Hungerkünstler Christian Bale "Zehn Kilo hätten nicht gereicht"

Christian Bale, 30, ist als ausdrucksstarker Schauspieler bekannt, aber für den Psychothriller "Der Maschinist" ging der Brite auch an seine physischen Grenzen - und verlor 30 Kilo Gewicht. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über seine Abmagerungskur und seine neue Rolle als Batman.


Bale als "Maschinist": "Ich wollte es eben versuchen"
3L Filmverleih/ddp

Bale als "Maschinist": "Ich wollte es eben versuchen"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Bale, Sie haben für sich Ihre Titelrolle in "Der Maschinist" so spektakulär verwandelt wie selten ein Schauspieler. 30 Kilo haben Sie sich abgehungert, zuletzt waren Sie nur noch Haut und Knochen. Können Sie es verstehen, wenn die Leute nun nur noch darüber reden und nicht über Ihren Film?

Bale: Wir sind alle nur Menschen. Es ist logisch, dass die Leute am stärksten auf das reagieren, was Ihnen ins Auge sticht. Aber ich hätte nie so viel Gewicht verloren, wenn es der Film nicht wert gewesen wäre. Das Drehbuch ging mir einfach nicht aus dem Kopf, und deshalb wollte ich diese Rolle unbedingt übernehmen. Doch ohne diesen physischen Aspekt wäre mein Spiel nicht glaubwürdig gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Dabei war selbst Regisseur Brad Anderson nach eigenen Aussagen von Ihrer Radikaldiät überrascht.

Bale: Wir hatten nie darüber gesprochen, wie viel Gewicht ich verlieren sollte. Ich hatte zuhause ein Foto von Hank Williams, den ich sehr verehre. Es zeigt ihn drei Monate vor seinem Tod in völlig ausgezehrtem Zustand. Und dieses Bild wurde mein Orientierungspunkt. Ich wusste erst gar nicht, ob ich so ein Aussehen überhaupt erreichen kann, aber ich wollte es eben versuchen. Denn die ganze Geschichte dreht sich um den Verfall eines Mannes. Da hätte ich nicht einfach nur zehn Kilo abnehmen und in schlabberigen Kleidern herumlaufen können

SPIEGEL ONLINE: "Der Maschinist" erzählt von einem Menschen, der aus seinem Leben verschwinden will. Hatten Sie dieses Gefühl auch schon mal?

Bale: Es gab Zeiten, da fühlte ich mich, als würde ich eine Tarnkappe tragen. Als Teenager wollte ich möglichst nicht bemerkt werde. Durch meine Schauspielerei bekam ich eine öffentliche Aufmerksamkeit, die ich überhaupt nicht mochte. Ich versuchte also sehr ruhig zu sein und zog mich stark in mich zurück. Eigentlich bin ich über dieses Interesse an meiner Person auch heute noch nicht glücklich, ich habe es nur akzeptiert.

SPIEGEL ONLINE: Verdienen Schauspieler diese Aufmerksamkeit?

Bale: Aus meiner Sicht nein. Ich will jedenfalls nicht so tun, als wäre mein Job besonders wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Ist er das denn nicht?

Bale: Für andere Leute nicht. Nur für mich. Ich wüsste nicht, was ich mit meinem Leben tun sollte, wenn ich nicht diese Erfüllung bekommen würde.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie die in jeder Ihrer Rollen?

Bale: Natürlich nicht. Ich weiß, ich habe schreckliche Dinge gedreht, wo ich mich für die falschen Projekte entschieden oder selbst schlecht gespielt habe. Aber es gibt eben auch die Fälle, wo du merkst, wie sich zwischen dir und den anderen Beteiligten Harmonie aufbaut. Und daraus beziehe ich meine Befriedigung.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie das öffentliche Interesse an Ihrer Person stört, warum haben Sie dann die Titelrolle im neuen Batman-Film übernommen?

Bale als "American Psycho": "Ich hatte noch nie einen Hit"
Concorde Filmverleih

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Bale: Das frage ich mich selbst. Ich glaube immer noch, dass sich mein Leben dadurch nicht ändert. Aber vielleicht ist diese Einstellung naiv. Allerdings hätte eine größere Popularität auch ihren Vorteil. Denn es dauert immer sehr lange, bis das Geld für Filme mit mir zusammen kommt. Bei "Der Maschinist" mussten wir ein Jahr lang warten. Und das könnte sich mit "Batman Begins" ändern. Hoffentlich, denn im nächsten Jahr möchte ich einen Film mit Werner Herzog drehen.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie dann so lange und standhaft Ihr Interesse an der Batman-Rolle dementiert.

Bale: Die Dementis waren ernst gemeint, denn ich hatte mit diesen effektgeladenen Batman-Filmen nichts am Hut. Aber dann hörte ich, dass ein ganz neues Konzept in Arbeit war, das auf Frank Millers "Batman Year One" beruhte. Es sollte düsterer sein und sich auf den Helden und nicht die Schurken konzentrieren. Ich hatte meine Fühler danach ausgestreckt, dann hörte ich, dass doch wieder eines dieser großen Spektakel daraus werden sollte. Da dachte ich nur: Das war's dann mit der Qualität. Aber als Christopher Nolan ("Memento") die Regie übernahm, änderte sich das Bild wieder. Denn er macht normalerweise nicht solche Filme, und wir hatten die gleiche Auffassung von der Rolle. Das Studio hat unsere Konzeption abgesegnet.

SPIEGEL ONLINE: Aber womöglich wird Sie das Publikum fortan nur noch mit der Rolle des Superhelden identifizieren. Stört Sie das nicht?

Bale: Dazu müsste ich gleich ein paar von diesen Filmen drehen. Und wer sagt, das das passiert? Vielleicht wird "Batman Begins" ja auch ein finanzielles Fiasko. Denn Sie dürfen eines nicht vergessen: Ich hatte in meinem ganzen Leben noch keinen Hit.

Das Interview führte Rüdiger Sturm


Der Maschinist

Spanien 2003. Regie: Brad Anderson. Drehbuch: Scott Kosar. Darsteller: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, Michael Ironside. Produktion: Castelao, Filmax. Verleih: 3L Filmverleih. Start: 11. November 2004



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