Agenten-Thriller aus Bollywood Pakistan verbietet indischen James Bond

In Pakistan sind die Bollywood-Filme des Erzfeinds Indiens der Renner. Doch "Agent Vinod" hat zumindest offiziell keine Aussicht auf Erfolg im Nachbarland: Die Behörden haben den Agententhriller gestoppt - offenbar weil der pakistanische Geheimdienst darin der Bösewicht ist.

"Agent Vinod"-Plakat: Bombe entschärfen und gleichzeitig einen Helikopter steuern
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"Agent Vinod"-Plakat: Bombe entschärfen und gleichzeitig einen Helikopter steuern


Islamabad/Hamburg - Agent Vinod steht James Bond in nichts nach: Er kann den Patronen seiner Feinde ausweichen, eine Bombe entschärfen, während er einen Helikopter steuert, und er bewahrt sein Land gern mal vor einer nuklearen Katastrophe.

Die außergewöhnlichen Fertigkeiten des indischen Super-Filmhelden sind jedoch im Nachbarland nicht auf der Kinoleinwand zu sehen - zumindest nicht offiziell. Die Zensurbehörde Pakistans hat den Agententhriller "Agent Vinod" wenige Tage vor dem geplanten Start in der vergangenen Woche verboten. Er sollte eigentlich in Filmtheatern in Lahore und Karatschi gezeigt werden.

Eine Begründung für ihre Entscheidung lieferte die Zensurbehörde zwar nicht - allerdings liegt die Vermutung nahe, dass es an der Darstellung des pakistanischen Geheimdienstes liegen könnte. Im Film kämpft Agent Vinod gegen die Schergen des Inter-Services Intelligence (ISI), die ihrerseits nicht nur die Taliban in Afghanistan unterstützen, sondern gar einen Anschlag mit einer atomaren Kofferbombe in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi planen.

"'Agent Vinod' ist für Inder gemacht, aber er richtet sich nicht gegen Pakistaner", beteuerte Hauptdarsteller und Produzent Saif Ali Khan in einem Interview, "aber ich verstehe, dass sie sich aufregen - schließlich verdreschen wir sie im Film ganz schön häufig." Zudem ist im Film zu sehen, wie der ISI die Terrorgruppe Lashkar-i-Toiba finanziert. "Wenn Sie der Meinung sind, das sei unwahr oder unverschämt - na gut", sagte Hauptdarsteller und Produzent Saif Ali Khan. "Ich glaube, es ist durchaus wahr."

43 Jahre währendes Totalverbot von Bollywood-Filmen

Tatsächlich ist Lashkar-i-Toiba im ohnehin schwierigen Verhältnis zwischen den Erzfeinden Indien und Pakistan ein besonders heikler Punkt. Die Regierung in Neu-Delhi verdächtigt die Terrorgruppe, am 26. November 2008 in der indischen Metropole Mumbai eine Reihe brutaler Anschläge verübt zu haben, bei denen mindestens 174 Menschen ums Leben kamen. Die Gruppe hatte sich in den neunziger Jahren im Zusammenhang mit dem Konflikt um die umstrittene Grenzregion Kaschmir gegründet - mit tatkräftiger Unterstützung des ISI.

Dass indische Filme in Pakistan verboten werden, ist nichts Neues. 1965 verhängte die Regierung in Islamabad nach dem zweiten von drei blutigen Kriegen zwischen den Nachbarn sogar einen umfassenden Bann für alle Bollywood-Produktionen. Bis 2008 galt das Totalverbot, und auch danach wurden immer wieder einzelne indische Filme von der Zensurbehörde gestoppt, 2010 etwa eine Komödie über Osama Bin Laden.

Allerdings bewirken die offiziellen Verbote nicht viel - in Pakistan laufen Bollywood-Filme generell nur in sehr wenigen Kinos. Dennoch sind sie grundsätzlich sehr beliebt, zumal es keine sprachlichen Hürden gibt, denn Hindi und Urdu sind im Alltagsgebrauch identisch. So werden sie meist auf DVD gesehen, und Kopien sind problemlos auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

fdi/AP

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