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Interview mit "Spider-Man" Tobey Maguire: "Ich glaube an eine höhere Macht"

Die Comic-Verfilmung "Spider-Man" verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem glänzenden Hauptdarsteller. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem US-Schauspieler Tobey Maguire über jugendliche Unschuld, höhere Bewusstseinsebenen und seine Identifikation mit dem Spinnenmann.

"Spider-Man" Maguire, 26: "Alles ist eine Frage der Perspektive"
AP

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SPIEGEL ONLINE:

Mister Maguire, ursprünglich glaubte das Studio nicht, dass Sie Spider-Man spielen könnten. Sie mussten sich sogar Probeaufnahmen unterziehen. War das nicht erniedrigend?

Tobey Maguire: Ein bisschen hat es mein Ego gestört. Aber wenn ich von meinem Ego beherrscht würde, könnte ich nicht in Frieden und Glück leben. Deshalb habe ich wieder die richtige Perspektive gekriegt und mich von meinen Instinkten und meinem Intellekt leiten lassen.

SPIEGEL ONLINE: Womöglich identifiziert Sie das Publikum jetzt auf ewig mit dieser Rolle - so wie Christopher Reeve mit Superman. Keine Angst?

Maguire: Das ist doch so unwichtig. Warum sollte ich mich davor fürchten? Alles ist eine Frage der Perspektive: Für meine Mutter bin ich der Sohn, für meine Freunde der Kumpel. Es gibt freilich Interviewer, die sehen mich nur als Tobey Maguire, der Spider-Man spielt. Aber das deshalb, weil sie sich nicht für meine anderen Filme interessieren...

SPIEGEL ONLINE: Wie zum Beispiel "Gottes Werk und Teufels Beitrag", "Der Eissturm"oder "Pleasantville". Sie glauben, ich hätte die nicht gesehen?

Maguire: Ich wollte Sie ja nur ein bisschen provozieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie hätten auch andere Optionen außer Spider-Man gehabt - etwa Martin Scorseses "Gangs of New York".

Maguire: Ich hatte die Ehre, mich mit Mr. Scorsese zu treffen und über seinen Film zu sprechen. Es wäre eine großartige Sache gewesen, aber es hat einfach nicht geklappt.

SPIEGEL ONLINE: Statt dessen also die Superhelden-Rolle. Waren Sie ein Fan des Comics?

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DDP

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Maguire: Nein, nie. Als Kind habe ich nicht mal Comics gelesen. Aber dieser Charakter war einfach so vielschichtig, und die Begeisterung von Regisseur Sam Raimi war so ansteckend, dass ich einfach mitmachen wollte.

SPIEGEL ONLINE: Finden Sie sich selbst in dieser Figur wieder?

Maguire: Es gab verschiedene Aspekte, mit denen ich mich besonders gut identifizieren konnte. Schon das Grundthema: Spider-Man muss erwachsen werden und für sein Leben und seine Handlungen Verantwortung übernehmen. Die Vorgeschichte von Peter Parker hat mich zudem ein bisschen an meine eigene Jugend erinnert.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Maguire: Bevor der Junge zu Spider-Man wird, hat er Schwierigkeiten mit seinem sozialen Umfeld. Er weiß, er hat etwas Besonderes zu geben, aber er weiß nicht, wie er das tun soll. Er ist einfach nur schüchtern und unschuldig.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie das auch? Ang Lee, Ihr Regisseur bei "Der Eissturm" und "Ride With the Devil", hat Ihnen eine "unschuldige Art" attestiert.

Maguire: Ich habe vielleicht Charaktereigenschaften, die manche als Unschuld oder Naivität interpretieren. Das liegt einfach daran, dass ich Frieden und Freude in meiner Seele entdeckt habe. Und mit diesem Wissen erkenne ich auch die Schönheit des menschlichen Lebens.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das entdeckt, weil Sie seit Jahren Yoga praktizieren?

Maguire: So könnte man das sagen. Yoga ist nicht einfach ein physisches Training, es hilft, dir ein anderes Niveau des Seins zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie religiös?

Maguire: Nicht im strengen Sinne. Ich glaube an eine höhere Macht, die gleichzeitig in mir steckt. Letztlich geht es mir nur darum, mir meiner selbst und meiner Handlungen bewusst zu werden und zu lernen, wie ich besser werden kann.

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SPIEGEL ONLINE: So gesehen müssten Sie auch einen Plan für Ihre Karriere haben. Zumal Sie vor kurzem eine Produktionsfirma gegründet haben.

Maguire: Aber ich habe noch keine Projekte in der Entwicklung. Ich weiß ungefähr, was ich tun will, und was nicht. Wenn mich die Filmemacher und die Rollen nicht überzeugen, spiele ich lieber gar nicht. Zwischen dem Dreh von "Wonder Boys" und "Spider-Man" lagen zwei Jahre ohne Film. "Spider-Man" ist jetzt ein Jahr her, und ich habe mich immer noch nicht für die nächste Rolle entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Sie diese Zwangsruhe denn aushalten?

Maguire: In unseren schnelllebigen Zeiten ist es doch großartig, wenn du einmal keinen Trubel um die Ohren hast und nicht in Reichweite eines Telefons bist. Dann schaltest du noch dein Handy aus, und was bleibt, ist wunderbare Stille.

SPIEGEL ONLINE: Dann ist der Medienansturm durch "Spider-Man" wohl der wahre Horror?

Maguire: Ich habe mir nun einmal diesen Weg ausgesucht, und die Umstände, die damit verbunden sind, muss ich akzeptieren. Es ist eine Herausforderung, zu existieren.

Das Interview führte Rüdiger Sturm

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