Von Ole Reißmann
Das Maschinengewehr im Bekennervideo ist aus Plastik und für Kinderhände gemacht - wild entschlossen sind sie trotzdem, sich und andere im Namen des Islam zu töten: Fünf junge Männer, die in Großbritannien leben. Omar, der charismatische Anführer, Fessel, Waj, Hassan und Barry. Bloß: Die Selbstmord-Fanatiker sind ausgesprochene Dilettanten.
Die provokante Satire "Four Lions" hat mehr als ein Jahr nach dem offiziellen Start nun auch einen deutschen Verleih gefunden. Am Donnerstag startet die verstörende Mischung aus Comedy und Drama in den Kinos.
Weil es bei der Umsetzung ihres mörderischen Vorhabens zunächst hapert, sollen zwei von ihnen erst mal einen Terroristen-Basislehrgang in Pakistan absolvieren. Konvertit Barry würde auch gerne mit, hat aber nicht die nötigen Kontakte und nervt durch seine Unberechenbarkeit und seinen Fanatismus. Auf der Fahrt zum Flughafen sperren sie ihn deswegen lieber in den Kofferraum, bevor er sich doch noch ein Flugticket kaufen kann. Im Trainingscamp stellen sich die beiden Möchtegern-Dschihadisten allerdings dermaßen deppert an - als Omar auf eine nahende US-Drohne feuern will, hält er die Panzerfaust falsch herum - dass sie schon nach wenigen Tagen zurück in ihre Heimat müssen.
Ihrer Autorität zu Hause schadet das nicht, also schreiten die verwirrten Wut-Islamisten zur Tat, besorgen sich ohne größere Vorsichtsmaßnahmen und Probleme allerhand bombenfähige Chemikalien. Bei einem ersten Test sprengt sich Faisal versehentlich selbst in die Luft, übrig bleiben die "Four Lions". Nach heftigem Streit - Barry möchte eine Moschee in ihrer Heimatstadt Sheffield sprengen, damit sich die Glaubensbrüder radikalisieren - steht das Ziel fest: eine große Sportveranstaltung in London.
Drei Jahre soll Regisseur Chris Morris für die Geschichte recherchiert haben. Es gibt sorgfältig ausgearbeitete Details, darunter eine Szene, in der sich die Gruppe anfeuert und Mut zuspricht: Die "Four Lions" - der Titel suggeriert es - erinnern in ihrem Verhalten ein wenig an Fußballfans. Auf den Überwachungsbändern, die nach den Rucksackbomber-Anschlägen in der London U-Bahn vom Juli 2005 ausgewertet wurden, fand sich genau so eine Szene.
Wasserpistolen-Duelle im Wohnzimmer
Viel Wert legt der Film auf die ganz gewöhnlichen Lebensumstände der angehenden Selbstmordattentäter. Sie führen ein durchaus modernes Leben und fechten zusammen mit der Angetrauten Wasserpistolen-Duelle im Wohnzimmer aus. Das Publikum sieht vordergründig normale Typen auf der Leinwand, die auf ihrer heiligen Mission in ein Abenteuer stolpern, dessen Anforderungen zu hoch und dessen Konsequenzen zu groß für sie sind.
Warum sie sich nun unbedingt in die Luft sprengen müssen, wird nicht weiter erklärt. Einer der Terroristen, Waj, ist noch verpeilter als die anderen und will sich eigentlich gar nicht umbringen. Mit allerlei Tricks zerstreuen seine Genossen die Zweifel: "Du bist verwirrt, Bruder." Am Ende will Omar, seinen eigenen Irrsinn erkennend, ihn davon abhalten, sich an der mörderischen Aktion zu beteiligen. Doch der Versuch schlägt furchtbar fehl.
Leider kann sich der Film nicht so recht entscheiden: In seinen besten Szenen zeigt er unentschlossene und überforderte Terroristen, unbeholfen agierende Polizisten, die Verkettung glücklicher Zufälle und chaotischer Umstände. Vor allem geschieht vieles sehr unaufgeregt und nebenbei. Viele dieser Passagen sind geradezu überzogen komisch. Trotzdem bleibt "Four Lions" zunächst ein Film, der seinen Charakteren auf Augenhöhe begegnet und ernst genommen werden will.
Dann aber muss es oft noch einen Tick lustiger sein als nötig. Zwei der Chaos-Glaubensbrüder geraten so zu regelrechten Witzfiguren, über die sich der Film gnadenlos lustig macht. Zu blöd, um noch glaubhaft zu sein. Dabei ist die Pointe gut gesetzt: Noch die lächerlichsten Trottel können eine Katastrophe anrichten.
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