Iranischer Regisseur Panahi kommt gegen Kaution frei

Bei den Filmfestspielen in Cannes forderte Juliette Binoche unter Tränen seine Freilassung, er selbst war in einen Hungerstreik getreten: Nun soll der inhaftierte iranische Filmregisseur Jafar Panahi bald auf freien Fuß kommen - gegen Zahlung einer Kaution von zwei Milliarden Rial.

Inhaftierter Regisseur Jafar Panahi: Freilassung gegen Kaution steht kurz bevor.
AFP

Inhaftierter Regisseur Jafar Panahi: Freilassung gegen Kaution steht kurz bevor.


Teheran - Die Justiz im Iran hat die Freilassung des seit Wochen inhaftierten Filmemachers Jafar Panahi gegen eine Kaution angeordnet. Der Generalstaatsanwalt von Teheran, Abbas Dschafari Dolatabadi, erklärte am Montag nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna, die nötigen Abläufe zu seiner Freilassung seien veranlasst. Zugleich werde die Anklageschrift zur Prüfung an das Revolutionstribunal in Teheran übergeben.

Panahis Ehefrau Tahereh Saeedi erklärte der Nachrichtenagentur Ilna, die Kaution betrage zwei Milliarden Rial, das sind umgerechnet etwa 160.000 Euro. Sie sei von den Behörden informiert worden, dass Panahi am Dienstagabend zwischen 19 Uhr und 23 Uhr Ortszeit (ab 16:30 Uhr MESZ) aus dem Gefängnis entlassen werde.

Panahi, der als einer der wichtigsten unabhängigen Regisseure im Iran gilt, war im März wegen der Planung eines regimekritischen Films verhaftet worden. Er hatte sich auch kritisch zur Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni vergangenen Jahres geäußert.

Vor einer Woche war der Filmemacher in den Hungerstreik getreten. Er wollte damit eine Zusage der Behörden erreichen, dass seine Familie in Sicherheit sei, sagte er in einem Telefonat mit seiner Frau. Zuvor sei ihm gedroht worden, dass auch Familienmitglieder verhaftet würden.

Panahi war im Februar als Ehrengast zur 60. Berlinale eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Außerdem sollte er der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes angehören; bei der Preisverleihung blieb demonstrativ sein Jurysessel leer. Filmstars und Regisseure setzten sich in Cannes für die Freilassung Panahis ein; Panahis Landsmann Abbas Kiarostami verlas eine Erklärung des Regisseurs, die die Schauspielerin Juliette Binoche zu Tränen rührte. Im Jahr 2000 hatte Jafar Panahi mit seinem Film "Der Kreis" den Goldenen Löwen von Venedig und mit "Offside" 2006 einen Silbernen Bären in Berlin gewonnen.

feb/Reuters/dpa/AFP

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