Interview mit François Ozon "Frauen sind Teufel"

In seinem erotischen Thriller "Swimming Pool" widmet sich François Ozon erneut den Untiefen der weiblichen Seele. In SPIEGEL ONLINE spricht er über seine eigenen Obsessionen und erklärt, warum Filme mit Männern langweilig wären.


 Erfolgreich mit Frauen": François Ozon
AFP

Erfolgreich mit Frauen": François Ozon

SPIEGEL ONLINE:

"Swimming Pool" ist auch ein Film über den künstlerischen Schaffensprozess. Funktioniert der bei Ihnen ähnlich wie bei Ihrer Heldin, der Schriftstellerin Sarah Morton?

Ozon: Ja. Man könnte sogar sagen, "Swimming Pool" ist eine Art Selbstporträt. Wenn ich ein Drehbuch schreibe, brauche ich die gleichen festen Regeln wie sie. Und ich löse das Band zur Welt und ziehe mich an einen ruhigen Ort zurück.

SPIEGEL ONLINE: Für Sarah Morton verwischen sich Fiktion und Wirklichkeit. Sie spielen auch in anderen Filmen mit den Realitäten. Wollen Sie keine normal-realistische Geschichte erzählen?

Ozon: Vielleicht werde ich das eines Tages tun. Aber ein Künstler hat keine Grenzen. Wenn du eine Person porträtieren willst, dann kannst du nicht einfach nur Ihre Handlungen zeigen. Du erfährst genauso viel durch ihre Fantasien. Diese Sichtweise habe ich mit David Lynch gemeinsam, dessen "Mulholland Drive" ich sehr bewundere.

SPIEGEL ONLINE: Die Personen, die Sie in Ihren Filmen zeigen, sind vorzugsweise Frauen. Warum?

Ozon: Frauen sind einfach vielschichtiger und klüger als Männer. Und sie gehen gerne mehr Risiken ein. Deshalb ist es für mich interessanter, Geschichten über sie zu erzählen. Als Mann habe ich mehr Distanz zu ihnen und kann manche Dinge auch komisch sehen. Außerdem hat es immer einen erotischen Aspekt, die Schönheit einer Frau einzufangen.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind Frauen vielschichtiger und klüger als Männer?

Ozon: Sie definieren sich mehr durch ihre Gefühle und Empfindungen, während sich Männer eher durch ihre Handlungen ausdrücken. Wenn ich "Acht Frauen" mit Männern gemacht hätte, dann hätte sich der Film nur um Schießereien gedreht. Bei Frauen dagegen wurde ein großes Intrigenspiel daraus.

Liebt die Frauen: Ozon mit Ludivine Sagnier und Charlotte Rampling
AP

Liebt die Frauen: Ozon mit Ludivine Sagnier und Charlotte Rampling

SPIEGEL ONLINE: Ihr Frauenbild ist zwiespältig. In "Acht Frauen" und "Swimming Pool" springen sie mit den Männern gar nicht nett um.

Ozon: Ich sage nicht, dass die Frauen Engel sind. Sie mögen zwar so aussehen, aber tief drinnen sind sie Teufel. Das ist ja gerade das Spannende an ihnen. Und deshalb liebe ich sie.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Sie als Mann die Feinheiten der weiblichen Psychologie verstehen?

Ozon: Vielleicht weil ich in meinem früheren Leben eine Frau war. Aber im Ernst: Wenn Sie eine Filmfigur lieben, dann vertiefen Sie sich so sehr in ihre Psyche, dass Sie sie verstehen. Das ist beinah ein schizophrener Akt.

SPIEGEL ONLINE: Diese Geschichten erzählen sie mit sparsamen stilistischen Mitteln. Extravagante Kamerawinkel- und fahrten kommen bei Ihnen nicht vor.

Ozon: Deshalb arbeite ich auch in Frankreich und nicht in Hollywood.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie denn Angebote aus den USA?

Ozon: Viele. Aber durch den Erfolg meiner Filme bekomme ich in Frankreich das Geld, um das zu machen, was ich will. Vielleicht brauche ich eines Tages neue Inspiration, dann gehe ich nach Amerika. Bis dahin behalte ich meine Freiheit und folge meinen wahren Wünschen.

SPIEGEL ONLINE: Und wann drehen Sie einen Film über Männer?

Ozon: Vielleicht eines Tages. Im realen Leben verwischen die Unterschiede zwischen Männer und Frauen ohnehin. Die Frauen bekommen mehr Macht, während die Männer weicher werden. Aber in meinem nächsten Film, "5x2" geht es um beide Geschlechter. Denn er handelt von der Liebe.

Das Interview führte Rüdiger Sturm



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