Interview mit Ben Stiller "Los, sei komisch!"

Ben Stiller, 36, zählt spätestens seit "Verrückt nach Mary" zu den besten Comedy-Schauspielern Hollywoods. Mit "Zoolander" präsentiert er eine Parodie auf die Modewelt - als Autor, Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent. Mit SPIEGEL ONLINE spricht er über witzige Models, seine Familie und wie der 11. September seinen Klamaukfilm veränderte.


Ben Stiller: Möglichst entspannte Atmosphäre schaffen
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Ben Stiller: Möglichst entspannte Atmosphäre schaffen

SPIEGEL ONLINE:

Mr. Stiller, Sie haben für "Zoolander", eine Persiflage auf die Modewelt, Claudia Schiffer und Heidi Klum für Gastauftritte gewinnen können. Welche Model-Vorurteile erfüllten die Damen?

Stiller: Claudia ist sehr rührend, ich glaube, sie hat einen guten Sinn für Humor. Zumindest eine Bereitschaft, die Modelwelt ein bisschen durch den Kakao zu ziehen. Und Heidi Klum ist wirklich witzig. Aber wissen Sie, es ist ziemlich einfach, die Modelwelt hochzunehmen. Es ging mir hier weniger um eine bittere Satire als um eine alberne Komödie.

SPIEGEL ONLINE: Dabei ist ja die Branche selbst schon bizarr genug.

Stiller: Es war tatsächlich nicht einfach, die Einfälle der Modewelt zu toppen. Wir haben mit Ideen wie der "Derelicte"-Kampagne unsere eigene, alberne Version davon geschaffen, aber derart schräge Einfälle gibt es auf den Laufstegen zuhauf. Wenn nicht sogar noch viel schrägere.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst sieht man auch abseits der Leinwand oft im Anzug. Welchen Designer bevorzugen Sie privat?

Stiller: Ich bin kein besonders modebewusster Mensch. Ich trage einfach das, was mir bequem erscheint, und am Ende trage ich einfach oft dieselben Sachen. Eben den Anzug, der passt, die einfachste Lösung. Ich bin nicht besonders stilbewusst. Ich bin wie die meisten Männer: Ich frage einfach meine Frau, was gut aussieht und was nicht.

SPIEGEL ONLINE: Hat die Filmgarderobe Sie nicht ein wenig angeregt?

Stiller: Es ist kaum etwas darunter gewesen, das ich im wirklichen Leben tragen würde. Vielleicht an Halloween...

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie selbst ein eitler Mensch?

Stiller: Es gibt wohl keinen Schauspieler, der nicht eine kleine narzisstische Ader hat. Ich halte das allerdings nicht unbedingt für eine schlechte Sache. Schwierig wird es erst dann, wenn es die eigene Arbeit zu beeinflussen beginnt. Diese Figur nimmt vieles von dem, was mich und vielleicht Schauspieler im Allgemeinen ausmacht, auf die Schippe - nicht nur Models, sie spiegelt auch die Selbstverliebtheit von Schauspielern.

SPIEGEL ONLINE: Sie wirken überraschend ernst. Ermüdet es, immer den ulkigen Kerl mit einem Witz auf den Lippen zu spielen?

Stiller: Es fällt mir ein wenig schwer, damit umzugehen, aber es ist wohl einfach etwas, das die Leute von einem erwarten, wenn sie einen in komischen Filmen als komische Charaktere sehen. Natürlich verstehe ich, dass man einen witzigen Auftritt von mir erwartet, wenn man mich in eine Talkshow einlädt - so funktioniert das Unterhaltungsbusiness nun mal. Aber als Mensch bin ich einfach nicht der sorglos-unbekümmerte Typ, der ständig in der Laune ist, herumzualbern.

SPIEGEL ONLINE: Was bringt Sie zum Lachen?

