Interview mit Salma Hayek "Sobald ich meinen Mund aufmachte, fingen die Probleme an"

Die Schauspielerin und Regisseurin Salma Hayek über ihre ehrgeizige Biografie-Verfilmung "Frida" und die Schwierigkeit, sich als Mexikanerin in Hollywood zu behaupten.


Schauspielerin Hayek: "Ich fühlte mich wie eingesperrt"
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Schauspielerin Hayek: "Ich fühlte mich wie eingesperrt"

SPIEGEL ONLINE:

Frau Hayek, fast neun Jahre lang haben Sie um Ihr "Frida"-Projekt gekämpft, das Sie letztlich mitproduzierten. Hätten Sie den Gedanken ertragen, es am Ende nicht machen zu können?

Salma Hayek: Aber sicher. Es ging ja nicht darum, den Film um jeden Preis zu drehen. Ich hätte schon früher ein paar Mal die Gelegenheit gehabt, "Frida" zu realisieren. Aber die Drehbücher passten nicht. Meine Devise war: Entweder ganz oder gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das Massenpublikum kennt Sie nur als Latina-Babe aus "From Dusk Till Dawn" oder "Wild Wild West". Trauten Sie sich von vornherein die schwierige Rolle der Frida Kahlo zu?

Hayek: Was glauben Sie denn?! Ich hätte sie schon vor vielen Jahren spielen können. Die ganze Zeit in Hollywood fühlte ich mich wie eingesperrt, und wollte jetzt einfach nur loslaufen.

SPIEGEL ONLINE: Warum ließ man Sie nicht schon früher andere, anspruchsvollere Rollen spielen?

Hayek als "Frida": "Ich habe diese Person geliebt"
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Hayek als "Frida": "Ich habe diese Person geliebt"

Hayek: Es ist alles eine Frage des Akzents. Der ist das größte Problem für Latino-Schauspieler in Hollywood. Sobald ich meinen Mund aufmachte, fingen die Probleme an.

SPIEGEL ONLINE: Wie spielt man jemanden wie die Kahlo, die ihr Leben lang unter enervierenden Schmerzen litt?

Hayek: Ich habe diese Person geliebt. Und wenn du jemanden liebst, dann ist es sehr leicht, auch dessen Schmerzen nachzuempfinden.

SPIEGEL ONLINE: Was lieben Sie an Frida Kahlo?

Hayek: Sie hatte den Mut, sie selbst zu sein, egal welche Tragödien sie erlebte oder welche Skandale sie dadurch heraufbeschwor.

SPIEGEL ONLINE: Für "Frida" gewannen Sie einige Ihrer engsten Freunde als Mitstreiter. Hatten Sie keine Angst, dass der Stress dieses Projekts auch solche Beziehungen gefährden könnte?

Hayek: Das kam mir nie in den Sinn.

SPIEGEL ONLINE: Und wie war es mit dem Schauspieler Edward Norton, Ihrem Lebensgefährten? Als Autor der letzten Drehbuchfassung musste er schließlich Ihre Vision von Frida Kahlo umsetzen.

Hayek mit "Wild Wild West"-Crew ( Regisseur Barry Sonnenfeld, Hauptdarsteller Will Smith, Kevin Kline): "Es ist alles eine Frage des Akzents"
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Hayek mit "Wild Wild West"-Crew ( Regisseur Barry Sonnenfeld, Hauptdarsteller Will Smith, Kevin Kline): "Es ist alles eine Frage des Akzents"

Hayek: In seinem Fall hatten wir ein sehr kluges System. Er schrieb für sich allein, und ich hatte nichts damit zu tun. Dann zeigte er seine Arbeit der Regisseurin Julie Taymor. Sie setzte sich mit mir zusammen und wir arbeiteten gemeinsam unsere Kommentare aus. So konnte er nie sagen, von wem welche Bemerkung stammte.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie nach Ihrer Ochsentour durch Hollywood desillusioniert?

Hayek: Es gab einen Punkt, an dem ich es war. Aber jetzt nicht mehr. Nicht, weil sich das System verändert hat, sondern weil ich mich verändert habe. Eine Illusion ist eine Vorstellung, die du selbst fabriziert hast. Wenn die Realität ihr nicht entspricht, dann bist du enttäuscht. Du bist selbst dafür verantwortlich, wenn du dir ein falsches Bild von der Welt machst.

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihre traumatischste Erfahrung in Hollywood?

Hayek: Autofahren. Ich hatte in Mexiko nie am Steuer gesessen - und dann musste ich auf die Freeways in Los Angeles. Es war der reine Horror.

SPIEGEL ONLINE: Anfang der neunziger Jahre ließen Sie eine erfolgreiche Karriere als Fernsehstar hinter sich und gingen nach Hollywood, wo Sie noch einmal von vorne anfangen mussten. Warum kehrten Sie der mexikanischen Filmbranche überhaupt den Rücken?

Künstlerin Kahlo: "Sie hatte den Mut, sie selbst zu sein"
DPA

Künstlerin Kahlo: "Sie hatte den Mut, sie selbst zu sein"

Hayek: Ich habe ihr nie den Rücken gekehrt. Ich war nach Los Angeles gekommen, weil ich mich als ernsthafte Schauspielerin beweisen wollte. Damals gab es einfach keine funktionierende Filmindustrie in Mexiko. Aber dem mexikanischen Kino bin ich trotzdem eng verbunden geblieben. Ich habe Artur Ripsteins Marquez-Verfilmung "No One Writes To The Colonel" produziert und in verschiedenen mexikanischen Filmen mitgespielt. Zur Zeit bereite ich wieder eine mexikanische Produktion vor. Dabei werde ich zum zweiten Mal Regie führen. Wenn unsere Filmindustrie damals so eine Renaissance erlebt hätte wie heute, wäre ich vielleicht gar nicht in die USA gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Macht Ihnen Regie führen inzwischen mehr Spaß als die Schauspielerei?

Hayek: Bis jetzt habe ich es nur einmal gemacht - und in dem Fall lautet die Antwort ja. Aber jeder sagt mir, wie schwierig das Ganze sei. Vielleicht hatte ich beim ersten Mal nur Glück.

SPIEGEL ONLINE: Kann es für Sie noch ein Projekt geben, das "Frida" übertrifft? Oder geht alles von jetzt an nur noch abwärts?

Hayek: Im Gegenteil. Was mit dir geschieht, ist eine Frage der Einstellung. Es ist wie mit einer Beziehung. Wenn sie zu Ende ist, dann kannst du trotzdem wieder eine haben. Denn du hast ja die Fähigkeit entwickelt, eine Beziehung zu führen. Genauso geht es mir jetzt: Durch "Frida" und mein erstes Regieprojekt weiß ich viel besser, wer ich bin. Ich fühle mich viel wohler in meiner Haut. Das gibt mir die Leidenschaft, alle Möglichkeiten des Lebens zu nutzen. Es hat so viel Erstaunliches zu bieten.

SPIEGEL ONLINE: Und welche Traumprojekte hält es für Sie noch bereit?

Hayek: Das weiß ich nicht. Es geht ja dabei nicht unbedingt ums Filmemachen. Im Moment habe ich eine Leidenschaft für die Regie. Vielleicht entwickle ich demnächst aber auch eine Begeisterung für Gartenbau oder fürs Kinderkriegen. Oder ich werde einfach passionierte Faulenzerin.

Das Interview führte SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Rüdiger Sturm



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