Theater- und Filmemacher "Intimacy"-Regisseur Patrice Chéreau ist tot

Schon als 15-Jähriger wurde er als "Theaterwunderkind" gefeiert. Patrice Chéreau inszenierte Werke von Mozart bis Wagner. Gefeiert wurde der Franzose auch für seine Filme: Für "Intimacy" bekam er den Goldenen Bären. Jetzt ist der Franzose im Alter von 68 Jahren gestorben.

DPA

Paris - Mit "Intimacy" legte er einen schonungslosen Film über die Beziehung zweier Menschen vor - und wurde dafür bei der Berlinale 2001 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Nun ist der französische Theater- und Filmregisseur Patrice Chéreau nach Angaben seiner Angehörigen im Alter von 68 Jahren in Paris an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung gestorben.

Chéreaus Karriere erstreckte sich über 40 Jahre. Der Sohn eines Malers und einer Zeichnerin tat sich bereits als Jugendlicher in einer Laienspielgruppe seines Gymnasiums hervor und galt mit 15 Jahren als "Theaterwunderkind". Mit 22 Jahren inszenierte er "L'affaire de la rue de Lourcine" von Eugène Labiche - sein Name war da unter Theaterkritikern schon bekannt. Zehn Jahre später arrangierte er den "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen. Es folgten Inszenierungen bedeutender Werke der Musikgeschichte, darunter Wolfgang Amadeus Mozarts "Don Giovanni", "Tristan und Isolde" von Richard Wagner und "Hamlet" von Shakespeare. Noch im Juli hatte seine Neuinszenierung der "Elektra" von Richard Strauss beim Festival im südfranzösischen Aix-en-Provence stürmischen Beifall bekommen.

Als Filmregisseur schaffte Chéreau seinen Durchbruch im Jahr 1975 mit "Das Fleisch der Orchidee", dessen Drehbuch er auch schrieb. Zu seinen größten Leinwanderfolgen gehört der vielfach ausgezeichnete Film "Die Bartholomäusnacht" mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle aus dem Jahr 1994.

"Seine Vitalität war bis zum Schluss außerordentlich"

Für viel Aufsehen sorgte aber vor allem sein Film "Intimacy". Das Erotikdrama handelt von Jay (Mark Rylance), dem Barkeeper, und Claire (Kerry Fox), der Schauspielerin in einem Vorstadttheater. Aus der Zufallsbekanntschaft wird Begierde, sie schlafen miteinander - jeden Mittwoch. Nach einem dieser Treffen folgt Jay seiner Ein-Tages-Geliebten jedoch und dringt in ihr Privatleben vor. Der Einbruch Jays in Claires "Intimität" markiert das Ende der "Intimität" zwischen den beiden.

Zwei Jahre nach dem Erfolg saß Chéreau in der Jury der Filmfestspiele von Cannes, 2007 leitete er für einige Monate die bedeutendste Filmhochschule Frankreichs.

"Seine Vitalität war bis zum Schluss außerordentlich", sagte die Ko-Chefin seiner Künstleragentur Artmedia, Elisabeth Tanner, der Nachrichtenagentur AFP. Der Regisseur Olivier Py, einstiger Leiter des Odeon-Theaters in Paris, beteuerte seine "ungeheure Traurigkeit" über den Tod des Kollegen. Chéreau sei vor allem von einer "enormen Feinfühligkeit" geprägt gewesen. "Ich habe auch seine Filme sehr geliebt", sagte Py.

vks/dpa



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