Inhaftierter Cannes-Juror Jafar Panahi tritt in Hungerstreik

Der Film existiert noch nicht einmal, dennoch wurde Regisseur Jafar Panahi vom Teheraner Regime der Subversion bezichtigt und inhaftiert. Nun zog der iranische Künstler eine drastische Konsequenz - und ging in Hungerstreik.

Regisseur Jafar Panahi: Protest und Tränen in Cannes
AFP

Regisseur Jafar Panahi: Protest und Tränen in Cannes


An der Croisette bestimmen aktuell nicht Stars und Sternchen das Gespräch, sondern ein handfester politischer Skandal. Denn mit der Inhaftierung des iranischen Regisseurs Jafar Panahi zeigt sich erneut die brisante Lage kritischer Künstler unter der Regierung Ahmadinedschads.

Bereits zu Beginn des Festivals hatten Bernard Kouchner, Frankreichs Außenminister, und der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand Teheran aufgefordert, die Menschenrechte zu respektieren und Panahi freizulassen.

Der renommierte Filmemacher sitzt seit März im Evin-Gefängnis in Teheran, das berüchtigt für seine Folterknechte ist. Ihm wird vorgeworfen, an einem regimekritischen Film zu arbeiten. Der 49-Jährige war in Cannes als Jurymitglied vorgesehen. Er gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Regisseure in Iran.

"Ich habe seit Sonntagmorgen weder getrunken, noch gegessen. Ich werde erst mit dem Hungerstreik aufhören, wenn meine Forderungen erfüllt werden", schrieb Panahi in einem Brief, der von der Revue "La Règle du Jeu" ins Internet gestellt wurde.

So will er unter anderem nach 77 Tagen Gefängnis mit einem Anwalt reden. In dem Brief schreibt er auch, dass er und seine Mitinsassen eineinhalb Stunden nackt im Kalten stehen mussten. Die Zeitschrift "La Règle du Jeu" wurde vor mehr als 20 Jahren von dem französischen Intellektuellen Bernard-Henri Lévy gegründet.

Im Zweifel gegen den Künstler

Selten hat Cannes eine bewegendere Pressekonferenz erlebt, als die des Iraners Abbas Kiarostami, der seinen neuen Film "Certified Copy" vorstellte. "Ich kann nicht verstehen, wie man einen Film als Verbrechen betrachten kann, der noch nicht einmal existiert", erklärte Kiarostami fassungslos zum Fall Panahi. Die französische Schauspielerin Juliette Binoche, die bei der Pressekonferenz neben Kiarostami saß, konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie von dem Hungerstreik erfuhr.

Wie auf der Internetseite von "La Règle du Jeu" unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars zu lesen ist, soll Teheran die Inhaftierung des Filmemachers um zwei Monate verlängert haben. Grund soll der Brief sein, in dem sich Panahi für die Bemühungen um seine Freilassung bedankt. Frankreichs Kulturminister hatte das Schreiben zu Beginn des Festivals auf dem roten Teppich vorgelesen.

Auch die politische Debatte um den Film "Hors-la-loi" von Rachid Bouchareb könnte sich zuspitzen. Der Film wird an diesem Freitag vorgestellt und sorgte schon vorher für Polemik. Gesehen hat ihn noch niemand, doch wurde er von einigen bereis als antifranzösisch eingestuft.

"Hors-la-loi" handelt von einem Massaker, das die französischen Armee am 8. Mai 1945 im algerischen Sétif anrichtete. Ein selbsternanntes Komitee "Für die historische Wahrheit - Cannes 2010" drohte mit spektakulären Aktionen am Tag der Aufführung.

Sabine Glaubitz, dpa

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falter00 24.05.2010
1. IRAN will aus dem Abseits
Das gibts nicht. Habe gerade seinen Film Offside aus der neuen 11 Freunde Edition DVD Compilation gesehen - Toller Film, tolle WM Filme Sammlung. War eigentlich der Panahis Film für die Aufhebung des Stadionsverbots verantwortlich?? Greade kam die Nachricht, dass er aus der Haft entlassen worden ist, Cannes Sei Dank, Iran will es sich wohl nicht mit Europa verderben oder wie soll man das sehen. http://www.kinowelt.de/dvd/11_freunde_edition_vol_2
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