Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Horrorspezialist bei Marvel: Comiczeichner Gene Colan gestorben

Von

Fachmann für düstere Sujets, "Daredevil"-Zeichner, Blade-Miterfinder, aber auch Schöpfer des ersten schwarzen Superhelden The Falcon: Über Jahrzehnte prägte Gene Colan die Comics des US-Verlags Marvel. Jetzt ist der Zeichner nach schwerer Krankheit gestorben.

"Daredevil"-Zeichner: Gene Colan ist tot Fotos
Marvel Comics/ Gene Colan/ Giacoia

Ein einfacher Satz machte klar, wie die Dinge standen: "Gene zeichnet nicht mehr" schrieb der Autor Clifford Meth, ein Freund des Zeichners, Anfang Juni in Colans Blog.

Zu dem Zeitpunkt konnte der 1929 geborene Colan auf eine lange Karriere als Zeichner zurückblicken. Sein erster Comic war Ende 1944 erschienen, eine rückblickend betrachtet recht belanglose Fliegergeschichte.

Wirklich bekannt wurde Colan erst in den sechziger Jahren. Stan Lee, zu dem Zeitpunkt Chefredakteur bei Marvel Comics, setzte Colan nach ein paar eher glücklosen Versuchen mit herkömmlichen Superhelden wie Iron Man als Zeichner der düsteren Titel des Verlages ein. In der Serie "Daredevil", die Colan acht Jahre lang nahezu ununterbrochen Monat für Monat zeichnete, konnte er erstmals sein Talent für düstere, dem Horror entlehnte Szenarien zeigen.

Während Zeichner wie Jack Kirby ("Die fantastischen Vier") oder Steve Ditko ("Spider-Man") die heldischen Aspekte der Marvel-Comics betonten, erkundete Colan mit Vorliebe deren dunkle Seiten. Markant waren seine alptraumhaften Bilder, die durch eine Vielzahl an Schraffuren sowie verwirrende Licht-und-Schatten-Effekte eine oft beklemmende Stimmung hervorriefen.

Als inoffizieller Horror-Zeichner des Verlages gestaltete Colan in den Folgejahren umfangreiche Serien wie die um den Magier Doctor Fate oder die um Dracula - in siebzig Heften der Serie "Tomb of Dracula" verpflanzte er zusammen mit Autor Len Wein den Blutsauger in das Marvel-Universum.

Für letztere Serie kreierte das Team 1973 die Figur des schwarzen Vampirjägers Blade, der später durch eine eigene Reihe, drei Kinofilme und eine TV-Serie bekannt wurde. Dem vorausgegangen war bereits 1969 die Idee und Gestaltung des Superhelden The Falcon zusammen mit Stan Lee für die "Captain America"-Comics. The Falcon war der erste schwarze Superheld, bewusst gewählter Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels in den USA, wie Colan sich später in Interviews erinnerte.

Nach einem Streit mit Marvel zeichnete Colan in den achtziger Jahren einige Zeit für die "Batman"-Comics bei DC, ehe er ab den Neunzigern nur noch vereinzelte Comics bei verschiedenen Verlagen veröffentlichte. Zu seinen letzten Arbeiten zählen die finalen Seiten der "Blade"-Comicserie im Jahr 2007 und ein "Captain America"-Heft im Jahr 2009, für das er den renommierten Comicpreis Eisner Award erhielt.

Zu diesem Zeitpunkt war Colan bereits gesundheitlich schwer angeschlagen. Nach einer schmerzhaften Hüftverletzung wurde Colan Anfang dieser Woche in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nicht mehr erwachte. Er starb, wie Clifford Meth auf seiner Webseite mitteilte, am Donnerstag im Alter von 84 Jahren.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. SPON recherche at it's best mal wieder...
jürgendurden 24.06.2011
doctor fate ist eine figur aus dem DC verlag mit der Colan nichts zu tun hatte. wahrscheinlicher ist, dass der autor doctor strange meinte. so sehr es einen dann freut, dass der tod von jemand "unwichtigem" wie Gene Colan hier überhaupt beachtung findet, so ärgerlich ist es dann wiederum, wenn die recherche zum thema mit der SPON-eigenen schlampigkeit getätigt wird... thumbs down.
2. Die Ärzte
Stefan Pannor, 24.06.2011
Gemeint war Doctor Strange. Der Fehler geht - im Eifer des Gefechts - auf meine Kappe und ich entschuldige mich dafür.
3. Naja,... ist doch gar nicht schlimm
martian-spy-trap 24.06.2011
wie dem auch sei: Es ist schon schön anzusehen, welch unterschiedliche Zeichner und welche Facettenvielfalt da das Marveluniversum bot. Irgendwann bei Todd Mc Farlane hörte ich auf, die Comicszene zu verfolgen. Der Nuancenreichtum in Bild und Storyboard ging irgendwann in den späten 80ern flöten. Die Marvel-Figuren mutierten immer mehr zu Abziehbildern. Die Ecken und Kanten waren weg. Mit Gene Colan stirbt auch ein Stück der guten alten Zeichnertradition und Zeichenkunst Schade, dass die alten Knochen auch irgendwann mal abtreten müssen. Kleines Lob an die Redaktion: Schön, dass immer mal wieder Comics im Kulturteil auftauchen. Zu meiner Zeit als Schüler wurde die Comickultur hierzulande leider oftmals von Eltern und Lehrern als Bastardliteratur o.ä. verhöhnt, fand 0 Anerkennung. Man übersah leider die Kraft, mit der Zeitgeistströmungen und popkulturelle Aspekte und - Ästhetik kunstvoll über Jahrzehnte transportiert wurde. Und gerade die US-amerikanische Mainstreamcomickultur war ideal um politpopagandistische Züge und Klischees zu erkennen und aus Ihnen Botschaften herauszulesen, die auch heute noch erschreckend aktuell sind (ich erinnere mich da z.B. an Episoden aus der exzellenten "What If... Reihe", in der Captain America sich in einem faschistischen US-Staat wiederfand, sehr interessant und fast schon visionär)
4. Langsam sterben sie alle....
Jonny_C 24.06.2011
....die Helden (Zeichner) meiner Jugend. DD und Blade fand ich sehr gut.
5. Leider
webweltleser 24.06.2011
ist einer der großen Horror-Spezialisten des Golden Age von Marvel gegangen. Ich meine, sein Zeichenstil ist weniger für Superhelden wie DD geeignet gewesen. Vielmehr seine Interpretation von "Tomb of Dracula" hat meines Erachtens keiner besser gezeichnet wie er. Er konnte diese Figur mit einem Elan ausführen - und noch heute, nach mehr wie 30 Jahren kann ich immer wieder diese Ausgaben geniessen. So long, Gene
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: