Protest gegen Trump Iranische Schauspielerin boykottiert die Oscars

Sie könnte sich für "The Salesman" einen Oscar abholen - aber Taraneh Alidoosti will der Verleihung im Februar fernbleiben. Sie protestiert damit gegen die US-Einwanderungspolitik.

Taraneh Alidoosti
Getty Images

Taraneh Alidoosti


Im Iran ist Taraneh Alidoosti ein Star. Bei der Oscarverleihung könnte sie sich auf der internationalen Bühne präsentieren - der Film "The Salesman (Forushande)" ist als bester ausländischer Film nominiert. Aber Alidoosti wird nicht nach Los Angeles reisen. Sie protestiert damit gegen die Einwanderungspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Auf ihrer Instagram-Seite schrieb die 33-Jährige am Donnerstag: "Das neue Gesetz, auch wenn es nur temporär sein sollte, ist diskriminierend und inakzeptabel." Sie werde deshalb nicht in die USA reisen und dementsprechend auch nicht an der Oscar-Zeremonie teilnehmen.

Ein von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagener Gesetzentwurf sieht vor, dass Bürger aus sieben mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern, unter anderem Iran, vorübergehend keine Visa für die USA erteilt bekommen. Angeblich sollen auch Iraner mit einem Visum nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Viele Iraner haben in den sozialen Netzwerken den Entwurf scharf verurteilt.

Alidoosti spielt neben Shahab Hosseini die Hauptrolle in dem Film "The Salesman (Forushande)" von Asghar Farhadi. Die Iraner treten in der Kategorie bester ausländischer Spielfilm unter anderem gegen Maren Ades deutschen Beitrag "Toni Erdmann" an. Farhadi hatte 2012 mit seinem Scheidungs-Drama "Nader und Simin - eine Trennung" erstmals überhaupt einen Oscar in den Iran geholt.

In Deutschland läuft "The Salesman (Forushande)" am 2. Februar an. Eine ausführliche Kritik zu dem Film lesen Sie am kommenden Montag auf SPIEGEL ONLINE.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hatten wir den Farhadi-Film fälschlich als "Die Mieterin" betitelt. Der korrekte Verleihtitel ist "The Salesman (Forushande)".

kae/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
juergen.albrink 26.01.2017
1. Trump sollte konsequent sein
Trump hat gesehen was durch Merkels Flüchtlingspolitik bei uns passiert ist. Er weiß um die Gefahren, die von Muslimen in der heutigen Zeit ausgeht. Er sollte den Gesetzentwurf so umsetzen wie geplant und auf den Besuch dieser (mir völlig unbekannten) Schauspielerin verzichten. Ich wünsch mir so ein Gesetz auch für Deutschland bzw. Europa. Aber unsere Politiker blasen zwar aufgrund der derzeitigen Probleme mal wieder die Backen auf - heraus kommt aber meistens nur heiße Luft.
alaba27 26.01.2017
2. Na dann
werden die Oscars wohl in diesem Jahr ausfallen.
echoanswer 26.01.2017
3. Die Oskars
Sollten alle Schauspieler und Regisseure außerhalb der USA boykottieren. Dann kann der Goldzwerg an die Amis verschenkt werden. Na und?
sohrab_e92 26.01.2017
4. Übersetzungsfehler
Ihnen sind zwei Fehler unterlaufen. Erstens heißt der Film "Forushande - The Salesman" nicht Mieterin, sondern "der Verkäufer". Und zweitens ist die korrekte Übersetzung des Wortes "Racist" "rassistisch" und nicht "diskriminierend". Alidoosti hat bewusst dieses Wort gewählt.
Lars Hentschel 26.01.2017
5. Ich habe im Iran
Sehr moderne, fortschrittlich denkende Menschen kennenlernen dürfen. Sie dulden die Herrschaft der Mullahs, weil die im Gegenzug für Stabilität sorgen; das allein ist in dieser Ecke der Welt schon sehr viel wert. Stück für Stück werden sich auch kleine Freiheiten erkämpft. Ich denke man ist dort auf einem guten Weg. Dazu gehört auch das Selbstbewusstsein, solche Signale zu setzen. Chapeau!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.