"Ich, einfach unverbesserlich 3" Danke fürs Blankziehen, Minions!

Die Geschichte vom Superschurken Gru, der unfreiwillig Gutes tut, ist nicht ganz frisch. Trotzdem macht auch der dritte Teil von "Ich, einfach unverbesserlich" so viel Spaß wie wenige Filme sonst.

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Brangelina ist Geschichte, aber Hollywood hat zum Glück noch ein anderes Power couple vorzuweisen: Grucy, bestehend aus dem ehemaligen Superschurken Gru und der aktiven Superagentin Lucy.

Nicht nur war ihr erster gemeinsamer Film "Ich, einfach unverbesserlich 2" im Gegensatz zu "By the Sea" von Brad und Angelina ein echter Kassenknüller. Auch was ihre Familie betrifft, sind Grucy unschlagbar: Drei Adoptivtöchter und eine Hundertschaft Minions umfasst sie bereits. Und in der neuesten Fortsetzung kommt noch ein bislang unbekannter Zwillingsbruder dazu: Dru. Langnasig und dünnbeinig wie Gru, nur mit viel blondem Haar und keinerlei Lust, sich wie der Bruder als verantwortungsvoller Familienvater und Verbrechensbekämpfer zur Ruhe zu setzen.

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"Ich, einfach unverbesserlich 3": Ich und Dru und alle wie wir kennen

Trotzdem ist Gru bald auf die Zusammenarbeit mit dem ungleichen Bruder angewiesen. Nach einem Wechsel an der Spitze der Anti-Verbrecher-Liga (AVL) und einem verpatzten Einsatz gegen den Diamantenräuber Bratt verliert Gru nämlich seinen Job bei der AVL. Um seine neue Agentenehre zu retten, zieht er fortan eigenmächtig gegen Bratt zu Felde - allerdings mit Dru im Schlepptau, denn die Minions haben ihm zuvor aus Protest gegen das allzu beschauliche Familienleben die Gefolgschaft gekündigt.

Atemlos anarchische Fantasie

Bei allem Spaß, den die "Ich, einfach unverbesserlich"-Reihe macht, ist Dru natürlich ein Krisensymptom: Wann immer unbekannte Geschwister oder vormals zur Adoption freigegebene Kinder auftauchen, zeigen Filmemacher an, dass ihnen zur Charakterentwicklung der Hauptfiguren nichts wesentlich Neues einfällt.

Das ist leider auch hier - im vierten Teil der Reihe, wenn man den "Minions"-Film dazuzählt - der Fall. In vielerlei Hinsicht hat sich der deutsche Titel von "Despicable Me" als programmatisch erwiesen: Die Geschichte vom Superschurken und Minions-Anführer Gru, der im ersten Teil durch unfreiwilligen Familienzuwachs genauso unfreiwillig auf den rechten Weg kommt, ist buchstäblich unverbesserlich, keine Wiederholung und Variation kann sie übertreffen.


"Ich, einfach unverbesserlich"
Originaltitel: "Despicable Me 3"
USA 2017
Regie: Kyle Balda, Pierre Coffin
Drehbuch: Ken Daurio, Cinco Paul
Mit den Stimmen von Oliver Rohrbeck, Martina Hill und
Produktion: Illumination Entertainment, Universal Pictures
Verleih: Universal
Länge: 90 Minuten
FSK: ab null Jahren
Start: 6. Juli 2017


Dennoch scheinen die Autoren Cinco Paul und Ken Daurio sowie die Regisseure Pierre Coffin und Kyle Balda nicht von dieser Geschichte lassen zu können, weshalb sie sie nun doppelt erzählen: Sowohl der aufmüpfige Zwillingsbruder Dru als auch die aufständischen Minions müssen Grus innere Zerrissenheit - dass er trotz aller kriminellen Energie immer wieder auf der hellen Seite der Macht landet - spiegeln. Damit tritt der Plot die längste Zeit gehörig auf der Stelle, was bei einer Reihe, die durch ihre atemlos anarchische Fantasie weltweit ihre Fans gefunden hat, doch schwer ins Gewicht fällt.

Als Zuschauerin muss man es wohl den Filmemachern gleich tun und sich mit dem begnügen, was bereits vorhanden ist - und das ist ja auch eine Menge. Wie sich Gru mit seinem die Schwerkraft widerlegenden Körper bewegt, ist so komisch wie ehedem. Und die Minions sind - von der Last, einen ganzen Film zu tragen, befreit - als Helfershelfer wieder genau richtig dosiert.

Auf Krawall gebürstet

Im Kampf gegen zu viel familienfreundliche Bräsigkeit sind die taucherbebrillten Latzhosenträger eh die besten Verbündeten des Publikums. Der drohen nämlich nicht nur Gru, sondern auch die Filmemacher anheimzufallen, die viel zu viel Zeit auf die niedlichen Töchter und Lucys Sorge, ihnen keine gute Mutter zu sein, verwenden.

Zum Glück sind die Minions dagegen auf Krawall gebürstet und landen im Zuge ihres Zwergenaufstands im Knast. Mit dem Gefängnis verhält es sich dann aber wie mit einem Supermarkt vor dem Start eines "Ich, einfach unverbesserlich"-Films: Die Minions übernehmen das Ganze, besser man spielt mit, als sich gegen sie zu wehren.

Aber warum sollte man sich auch gegen die Minions wehren? Zu Recht sind sie zu Generationen übergreifenden Lieblingen geworden. Wie keine Figuren zuvor bündeln sie unterdrückte Triebe, Bedürfnisse und Affekte sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen. Sie sind, freudianisch gedeutet, das globale Es, das mit großer Freude blankzieht. Für den psychischen Zustand der Welt, der mit "angespannt" sehr zurückhaltend beschrieben ist, ist ihre Bedeutung daher kaum zu überschätzen.

Gehen wir also ins Kino und genießen es, wenn die Minions stellvertretend für uns dem Über-Ich für 90 Minuten die Zunge rausstrecken - es wird garantiert feucht, Gott sei Dank.

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