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Iranischer Filmregisseur: Panahi zu sechs Jahren Haft verurteilt

Sechs Jahre Haft, 20 Jahre Berufsverbot: Das Gerichtsurteil gegen den iranischen Filmemacher Jafar Panahi hätte kaum drastischer ausfallen können. Zusammen mit dem international bekannten Regisseur ist auch sein Kollege Mohammed Rasulof verurteilt worden.

Jafa Panahi in Teheran: Ein Gericht hat den Regisseur zu sechs Jahren Haft verurteilt. Zur Großansicht
AFP

Jafa Panahi in Teheran: Ein Gericht hat den Regisseur zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Teheran - Es ist der Versuch, einen prominenten Kritiker mundtot zu machen: Sechs Jahre lang soll der iranische Filmemacher Jafar Panahi in Haft kommen - und darüber hinaus hat ihn das Gericht mit einem 20-jährigen Berufs- und Reiseverbot belegt. Panahi müsse wegen "Propaganda gegen das System" ins Gefängnis, sagte seine Anwältin Farideh Gheirat am Montag der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Nach Verbüßung der Haftstrafe dürfe er weder Filme drehen, noch Drehbücher schreiben und auch keine Interviews geben. Gheirat kündigte Berufung gegen das Urteil an. Wie Panahi wurde in einem ähnlichen Verfahren der iranische Regisseur Mohammed Rasulof zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Dies teilte laut Isna dessen Anwalt Iman Mirsadeh mit.

Panahi zählt zu den im Ausland bekanntesten Regisseuren aus dem Iran. Er erhielt unter anderem bei der Berlinale 2006 den Silbernen Bären für sein Werk "Offside". 2000 wurde er beim Filmfestival von Venedig für den Film "Der Kreis" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, 1995 gewann er die Goldene Kamera in Cannes mit dem Film "Der weiße Ballon". Trotz ihres internationalen Erfolgs sind die meisten seiner Filme im Iran der Zensur zum Opfer gefallen.

Internationale Proteste

Panahi, der offen die Oppositionsbewegung gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad unterstützt, war im Februar 2010 die Ausreise verweigert worden, als er nach Deutschland fliegen wollte, um an der Berlinale teilzunehmen. Bei einer Trauerfeier der Oppositionsbewegung für die Menschen, die bei der Niederschlagung der Demonstrationen 2009 ums Leben kamen, wurde Panahi am 1. März 2010 gemeinsam mit 16 Mitstreitern in seinem Haus in Teheran verhaftet - darunter auch seine Frau und seine Tochter. Die meisten der Verhafteten kamen kurze Zeit später wieder frei. Panahi konnte erst nach knapp drei Monaten gegen Zahlung einer Kaution von umgerechnet rund 164.000 Euro vorläufig das Gefängnis verlassen. Während seiner Haft war er aus Protest in einen Hungerstreik getreten.

Die Festnahme des Filmemachers hatte international Proteste hervorgerufen, denen sich auch Star-Regisseure wie Steven Spielberg, Martin Scorsese und Oliver Stone anschlossen.

Der 1973 geborene Mohammed Rasulof, der gemeinsam mit Panahi verurteilt wurde, hatte unter anderem im Jahre 2008 eine Dokumentation über Zensur und Informationstechnologie im Iran gedreht. Für den Film "Baad-e-Daboor" war Rasulof durch den Iran gereist, um zu dokumentieren, wie illegal verkaufte Satellitenschüsseln überall im Land zum Werkzeug einer neuen Generation werden. "Durch das Umlegen eines Schalters sind Menschen, denen jeder Zugang zur Welt bislang versperrt war, plötzlich überwältigt von Musik, Nachrichten und Meinungen im weltumspannenden Maßstab", schrieb die New Yorker Zeitschrift "The Sun" über den Film. "Wir erleben, wie die Technologie eine ganze Generation dazu ermächtigt, sich Mausklick für Mausklick aus der Ignoranz zu befreien."

twi/afp

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