Stiller: Ich habe einen eher trockenen Humor. Ich schätze einen gewissen Zynismus und bin nicht unbedingt ein großer Fan von Slapstick. Mir gefallen komische Figuren, witzige Charaktere, im Gegensatz zu Situationshumor. Sitcoms sind zum Beispiel nicht unbedingt meine Sache.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind der Sohn des "Seinfeld"-Stars Jerry Stiller und der Schauspielerin Anne Meara, also in einer Familie von Comedy-Stars groß geworden. Gab es da überhaupt je eine berufliche Alternative zum Showbiz?

Stiller (M.) spielt in "Zoolander" ein durchgeknalltes Model, das den Ehrengast einer Modenschau ermorden soll. (Filmszene mit Will Ferrell und Milla Jovovich)
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Stiller (M.) spielt in "Zoolander" ein durchgeknalltes Model, das den Ehrengast einer Modenschau ermorden soll. (Filmszene mit Will Ferrell und Milla Jovovich)

Stiller: Ich habe das Kino immer sehr geliebt. Meine Eltern machten Comedy, aber sie waren immerhin Schauspieler. Und ich wusste schon als Zehnjähriger, als ich im Kino "Der Weiße Hai" sah, dass ich mal Regisseur werden will. Ich habe sogar ein kleines Remake gedreht. Später erwachte mein Interesse an der Schauspielerei, weil ich anfing, mich für die Komödie zu interessieren. Das hatte allerdings wenig mit der Arbeit meiner Eltern zu tun, das war mein eigenes Ding. Inzwischen interessiert mich wieder vor allem die Regie. Da schließt sich der Kreis. Was ich allerdings nie machen wollte, war Stand-Up-Comedy. Mit einem Mikrofon in der Hand vor lauter Leute zu treten, die einen anstarren und denken: Los, sei komisch! Das ist der Horror für mich.

SPIEGEL ONLINE: In "Zoolander" haben Sie Ihre gesamte Familie eingesetzt - Ihr Vater spielt Ihren Agenten. Wie schwierig war es, ihn zu inszenieren?

Stiller: Die Leute denken immer, Regieführen bedeutet Befehle zu geben, aber so funktioniert es nicht. Wenn man die richtigen Schauspieler besetzt, ist es eigentlich egal, ob man sie kennt, man mit ihnen verwandt oder verschwägert ist. Hauptsächlich geht es darum, eine möglichst entspannte Atmosphäre zu schaffen.

SPIEGEL ONLINE: Einen Namen als Comedian haben Sie sich zunächst mit Parodien wie der Persiflage von Tom Cruise in "Mission Improbable" gemacht.

Stiller: Ja, das ist meine Art, mich der Arbeit von Leuten zu nähern, die ich bewundere. Ich glaube aber auch, dass man aus der Parodie herauswächst. Natürlich ist es eine Kunst, etwas zu überspitzen und es komisch zu machen. Aber insgesamt ist es nicht so erfüllend wie etwas zu machen, das ganz das eigene Werk ist.

SPIEGEL ONLINE: "Zoolander" spielt in Ihrer Heimat New York, und er ist der erste Film, in dem die Türme des World Trade Center digital entfernt sind. Wie ist die Entscheidung gefallen?

Ben Stiller: Wir haben den Film am 12. oder 13. September ausgeliefert, und wir mussten die Entscheidung, ob wir die Türme digital entfernen, tatsächlich am Tag nach den Anschlägen fällen. Es war eine harte Entscheidung, und ich glaube nicht, dass sie mit den Kategorien von richtig oder falsch zu bemessen ist.

SPIEGEL ONLINE: Mit Tom Cruise sind Sie inzwischen gut befreundet. Liebäugeln Sie vielleicht auch mal mit einem Action-Auftritt in "Mission Impossible 3" ?

Stiller: Himmel, nein! Ich denke, es ist schon wichtig, dass man sich auf Gebieten bewegt, zu denen man auch etwas beizutragen vermag.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es mehr in ihrem Leben als Komödien zu machen?

Stiller: Ja, ich glaube schon. Im April werde ich Vater - ich kann es noch gar nicht glauben!

Das Interview führte Nina Rehfeld



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