Interview mit Bernd Eichinger "Zombies sind einfach toll!"

Der Produzent Bernd Eichinger sprach mit SPIEGEL ONLINE über Gewalt im Kino, seine Verfilmung des Computerspiels "Resident Evil" und die geplante Filmversion des Bestsellers "Das Parfüm".


Produzent Eichinger: "Du lernst nix aus einem Misserfolg"
DPA

Produzent Eichinger: "Du lernst nix aus einem Misserfolg"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Eichinger, Sie haben soeben mit "Resident Evil" den besten US-Start einer deutschen Filmproduktion hingelegt. Es ist die Verfilmung eines weltweit erfolgreichen Computerspiels. Bisher haben Sie ja eher auf Verfilmungen von Erfolgsromanen gesetzt.

Eichinger: Kaum ein Film geht mehr auf ein Originaldrehbuch zurück. Romane zu verfilmen ist nicht etwa meine Spezialität, sondern eine durchaus übliche Sache in der Filmbranche.

SPIEGEL ONLINE: Noch viel weniger dürfte es Ihre Spezialität sein, Computerspiele zu verfilmen.

Eichinger: Ich bin hier auf jeden Fall an meine Grenzen gestoßen. Dies ist mein erster Genrefilm. In 25 Jahren Berufserfahrung habe ich mich zum ersten Mal an ein solches Genre herangetraut. Da merkt man, dass man keinerlei Erfahrungen mitbringt und sich noch einmal völlig neu positionieren muss. Aber Computerspiele sind ja Teil unseres Lebens geworden, das hat's in der Form vor zehn Jahren nicht gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Vor zehn Jahren gab es auch noch kein derart lückenloses Marketingnetz. Mehr als 17 Millionen "Resident-Evil"-Käufer weltweit legen ja auch ein großes potenzielles Kinopublikum nah.

Zombies in "Resident Evil": "Ich mag keine gewalttätigen Filme"
CONSTANTIN

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Eichinger: Nein, an so was denke ich gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das kann kaum Ihr Ernst sein.

Eichinger: Nein! Nicht am Anfang zumindest. Das wäre ja Wahnsinn, wenn ich schon, bevor mich irgendwas überhaupt interessiert, mit irgendwelchen Marketing-Überlegungen anfange. Das wäre verkehrt, da fällt man garantiert auf die Schnauze. Womit es losgeht, ist, dass man sagt: Aha, das ist eigentlich ein interessantes Umfeld. Das Universum eines Spiels muss man begreifen und mögen.

SPIEGEL ONLINE: Das Universum von "Resident Evil" ist voller Untoter. Vor 25 Jahren haben Sie George Romeros "Night Of The Living Dead" in Deutschland vertrieben. Eine Hommage?

Eichinger: Nein, das ist keine Hommage. Aber ich muss zugeben, dass mich das Zombie-Element sehr gereizt hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollten immer schon einen Zombiefilm machen?

Eichinger: Ja, logisch! Zombies sind einfach toll. Auch das ist ein ultimativer Alptraum - du schießt was nieder, und dann kommt es wieder hoch. Du kannst machen, was du willst, es geht nicht weg. Das eignet sich einfach gut fürs Kino.

Eichinger-Film "Resident Evil", Hauptdarstellerin Jovovich: "Das hier ist viel zu sehr Comic"
CONSTANTIN

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SPIEGEL ONLINE: Sie haben mal gesagt, immer in derselben Spur zu treten ist der sicherste Weg zum Misserfolg. Nun sind Sie gerade dabei, die Fortsetzungs-Manie Hollywoods auch im deutschen Kino zu etablieren - "Knallharte Jungs", "Erkan und Stefan 2", "Anatomie 2", und auch für "Resident Evil" ist bereits eine Fortsetzung geplant. Wie geht das zusammen?

Eichinger: Ein Sequel für eine Sache zu machen, von der man sieht, dass sie den Leuten gefällt, ist ja per se nicht schlecht. Man muss sich nur für das Sequel wieder etwas vollkommen Neues einfallen lasen. Die Vorstellung, dass die Leute automatisch in ein Sequel gehen, liegt freilich völlig daneben. Wenn die Zuschauer das Gefühl haben, sie sehen nichts Neues, kommen Sie auch nicht hin.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben auch einige Misserfolge einstecken müssen. Beim wem suchen Sie die Schuld?

Eichinger: Wenn ein Film ein Misserfolg wird, vergesse ich das sofort. Da wird bei uns nicht mehr drüber geredet, das ist eine eiserne Regel. Dann wird einfach der nächste Film angegangen. Du lernst nix aus einem Misserfolg.

SPIEGEL ONLINE: Woraus lernen Sie denn?

Eichinger: Aus anderen Filmen. Dadurch, dass ich viele Filme schaue. Es ist ein ständiger Lernprozess. Jeder Arzt muss seine Fachzeitschriften regelmäßig lesen und die Entwicklung mitverfolgen, ich muss das auch.

SPIEGEL ONLINE: Und Ihr Lieblingsfachmagazin heißt Hollywood?

Eichinger: Natürlich, die meisten bahnbrechenden Filme kommen ja nun mal dort her. Aber ich kann auch von einem Film lernen, der aus Schweden kommt, oder aus Dänemark.

SPIEGEL ONLINE: Von den Amerikanern wollen Sie immerhin gelernt haben, zwischen langweiligen und nicht langweiligen Filmen zu unterscheiden statt zwischen Kunst und Kommerz.

