind keine Wucht, die Story dünn... Aber was hier an Tempo, Schock- und Schauermomenten und an wilden, abstrusen und guten Ideen vorgelegt wird, ist einfach sensationell. Das ganze Kino hat dermaßen oft gelacht, war aber auch genauso oft geschockt :) Purer Festivalspaß. Danach gab es ganz wie auf einem solchen großen Applaus, sehr selten sonst.... Raimi zeigt damit seinen letzten aalglatten Großproduktionen auch irgendwie einen Stinkefinger. Dieser leicht hingerotzte Touch (Farben, Titel etc) ist einfach ein abwechslungsreicher Genuss. Ganz großes und intensives Kino. Ich bin begeistert!
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