"Hobbit"-Regisseur Peter Jackson: "Ein Film dieser Dimension ist ein Glücksspiel"
Mehr Abenteuer, weniger Drama: Mit seiner "Hobbit"-Trilogie will Peter Jackson sogar seine "Herr der Ringe"-Filme übertrumpfen. Im Interview spricht er über den Produktionswahnsinn, Versagensangst - und erklärt, weshalb er das Wort Mittelerde zwischenzeitlich nicht mehr hören konnte.
SPIEGEL ONLINE: In der Branche hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Ihre "Hobbit"-Trilogie mitsamt der Werbung eine Milliarde Dollar kostet. Braucht es so viel Geld, um ein beliebtes Kinderbuch zu verfilmen?
Jackson: Ich weiß nicht, woher solche Summen stammen, und denke, dass da ein paar Reporter Auflage mit sensationslüsternen Schlagzeilen machen wollen. Die Zahl ist sicher viel zu hoch, und ich habe noch nie begriffen, warum die Leute so besessen sind von Budgets. Natürlich ist ein Film dieser Dimension ein riskantes Glücksspiel, doch darüber kann ich mir beim Drehen nicht den Kopf zerbrechen. Das ist nicht mein Thema. Bei aller Verantwortung für die Story gehören mir weder die Verwertungsrechte an "Der Hobbit" noch die Kinos, deren Besitzer auf volle Häuser hoffen.
SPIEGEL ONLINE: Aber größer, schneller, weiter wird es nach dem Gesetz der Serie doch zugehen im "Herr der Ringe"-Nachfolger?
Jackson: Nein, wir wollten nichts Erreichtes übertrumpfen, sondern die Vorgeschichte erzählen, in der ja auch nicht dauernd kriegerische Heere aufeinanderprallen. Dafür bewegt sich die Story des "Hobbit" viel schneller, so dass es am Ende viel weniger Verschnaufpausen gibt als bei der ersten Trilogie. Mehr Abenteuer, weniger Politik und Drama. Doch wir erschlagen niemanden mit Schauwerten, sondern setzen auch die 3-D-Technik sehr zurückhaltend ein.
SPIEGEL ONLINE: Im Sommer verkündeten Sie zu aller Überraschung, sogar drei statt geplante zwei Filme aus der Vorlage zu machen. Wie kam es dazu?
Jackson: Anders als bei "Herr der Ringe" hatten wir uns diesmal Zeitpolster in den Produktionsplan gebaut, um von der Dynamik des Drehs nicht überrollt zu werden. In diesen Pausen ertappten wir uns dabei, ständig neue Szenen zu schreiben und Löcher des Plots zu stopfen, die wir vorher übersehen hatten. Auch die Schauspieler inspirierten uns mit ihrer Arbeit und ihren Ideen, viele Rollen zu vergrößern. Irgendwann war einfach klar: Das wird zu eng mit zwei Filmen.
SPIEGEL ONLINE: Wer den Roman von Tolkien kennt, kann nur staunen, dass die Vorlage so viel Kinostoff hergeben soll.
Jackson: Warten Sie's ab. Tolkien hat reichhaltige Anhänge hinterlassen, die er vor seinem Tod selbst zu einem Roman umzuschreiben plante, der die chronologische Lücke zwischen "Der Hobbit" und "Die Gefährten" schließen sollte. Was wir übernommen, was wir vorsichtig ausgearbeitet haben, das möchte ich nicht verraten, um den Fans die Überraschungen nicht zu verderben. Ich bin selbst froh, wenn der Film endlich in die Kinos kommt und die Spekulationen ein Ende haben. Doch bis zur Woche vor der Weltpremiere mussten noch zahllose Effekte eingebaut werden, wir haben noch Tag und Nacht gearbeitet.
SPIEGEL ONLINE: Warum hatten Sie sich lange gegen das Projekt gesträubt und zwischenzeitlich dem Kollegen Guillermo del Toro die Regie überlassen?
Jackson: Kurz gesagt hatten selbst wir nach "Die Rückkehr des Königs" für eine Weile die Nase voll von Mittelerde. Nicht von Tolkiens Werken, aber von den Mühen, Mittelerde zum Leben zu erwecken. Und ich selbst befürchtete, mich in eine Schublade zu begeben und anderen Interessen nicht mehr folgen zu können.
SPIEGEL ONLINE: Immerhin drehten Sie zwischenzeitlich "King Kong" und "In meinem Himmel".
Jackson: "Der Hobbit" war aber trotzdem die ganze Zeit präsent, das Gerangel um die Rechte schleppte sich quälend dahin. Aber ich verlor das Buch nie aus dem Blick. Auch wenn ich zuerst nicht Regie führen wollte, empfinde ich für Mittelerde im Kino eine gewisse Autorenschaft. Guillermo hätte gewiss seine eigenen Bilder gezeichnet, doch für den Rahmen trug ich immer als Produzent die Verantwortung. Wie jedem Fan ist mir extrem daran gelegen, Tolkien treu zu bleiben, auch wenn jede Adaption eine individuelle Interpretation sein muss.
SPIEGEL ONLINE: Vor Drehstart hatten Sie noch ein Magengeschwür und drohten, Neuseeland mit der Produktion zu verlassen, als "Der Hobbit" von der Gewerkschaft bestreikt wurde. War das Projekt all den Stress wert?
Jackson: Momentan bin ich sehr glücklich, weil wir sogar mehr gutes Material in 2012 haben drehen können als erhofft - und im Sommer 2013 werden wir noch in Ruhe für das Finale nachdrehen, während ich bei Teil zwei gerade mit dem Schnitt begonnen habe. Eine spannende Phase: Ich weiß selbst noch nicht, wie ich die Akzente setze und wo welche Figuren ihre Schwerpunkte haben. Der Stress der Entstehungsgeschichte? War vergessen, als ich das erste Mal am Set stand und meinen Bilbo Beutlin sah.
Das Interview führte Roland Huschke
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- Mittwoch, 28.11.2012 – 12:25 Uhr
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USA/Neuseeland 2012
Regie und Drehbuch: Peter Jackson
Darsteller: Martin Freeman, Richard Armitage, Ian McKellen, Andy Serkis, Aidan Turner, Ken Stott, Graham McTavish
Produktion: New Line Cinema
Verleih: Warner Bros.
Länge: 164 Minuten
Start: 13. Dezember 2012
- Peter Jackson, 51, ist einer der erfolgreichsten Regisseure der Filmgeschichte. Seine "Herr-der-Ringe"-Trilogie gewann insgesamt 17 Oscars. Mit der dreiteiligen "Hobbit"-Saga, deren erster Film am 13. Dezember in Deutschland anläuft, will Jackson an diesen Erfolg anknüpfen.
REUTERS
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