Eichinger: Ja, ich gehe nur danach vor. In jedem Film ist etwas anderes spannend. Spannung ist ja nicht nur, sich vor Zombies zu fürchten. Bei "Resident Evil" ist das allerdings so, und das ist die Aufgabe von so einem Film. Die Leute wollen sich erschrecken, wenn sie reingehen - das ist wie Achterbahnfahren. Wenn du einsteigst, willst du auch Achterbahnfahren!

SPIEGEL ONLINE: Der Magen dreht sich jedenfalls garantiert um. Viele werden den Film für seine ungebremste Gewaltlust kritisieren.

Eichinger: Ach wo! Das finde ich wirklich nicht. Es fließt quasi kein Blut...

SPIEGEL ONLINE: Am Ende schon.

Eichinger: Aber das fließt ja nicht. Das ist angemalt. Wir haben wirklich aufgepasst, denn ich mag das nicht. Ich mag keine gewalttätigen Filme.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte? In "Resident Evil" werden immerhin Leute geköpft oder von Laserstrahlen in Würfel zerteilt...

Süskind-Buch "Das Parfum": "Irgendwann fällt jeder Baum"

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Eichinger: Ja, aber dann ist es ja auch schon vorbei. Es ist schon fast komisch, weil es so absurd ist. Das kann man einfach als Kult ansehen. Ansonsten aber spritzt nicht mal Blut, wenn geschossen wird. Die sind ja auch alle schon tot! (lacht)

SPIEGEL ONLINE: Das hat George Romero übrigens auch schon gesagt.

Eichinger: Romero hat ja richtig Köpfe wie Melonen platzen lassen, das kann man heute gar nicht mehr machen. Im Ernst: Ich lege richtig Wert drauf, dass ich dies hier nicht gewalttätig finde. Es liegt natürlich in der Natur des Genres, dass da viel los ist. Aber gewalttätig ist für mich ganz was anderes: Wenn sinnlos Blut spritzt und getan wird, als wär's real. Ich hasse das, wenn mir im Kino vorgeführt wird, wie Hände abgeschnitten werden oder mit Kettensägen auf Leute losgegangen wird. Aber das hier ist viel zu sehr Comic.

SPIEGEL ONLINE: Als nächstes haben Sie die Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller "Das Parfüm" auf dem Plan. Wie man hört, wird Ridley Scott Regie führen?

Eichinger: Nein, das ist noch nicht fest.

SPIEGEL ONLINE: Er hat aber bereits detailreiche Pläne für die Verfilmung offenbart...

Eichinger: Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ist unsere Zusammenarbeit bislang eine eher lose Sache. Es ist richtig, dass wir reden, aber wir brauchen noch ein Drehbuch, bevor irgendetwas konkret werden kann. Das Problem ist, eine solche Figur mit filmischen Mitteln so genau zu beschreiben, wie der Patrick das mit Worten macht.

SPIEGEL ONLINE: Patrick Süskind hat Sie fünfzehn Jahre lang um die Rechte betteln lassen, bis er Sie Ihnen im vergangenen Jahr schließlich doch verkaufte. Wie haben Sie ihn herumgekriegt?

Eichinger: Irgendwann fällt jeder Baum. Man muss nur lange genug sägen. Eines Tages hat er eben zu mir gesagt: Nimm's jetzt. Was genau am Ende den Ausschlag gab, weiß ich nicht.

Houellebecq-Roman "Elementarteilchen": "Es ist ein Alptraum"

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SPIEGEL ONLINE: Überlegen Sie, selbst Regie zu führen?

Eichinger: Ich überlege es schon, aber die Chancen sind nicht sehr groß, dass ich's selbst mache. Da bin ich ja für zwei Jahre von der Piste, und das kann ich mir eigentlich gar nicht leisten. Ich müsste schon der Überzeugung sein, dass es keinen besseren außer mir gäbe für den Stoff, und ich weiß nicht, ob ich das so sagen kann.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht denn Bernd Eichingers "Parfüm" ungefähr aus?

Eichinger: Das weiß ich erst, wenn der Film fertig ist. Ich weiß aber jetzt schon, was ich nicht machen werde: Sicher werde ich nicht fünf oder sechs Bälle in die Luft schmeißen und damit jonglieren. Ich nehme das schon so, wie's da steht.

SPIEGEL ONLINE: Eine Ihrer Devisen für einen gelungenen Film ist, dass der Star sexy ist. Vergangene Woche haben Sie Dustin Hoffman getroffen. Zum Besetzungsgespräch?

Eichinger: Nein, Hoffman hatte einen Film von mir als Regisseur gesehen, "Das Mädchen Rosemarie". Er rief mich an und sagte, er würde mich gern mal treffen, weil er den Film toll fand. Einfach so! Kann man ja auch mal sagen...

SPIEGEL ONLINE: Derzeit sind Sie dabei, sich die Rechte an Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen" zu sichern...

Eichinger: Jaja, ich bin dabei. Es ist ein Alptraum...

SPIEGEL ONLINE: Houellebecq war ja erst kürzlich in Deutschland. Wie stehen die Verhandlungen?

Eichinger: Hören Sie auf, ich will gar nicht drüber reden. Dann liest der das, und dann geht's wieder los. Ich erzähl's Ihnen, wenn ich's habe.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie auf die "Elementarteilchen" auch 15 Jahre lang warten?

Eichinger: Nein! (lacht) Jetzt oder nie.

Das Interview führte Nina Rehfeld



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